06 Moskau – Rostov am Don

23:18 ab Kasanskaja fährt mein Zug von Moskau nach Rostov am Don – Ankunft 19:12. Ich muß suchen, denn mein Zug steht nicht auf der Anzeigetafel, denke ich. Er heißt anders und fährt anders ab aber er ist es.

Ein Polizist hilft mir und fragt per Funk, wo der Zug fährt. Ich hab ja etwas Respekt vor der Polizei aber alles gut.

Die Schaffnerinnen stehen an den Schlafwaggons und sie kontrollieren nochmal alles. Schon am Eingang vom Bahnhof wurde ich kontrolliert, das kenne ich auch aus Mailand – fast wie am Flughafen. Aber jetzt paßte mein Benpacker nicht durch den Tunnel und ich baute ihn auseinander. Die anderen werden behindert und das ist nicht lustig. Keine Beanstandung, obwohl ich ja meine Gaskartusche für den Kocher dabei habe. Na wer weiß.

Der Waggon ist schon älter aber irgendwie besser als der nagelneue Berlin-Moskau. Es stehen für zwei Personen Obstteller und Teegläser bereit.

Weil es keine Einzelabteile gab, hatte ich 2er Abteil „gender sensible“ angekreuzt. Kurz vor Abfahrt kommt sie, Jenia. Eine junge Frau aus Selenograd vor den Toren Moskaus – huch. Da sitzen wir nun und sie bricht das Eis indem sie mich auf englisch anspricht. Gottseidank – wir können über alles reden. Bei „gender sensible“ hatte ich wohl was falsch verstanden, weil ich mit einem Mann rechnete. Sie sagte, da sei sie schuld. Es waren kein Schlafplätze mehr frei und dann habe man sich eben gemeinsam über meine Sensibilität hinweg gesetzt. Na, das wird schon gehen. Sie muß morgen früh um 7 Uhr in Woronesch aussteigen, hat ein Meeting für Ihre Firma (bulgarische Haushaltschemie). Sie macht PR und Marketing und reist fast nur mit dem Zug durchs Land. Es wird ein kurzer Abend, denn sie braucht ihren Schlaf.

Wir knipsen das Licht aus und ich sitze noch ne Weile mit einer Flasche Bier und gucke in die Nacht. Wie hell es jetzt in Moskau ist. Ich habe am ersten Abend noch den Kreml abgeklappert.

Der Rote Platz war leider gesperrt.

Hier draußen in der Pampa brennen wieder Böschungen vor sich hin. Das kann eigentlich nur Absicht sein, denn es ist weder heiß noch trocken.

Jenia kriegt um 6 Uhr ihr Frühstück und wuselt herum. Ich Dreh mich nochmal. Dann ist sie weg und ich komme gerade noch rechtzeitig aus der Koje,um ein paar Eindrücke von Woronesch zu knipsen.

Die Stadt ist sicher nicht so doll, aber sie haben einen oder mehrere große Seen und das sieht schon gut aus.

Solche Städte werden jetzt mehrere kommen.

Gegen 11 Uhr Liski. Es ist nichts los. Die dritte Wagenklasse ist am anderen Ende des Zuges und da steigen ein paar ein. Auf dem Bahnsteig verkauft eine Frau unter anderem gekochten Mais.

Das wirkt ärmlich. Aber egal wie unattraktiv die Gegend ist, die Orthodoxen haben ihre blitzblanken Kirchen mit golden Kuppeln. Deren Geschäftsmodell sollte man näher kennen lernen.

Ich habe den Waggon den ganzen Tag für mich. Kann abwechselnd sitzen oder liegen.

Meine Nachbarn laufen in Bademänteln herum und haben ihren Spaß. Auf keinen Fall würde ich mich dazu hinreißen lassen. Ich bin jetzt schon Semiprofi: Heißwasser aus der Küche, kaltes Trinkwasser aus dem Spender. Leider kein Internet, aber einen Fernseher mit den Programmen 1, 2 und 3 – Kriegsfilm, Heimatfilm, Arztfilm – alle so um 1960 gedreht.

Ich laß das mal zwei – drei Stunden laufen in der Hoffnung es kommen Nachrichten oder Wetter – nichts. Jetzt fängt ein neuer Film an „Dienst für einen Kameraden“ (sehr alter Kriegsfilm). Sie diskutieren mit List den Schlachtplan und dann wird geschossen!

Draußen mal wieder eine Industriestadt mit reichlich Güterwaggons. Da ist Steinkohle oder Stammholz drin.

Wir fahren Richtung Donbas, also werden die riesigen rostigen, schmutzigen, rauchenden Fabriken mehr. Mir ist langweilig. In der zweiten Klasse haben sie einen Heißwasserspender in der Größe eines Atomkraftwerks.

Ich lasse ihn mir erklären, weil ich auf dem Weg zum tristen Speisewagen bin. Aber immerhin … Baltika – das erinnert mich an mein Abenteuer Baltikum. Da hatten sie auch dieses Bier. Das Glas allein wiegt ein halbes Kilo, das haben wir bei uns als Blumenvase.

Dann mal eine schönere Siedlung mit kleinen Häuschen. Hier ist es nicht so sumpfig, wie vor Moskau aber weit hat es die Natur auch hier noch nicht gebracht. Noch 4 Stunden bis Rostov, wir sind also gleich da.

Das wird noch lustig heute Abend, ich habe mich nicht um ein Zimmer gekümmert und hier hab ich kein Internet um was zu recherchieren. Das muß ich nachher am Bahnhof machen. Ohnehin muß ich für die Fahrt morgen Abend nach Baku meine Fahrkarte registrieren lassen, das ging vorher nicht. Mal schauen.

Registrierung hab ich am Bahnhof erledigt. Erst sollte ich eine Nummer ziehen und warten und dann nahm sich meiner eine gelangweilte Kollegin an, die eigentlich die Bedienung an den neuen Automaten erklären soll, aber keiner kauft eine Karte.

Der Zug kommt fast pünktlich. Rostov hat eine sehr große Ausdehnung, ist aber auch stark zersiedelt. Zunächst kommen fast nur alte graue Blöcke in Sicht.

Dann werden diese Richung Stadt farbiger, moderner aber es bleiben Schlafkasernen.

Hier werden auch Landmaschinen hergestellt, ich bin nur nicht schnell genug um die Fabrik zu fotografieren. Und Schiffe sind auf dem Don zu sehen.

Die Stadt ist nicht schön. Das Zentrum der Stadt läßt sich nicht leicht ausmachen. Am Bahnhof sagen die einen, es sei hier am Bahnhof, die anderen wissen es nicht. Ich folge meinem gesunden Menschenverstand und laufe an einer breiten staubigen Straße entlang eines steinernen Flußbettes, das fast kaum Wasser führt.

Dann biege ich in eine andere vierspurige Straße ein und die ist das Zentrum.

Ich erkenne das an den teuren Marken, die links und rechts verkauft werden. Da finde ich auch ein witziges Café Restaurant.

An der attraktivsten Ecke kreuzt eine sechsspurige Straße!

Und es scheint keine Blitzer zu geben, die Leute drehen auf und rasen. Alle Kilometer gibt es eine Ampel, an der man minutenlang auf grün wartet. Das Auto hat hier einen hohen Stellenwert. Keine Tram, kein Obus, kein Fahrradweg und Fußgänger sein – das ist nur was für arme Schlucker oder betrunkene Schlucker.

Morgen seh ich mir das mal im Hellen an.

Mein Hostel habe ich direkt am Busbahnhof gefunden. 17€ und ich kann bis 18 Ihr morgen bleiben, dann geht ja mein Zug. Das Zimmer ist in Ordnung.

Es hat zwei kleine Fenster zum Busbahnhof, da schallen die Ansagen durch. Sehr originell.

05 Moskau von seiner technischen Seite

Heute laufe ich etwas weniger und komme den Sehenswürdigkeiten mit der Metro bei. Genauer gesagt mit dem MZK Moskovskij Zentralni Kolzo – Moskauer Zentraler Ring – das ist die Linie 14, die einmal außen rum sämtliche weiteren 13 U-bahnlinien verbindet.

Sie verläuft oberirdisch.

Zuerst verlaufe ich mich erstmal und schaffe es, die einzige Station aufzusuchen, zu der ich zu Fuß muß. Dafür aber habe ich den Triumphbogen gesehen.

Die Bahn führt im Kreis um das erweiterte Zentrum der Stadt und dafür haben sie kräftig gebaut. Mit jeder Station wächst meine Hochachtung vor dem, was hier die letzten Jahre entstanden ist.

Sie haben auch was gegen den Feinstaub. Davon habe ich damals im Russischunterricht auch schon gehört: Wasser Marsch! Die Straßen werden ständig bespült und bleiben so sauber und das Salz vom Winter ist gleich mit weg.

Immerhin ist die Stadt auf Sumpf gebaut und deshalb muß alles ordentlich tief verankert werden. Ganz sicher geht auch so manches Stück des alten aber maroden Moskau verloren und ganz sicher auch viele alte Industriebrachen, die jetzt die Stadt an Wachstum hindern.

Eine unglaubliche Zahl von Autobahnen, Bahnlinien, Hochhäusern, Shoppingcentern und Business Centern wurden in den letzten 20 Jahren errichtet. Die Bahn ist super modern und auch die englische Übersetzung der Schilder und Ansagen haben sie gut hinbekommen, teilweise besser als bei uns. Wahrscheinlich gab es den letzten Kick dazu im letzten Jahr bei der Fußball WM.

Ich sehe hinter der Schallschutzwand einen alten Fiedhof und steige an der nächsten Station aus: Botanischer Garten. Na das klingt doch gut, obwohl es hier erstmal nicht danach aussieht.

Der Friedhof ist wahnsinnig eng, hat aber Würde und Magie. Jede Grabstelle und sei sie noch so klein, hat einen eigenen Metallzaun,

die neueren haben Marmoreinfassungen.

Ich rätsele noch, wer ausgewählt ist, hier bestattet zu werden, denn das ist sicher nicht jeder. Bei 12 Millionen Einwohnern müßten auch die Friedhöfe riesig sein.

Der Botanische Garten erschließt sich mir nicht, der ist irgendwie woanders. Auch ein Hinweis auf ein Café verläuft im Sandweg. Eine Kuppel sehe ich von Weitem und laufe einen kleinen Schleichpfad folgend am Flüßchen Jausa auf sie zu. Sieht aus wie ein Dom oder so, jedenfalls nicht orthodox. Ich komme an einem armselig wirkenden Gebäudeensemble vorbei, an dem fleißig gewerkelt wird. Überall Zäune und BohrmaschinenLärm. Auf den Zäunen Steht WDNH also ВДНХ auf russisch und ich hatte mich schon gefragt, was das heißt. Es gibt auch Haltestellen, die so heißen. Ich bekomme es bis zum Schluß nicht heraus, aber ich weiß jetzt was es ist – eine Art Vergnügungs- Ausstellungs- und Wissenschaftspark mit angeschlossenem Jahrmarkt. Davon hab ich den Hintereingang erwischt!

Vorher komme ich an einem kleinen Restaurant vorbei „Kombüse“ heißt es und soll holländisches Flair haben. Es ist eine ziemliche Bruchbude, aber gemütlich. Zum Essen wird Roggenbrot gereicht mit Senf. Ich mache es meinen Nachbarn gleich und streiche mir vorsichtig auch etwas davon aufs Brot. Ein Bissen und ich sacke kurz still in mich zusammen. Was auch immer zwischen Gaumen und Gehirn ist, es kann nicht viel sein, die Schärfe schießt nach oben durch. Es hat vielleicht auch seinen Grund, warum die Frau am Nachbartisch das nicht anrührt. Vielleicht weil die Schärfe schnell nachläßt oder weil die Männer schon rübergucken, ich entschließe mich das eine Stück Brot aufzuessen und beiße beherzt ab. Da fliegt mir kurz das Dach weg! Ich muß den Rest später unter einem kleinen Speiserest verstecken, ein drittes Mal abbeißen schaffe ich nicht. Die Frau am Nachbartisch macht sich übrigens als Nachtisch mehrere schöne Brote damit und ißt ungerührt…

Die Gebäude werden stattlicher und von weitem sehe ich eine echte Rakete! Wow, so ein Ding haben die da ausgestellt.

Es kommt noch besser: Die Kuppel gehört zu einer Kosmos- Ausstellung, also eine Kathedrale der Technik.

Drinnen ist alles, was die sowjetische und russische Raumfahrt zu bieten hat, auch eine Kopie der Raumstation MIR.

Echte Sateliten, Raumanzüge, Triebwerke und jede Menge Propaganda. Das alles ist absolut beeindruckend, auch wenn ständig darauf hingewiesen wird, daß man wesentlich besser ist als alle anderen zusammen. Die Halle selbst ist auch beeindruckend.

Zum Beispiel kommt ein Modell der europäischen Ariane Abschußrampe nicht ohne den Hinweis aus, daß sie viel kleiner ist als Baikonur und daß die Ausrüstung von Roskosmos-Firmen stammt. Die Transportraumschiffe zur ISS – meist Sojus, die Verweildauer im All – überragend. Insgesamt waren seit Jurij Gagarin 121 Kosmonauten im All.

Hier sehe ich meine Laufroute wieder.

Der Kontrollbildschirm der ISS live:

Am Ausgang gibt es einen Automaten mit echter Weltraumnahrung. Hoffentlich ohne Senf.

Zum Abschluss stelle ich mich noch unter die Wostok- Rakete, echt ein Riesending.

Dann schlendere ich auf der Hauptallee entlang und mir wird klar: Das war das Gelände der Allunionsausstellung, einer Leistungsschau der Planwirtschaft und der sowjetischen Errungenschaften. Davon hatte ich im Russischunterricht gehört. Jede Sowjetrepublik hatte ihren eigenen Pavillion, der größte vorn am Haupteingang war natürlich der der Russischen Sowjetrepublik.

Heutzutage ist vieles davon stark renovierungsbedürftig aber auch da sind sie dran. Die Pavillions werden den ehemaligen Besitzern jetzt wieder angeboten als Landesvertretung gewissermaßen und die wirklich treuen machen mit. Allen voran Belarus – Weißrussland.

Auch Kasachstan,

Und Turkmenistan.

Der ehemals estnische Pavillion wurde wohl an Kirgistan verkauft, na, macht ja nichts, vielleicht haben die ja etwa den gleichen Stil. Auf jeden Fall ist der frisch renoviert.

Die Moskoviter Lieben diesen Park und spazieren hier zahlreich herum, obwohl nichts los ist.

Ich komme zum Haupteingang und steige in die Tram nach Ostankino. So heißt doch der Fernsehturm! Je näher ich komme desto beeindruckter bin ich. Mit ber 500 m das höchste Bauwerk Europas – seit 1970. Hier mit seinem Architekten.

Da muß ich hoch. Ich scheue auch den weiten Weg zur Besucherkasse, vier Schleusen und 2 x Körperscan nicht. Es ist wenig Betrieb und das ist mein Glück. Wir fahren bis in 337m Höhe und dann bin ich oben.

Wow, so hoch war ich noch nie (doch im Flieger) und bleibe fast zwei Stunden um alles genau zu studieren. Die Stadt hat einen Durchmesser von bis zu 100 km, das kann man von hier oben alles sehen – gefühlt.

Da unten ist auch wieder die ВДНХ, links die Kosmos- Kuppel, rechts das Haupttor – quer über die Bildmitte die Hauptallee.

Ich mache zig Fotos.

Unten hat der Wachmann die Nummer meines Gepäckfachs verwechselt und wir probieren ein bischen herum, bis ich meinen kleinen Rucksack wieder habe inklusive Reisepass…

Ich fahre zur Ubahnhaltestelle ВДНХ und steige dort in die Bahn zu meinem Hostel. Da steht mir noch so ein Monument vor der Linse herum. Das mit den Helden haben sie echt raus.

Und dann muß ich aber los, damit ich meinen Zug noch kriege heute Abend 23:18 ab Kasanskaja nach Rostov am Don.

Zweimal steige ich mit Gepäck um im Bahnsystem, da habe ich jetzt schon Übung. Überhaupt die Metro – das wäre ein eigenes Kapitel wert. Sie ist wirklich so, auch wenn der Prunk überall bröckelt. Alles für die Hauptstadt!

Sie haben ein tolles System: Die nächsten Stationen und die Umsteigestationen wurden an die Wand genagelt und man braucht keine App und kein Internet, um klar zu kommen.

Am Bahnhof bin ich pünktlich, der Zug ist pünktlich, also können wir los.

04 Hundert Fotos und mein ganz persönlicher Moskau Marathon

Der Moskau Marathon ist erst im September, der Halbmarathon am kommenden Wochenende. Meinen persönlichen Marathon hab ich jetzt schon mal vorgezogen, denn ich wollte ja die Stadt besichtigen. Mein Plan: Immer am Ufer der Moskwa entlang, da ist die Luft sicher besser als in der komplett zugestauten Innenstadt – hat funktioniert!

Los gehts an meinem Hostel gegenüber dem Außenministerium, runter zum Fluß und dann auf der rechten Seite am Kiewer Bahnhof vorbei. Acht Fernbahnhöfe hat Moskau.

37 Brücken führen über die Moskwa, zwei sind sogar Bahnstationen, da war anderweitig kein Platz, denke ich.

Die Lomonossow Universität trohnt hoch über der Stadt. Das Gebäude ist eines der „Sieben Schwestern“, sieben repräsentativen Hochhäusern, die auf Befehl Stalins zwischen 1947 und 1952 errichtet wurden. (Stalins Zuckerbäckerstil).

Auf die Sperlingsberge führt sogar eine Seilbahn hoch, die beim Lushniki Stadion beginnt.

Das Stadion gehört zu einem Komplex mit zwei Stadien, Sportpalast, und Sporthallen und verschiedenen Trainingseinrichtungen und dem Sitz der Funktionäre. Es ist auch die Heimat des Clubs Spartak Moskau.

MUSE spielen demnächst hier.

Die Moskwa windet sich erst weg, dann hin zur Stadt und so komme ich jetzt immer dichter and Zentrum. Die Stadt hat erkannt, daß der Fluß wichtig ist für Touristen und Einwohner und hat das Ufer auch gegenüber des Zentrums attraktiver gestaltet. Es gibt sogar eine Tartanbahn direkt entlang der Balustrade bis hin zum Gorki Park.

Den Park hatte ich größer und irgendwie schöner erwartet. Die Natur ist auf dem Stand von Anfang März, da kannst Du jetzt noch nicht soviel erwarten.

Ich habe sogar einen Parkplatz gesehen, auf dem der zusammen geschobene alte Schnee noch lag. Die Stadt wird jetzt durch ihre Sehenswürdigkeiten attraktiver. Nur dreimal muß ich auf Ampeln warten, die Route am Fluß ist super.

12 Millionen Einwohner hat Moskau, die wenigsten sind Läufer oder Radfahrer. Entsprechend umständlich werden Sie umgeleitet oder bei Baustellen auch ganz ignoriert. Ich laufen dann einfach voll Speed durch die Baustelle, bis das nächste Auto kommt. Besonders rücksichtsvoll sind sie nicht, aber OK. Die Fahrer hupen gern und regen sich auf. Sie sind durch den stockenden Verkehr sehr genervt, habe ich den Eindruck. Aber alles in allem absolut OK. Die LKWs von Kamaz, Kras oder SIL erinnern mich an Amerika: laut, stark, breit. Am Stammsitz von SIL komme ich sogar vorbei.

Ich habe den Eindruck, der Firma geht es nicht gut, denn russische Autos stehen nicht hoch im Kurs. Gerade mal einen richtig alten Lada- PKW habe ich in der Hauptstadt gesehen, die Moskiwiter sind reich, jedenfalls in der inneren Stadt.

Draußen sieht es schon anders aus, das habe ich aus dem Zug gesehen. Einen Obdachlosen sah ich mit seinem Hab und Gut. Ich habe nur sein Gepäck fotografiert.

Bei km 21 renne ich durch das Einkaufszentrum RIViERA und filme mich dabei. Ein riskantes Unterfangen, denn auf ein paar hundert Meter Mall haben sich die Wachleute verständigt und wollen mich am Ausgang abfangen. Ich springe schnell raus.

Zurück laufe ich auf der Seite der Innenstadt und da habe ich nun wieder ganz andere Einblicke auf die selben Sehenswürdigkeiten.

Sehr beeindruckt hat mich die riesige Statue von Zar Peter I. Sie ist fast 100 m hoch, wurde 1997 erbaut und steht auf der Spitze der Moskwa-Insel. Das ist mal eine Demonstration der Macht.

Apropos Macht: Die Regierungsgebäude sind natürlich auch solche Machtdemonstrationen. Das Verteidigungsministerium zum Beispiel. Der Russische Adler ist zwar hier und da angebracht worden, aber der Rote Stern und CCCP (UdSSR) sind überall präsent. Es ist wahrscheinlich auch ein Traum, das große russische Reich wieder zu komplettieren, inklusive Minsk und Kiew.

Hier sitzt der Chef, denke ich. Scheint aber nicht da zu sein, denn es weht keine Fahne.

Und hier fährt ein Chef in einem 7 m – Daimler mit Sicherheitsleuten im Gefolge.

Alle stehen gemeinsam im Stau und es gibt die unterschiedlichsten Abstufungen von Blaulicht- Autos: Medizinische, Stadtpolizei, wichtige Polizei und oben in der Hierarchie dicke schwarze Autos die zwischendurch auch laut furzen, um sich im Verkehrslärm besser bemerkbar zu machen. Der Stau entlang der Moskwa in die Innenstadt ist bestimmt 5 km lang. Ich frage mich, warum die nicht besser mit der Metro fahren.

Die größte Kirche Russlands ist die Christ Erlöser Kirche, ein ziemlicher Brummer. Und ganz anders als viele kleinere Kirchen mit den typischen Zwiebeltürmen.

7000 Kirchen hatte Moskau einst, immerhin noch 300 sind geblieben.

Bei km 36 habe ich einen kleinen Hänger. Da komme ich bei der Addidas Runbase im Lushnikipark vorbei. Die haben frisches Wasser. Herzlichen Dank!

Wie immer bei einem Marathon bin ich froh, mein Ziel zu sehen und das ist wieder das pompöse Außenministerium an der Smolenskaya. Auch eine der Sieben Schwestern.

Jetzt lohnt sich die Dusche und das Waschen der Klamotten. Danach gehe ich über den Arbat – eine der wenigen alten erhalten gebliebenen Straßen, erste Fußgängerzone Russlands, wo viele Künstler wohnen und arbeiten. da gibt es auch Souveniers.

Mein Ziel ist das Varenichnaya, ein typisch russisches Pelmenilokal, das gestern schon geschlossen war.

Ich esse drei unterschiedliche Portionen und es ist lecker und total gemütlich.

Die Wetterfrau im Fernsehen sagt freundliches voraus und ich bin guter Dinge.

03 Weißrussland und Ankunft Moskau

03 Weißrussland und Ankunft Moskau

Der Zug hat mich kurz zweifeln lassen, ob das die beste Idee war, stundenlang schlaflos durch die Nacht zu gondeln. Irgendwann kurz vor Warschau schlief ich dann doch ein und um 5 Uhr war die Nacht schon wieder zu Ende. Denn der Lautsprecher sagte, daß die Pässe bereit zu halten sind für die Grenzkontrolle in Terespol. Das ist hier der letzte Außenposten der EU. Draußen wurde es hell und man konnte sehen, hier wird fleißig investiert in einen neuen Bahnhof samt Gebäude, Gleise, Steige. Ich war zu müde, um schnell ein Foto zu machen, deshalb kommt es hier nicht so rüber.

Die Abteiltüren wurden geöffnet und jeder hat an dem in der Fahrkarte aufgedruckten Platz zu bleiben!

Es kam dann gar nicht so schlimm, wie es sich anhört, ein schläfriger polnischer Kontrolleur blätterten lustlos in meinem Pass und der Zoll fragte im Vorbeischlurfen: Etwas zu verzollen. Das wars, dachte ich.

Dann setzte sich der Zug in Bewegung mit einer erneuten Ansage, daß jetzt die Einreise nach Weißrussland und die Russische Förderation bevor stünde. Sie betrachten es praktisch als ein Land, das Herrschaftsgebiet. Der Zug rollt an den bereitliegenden Radsätzen vorbei mit russischer Spurweite.

Aber die braucht unser moderner Zug nicht. Er rollt unmerklich auf sich verbreiternde Gleise einfach weiter. Man sieht die Anlagen, mit denen sonst die Räder getauscht werden.

Dann steigen gut und gerne 20 Beamte in den Zug und dann kommt die Kontrolle. Es tat sich erst 20 Minuten nichts und der Zug fuhr sogar weiter in Richtung Brest Hauptbahnhof. Ich wollte mir Wasser holen da kam mir eine gestrenge Grenzpolizistin entgegen und ich konnte nur zurück weichen bis in mein Abteil. Es war wie in einem James Bond Film. Sie ist bestens ausgerüstet, auch mit Bodycam. Ich verkniff mir zu winken und ich war jetzt auch noch nicht dran. Dann kam sie samt ihrem Gefolge zu mir, musterte mich kurz und ließ die Untergebenen die Arbeit machen. Mein Pass wurde eingesammelt und ich mußte eine Migration Card ausfüllen. Die Schrift war selbst mit Lesebrille zu klein und Paßnummer und Visumnummer kann ich ja wohl schlecht eintragen, wenn Sie mir den gerade abgenommen haben. Meine Nachbarin mußte nichts ausfüllen und meinte, dieser Zettel wäre total wichtig, den brauche ich vielleicht dann bei der Ausreise wieder.

Die Zollbeamtin war total nett und musterte mein merkwürdiges Gepäck nur aus persönlichem Interesse. In Brest HBF steigen alle Beamten wieder aus und schlendern durch den pikobello hergerichteten Bahnhof.

Schon deshalb muß auch auf der polnischen Seite was passieren. Denn der sah bisher ziemlich abgerissen aus. Quasi Wettbewerb der Systeme.

Es ist kurz vor 8 und jetzt kommt der gemütliche Teil. Mit den Bediensteten im Speisewagen hatte ich mich gestern schon angefreundet. Allerdings waren die Speisen nicht annähernd so attraktiv, wie dargestellt und kosteten immerhin nur kleines Geld. Bier gab es gestern Abend nicht, erst jetzt ab Brest wird ausgeschenkt – hm. Es gibt Passagiere, die begrüßen das. Prohibition verkehrt herum.

Ich lese deshalb nicht erneut die Speisekarte sondern bestelle einfach Kaffee, Brot, Butter und Marmelade – und es funktioniert!

Ich bin froh, hier drin zu sein, draußen sind es 2 grad und Bodenfrost und unendliche Birkenwälder. So sieht es womöglich bis Wladiwostok aus.

Es ist einfach eine super Idee, das Land per Bahn zu bereisen! Man kann wirklich sagen, man hat das Land gesehen.

Wälder, Dörfer, selten eine Fabrik oder Militär, viel altes Gerümpel und zweimal eine blitzblank nagelneue Fabrik. Jederzeit kann ich rumlaufen oder mich ablegen. Denn ich döse knapp drei Stunden und dann kommt Minsk, die Hauptstadt Weißrusslands. Meine Nachbarin Natalia steigt aus und ich verspreche ihr, mal zu schreiben, wie die Reise ausgegangen ist.

Das Wetter ist hier besser, schon 13 grad und Sonne. Die Gegend abseits der Großstadt unverändert. Noch 700 km Luftlinie – 9 Stunden bis Moskau. Ich mache mir die Suppen, die Natalia mir dagelassen hat. Die schmecken.

Auch eine Davert Quinoa Cup brühe ich mir an der Wasserstation auf. Die ist wesentlich gesünder, hat keine Geschmacksverstärker und sie schmeckt nicht.

Da müßte ich mich im Zweifel entscheiden, wo mein Fokus liegt. Gut daß mein Sohn mir gestern eine Tupperdose mit Biobroten mitgegeben hat. Die schmecken.

Noch 7 Stunden bis Moskau. Meine Uhr zeigt nach einem halben Tag 45 Schritte = 1 aktiv verbrannte Kilokalorie. Für einen Läufer ist das wahrscheinlich zu wenig.

Nun wäre eine gute Gelegenheit, mein Baltikumbuch weiter zu schreiben, denn hier besteht nicht die Gefahr, von neuen Eindrücken überhäuft zu werden. Ich schreibe zwei Absätze und lege mich dann nochmal ab.

Gegen 16 Uhr schlendere ich doch noch mal ins Bordrestaurant. Jetzt gibt es Sibirisches Bier und was zu essen, sehr kleine Portionen und ich muß zweimal essen.

Woher kommt der Hunger, wenn man doch den ganzen Tag nichts macht?

Draußen inzwischen Smolensk.

Ich sehe von weitem eine sensationell große viertürmige Basilika, es ist gar nicht so einfach zwischen dieser schmutzigen rostigen Industrie- und Bahnkultur ein Foto davon zu machen.

Zurück im Abteil tippe ich wieder und sehe mir die Landschaft an. Immer öfter sehe ich abgebrannte Flächen und dann sogar viele Rauchschwaden am Horizont. Das dürre Vorjahresgras wird abgebrannt, vor allem an den Böschungen der Bahn und Autobahnen. Kein Wunder, daß dabei immer mal wieder auch ganze Wälder in Flammen aufgehen. Dazwischen sind viele sumpfige Flächen, wo auch das Feuer nicht weiter kommt, deshalb ist es nicht gefährlich.

Je mehr Richtung Osten, desto öfter liegt sich noch alter Schnee. Ansonsten seit Stunden das gleiche Bild.

Noch drei Stunden bis Moskau. Das ist hier so als wenn wir nach Köln wollen und schon in Bonn sind. Ist nicht mehr lange. Eine Stunde vor der Stadt beginnt aus der grauen Landschaft immer mehr Vorstadt zu werden. Die Häuser werden immer größer und wechseln sich noch mit Baracken und Hütten ab.

Dann kommen die Straßen mit Feierabendverkehr auf 7 Spuren und die Glastürme, eine stattlich Ansammlung in der Abendsonne.

Und dann kommt der Bahnhof Moskwa Belaruskaja.

Ich stürze mich in das Gewimmel der Metrolinien und die Leute helfen mir mit dem Wagen, fragen teils, ob ich den Weg finde und so weiter – total nett!

Mein Hostel liegt im Arbat und ist echt super. 6.000 Rubel für 2 Nächte – 90€ mitten in der teuersten Stadt der Welt – was kann mir besseres passieren.

https://jedihostels.com/urban/ru

Ich bin mir nicht sicher, ob das hier als alternatives Viertel gilt, könnte aber sein mit Veggieläden und so.

Cool, ich gehe nochmal raus spazieren.

02 Berlin + Abfahrt nach Moskau (по поездом в москву)

Der Tag gehörte heute der Familie, mein Zug fährt erst heute Abend 19:24 ab Ostbahnhof.

Berlin ist sonnig und wir gehen raus.

Klar bin ich ein bischen aufgeregt, aber was soll dabei sein, ich gehe zum Bahnhof und steige ein. Letztendlich bin ich dann doch nur 10 Minuten vor Abfahrt des Zuges da, aber das reicht ja auch.

Die Schaffner stehen jede/r vor seinem Waggon – 221 -223 . Sie sprechen direkt russisch mit mir und ich will antworten, bringe zunächst aber keinen Brocken raus. Ich habe Wagen 222 und werde hin- und her geschickt, der ist genau dazwischen ohne eigene Tür. Nun zeige ich brav meine Fahrkarte und die beiden Visa für Weißrussland und Russland. Dann darf ich rein.

Mein Abteil heißt Frankfurt – ich hatte lange gerätselt, warum. Denn die anderen heißen wie die Zwischenhalte auf der Strecke. Dann wurde mir klar: Frankfurt / Oder – logisch!

Der Zug ist total neu und riecht auch noch so.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich nicht alte russische Wagen mit dem morbiden Charme der Sowjetunion lieber erlebt hätte. Vielleicht ja, aber ein neuer Zug rollt ja auch ganz anders.

Im Nachbarabteil wohnt Natalia aus Ulm, sie stammt aus Weißrussland und kennt sich aus mit diesem Zug. Sie rettet mich auch bei der Bestellung eines Glases Schwarztee. Denn das hatte ich vor 45 Jahren im Russischunterricht gelernt: Der / die Schaffner/in bringt die Teegläser. Jetzt oder nie. Aber das traditionelle Teeglas ist einer profanen Tasse gewichen. Nur die Presse erinnert in ihrer Form noch etwas an die typisch russischen Teegläser in einer Metallhalterung.

Morgen um 5 Uhr kommt die Weißrussische Passkontrolle, da sollte ich mal langsam ins Bett. Gerade rollen wir nach Poznan ein. Dann kommt Warschau und dann die EU Außengrenze.

01 Auftakt Koblenz – Berlin (Das Abenteuer Kaukasien beginnt)

Den ganzen Morgen fällt dick Schnee und stellt den Wetterverlauf der letzten 6 Wochen auf den Kopf. Na, das wird schon wieder.

Meine Reise beginnt ganz unspektakulär um 11:04 Uhr mit der Regionalbahn RE2 nach Frankfurt/M.

Dabei bin ich natürlich einigermaßen aufgeregt, was sich in den letzten Tagen angebahnt hat. Immer neue Sachen fallen mir ein, die ich mitnehmen will. Und es beschäftigt mich, daß es nun wirklich kein Touristengebiet ist wie einst die Ostsee bei meinem Abenteuer Baltikum. Sondern es ist das platte Land – nur halt auf aserbaidschanisch bzw. georgisch. Mein Benpacker hat seinen Platz gefunden und ich kann es selbst noch gar nicht richtig glauben, wovon diese Fahrt der Anfang ist.

Draußen flitzt das Mittelrheintal vorbei. Ich habe es schon früher mal gefilmt (Loreley bei min 8:40) :

Mit diesem Zug bin ich oft zur Arbeit gefahren, immer bis Rüsselsheim und dann weiter mit dem Rad. Jetzt fahre ich durch bis Frankfurt HBF.

Ich steige in den ICE Sprinter und gleite beinahe geräuschlos durch den Spessart, die Rhön, den Thüringer Wald und Anhalt. Drinnen im Zug bei 290 km/h mache ich mir Gedanken über die kommenden Tage. Erstmal Berlin, dort wohnt ein Teil der Familie. Morgen dann fährt der Zug nach Moskau, am Donnerstag fährt der Zug nach Rostov am Don und am nächsten Dienstag oder Mittwoch geht der Lauf los in Baku. Es ist also noch etwas Genuß geplant, bevor es ernst wird. Meine Geschwindigkeit liegt dann bei 9 km/h., aber es geht nicht um Geschwindigkeit. Es darum, die Welt kennen zu lernen, Kultur, Land und Leute im äußersten Osten Europas kennen zu lernen, Vorurteile abzubauen. Es geht darum, den Weg als Ziel zu begreifen, denn das Reisen ist eines meiner Lieblingsbeschäftigungen. Und das Laufen – so kommt es zu dieser Laufreise. Immer der gelben Linie nach.

Keiner der Reisenden weiß etwas von meiner inneren Aufgewühltheit. Alle trotten wie immer durch den Bahnhof.

Berlin ist friedlich und am Sonntag auch nicht so laut wie sonst.

Meine erste Etappe ist ein Kinderspiel und ich bin auf dem Weg.

Klamotten packen, Ausrüstung für das Abenteuer Aserbaidschan und Georgien

Eins zwei drei im Sauseschritt – eilt die Zeit – wir eilen mit. In 15 Tagen beginnt mein Abenteuer und ich frage mich, ob ich alles beisammen habe. Es ist Zeit, probehalber alles in den Benpacker zu laden und zu überlegen, was noch fehlt.

Der Benpacker ist in meinem Abenteuer Baltikum http://abenteuerbaltikum.com

heil geblieben. Allerdings ließ sich schon auf der Fähre damals das linke Rad nicht mehr abstecken. Für den Transport kann das aber wichtig sein. Tatsächlich hatte das Salzwasser der Ostsee innerhalb der 90 Tage damals an der Steckachse genagt und ich bekam sie nur mit List und Tücke in den Griff. Jetzt ist alles wieder super. Damals habe ich ausführlicher über den Benpacker berichtet: http://abenteuerbaltikum.com/2016/09/26/ostseelauf-benpacker-ziehwagen-hikingtrailer/

Ich habe die Tasche von innen mit einem Flicken repariert, denn durch das herumreisen auf und ab auch von Gehsteigen, hatte sie kleine Löcher bekommen und auch von innen war sie etwas zu dünn gescheuert. Jetzt ist die sogar wieder wasserdicht!

Ich habe meine Sachen gepackt und fotografiert. Was draußen liegt, ist am Mann.

Damit man etwas erkennen kann, packe ich aus. Auch jetzt ist das Meiste noch in den Kisten unsichtbar.

Deshalb hier das Innenleben der Kiste 1.

… und das Innenleben der Kiste 3 – im wesentlichen Lebensmittel.

Kiste 2 ist eine „Spezialanfertigung“. Ich habe den Boden aufgeschnitten und den Deckel aber fest geklebt. Nun passen alle drei Kosten trotz ihrer konischen Form lückenlos in den Benpacker.

Bis jetzt habe ich noch keine Probeläufe gemacht und erspare mir das vielleicht auch ganz. Denn ich weiß ja wie es geht. Lieber laufe ich noch ganz ohne Gepäck ein paar schöne Runden durch den Hunsrück, bis der Abreisetag kommt.

Routenplanung, Bahnfahrkarten, Visa und andere Vorbereitungen für Aserbaidschan und Georgien

Meine erste Idee war: Ich muß ja nicht viel vorbereiten. Durch mein Abenteuer Baltikum https://abenteuerbaltikum.com

hab ich ja alles. Im Prinzip ja, aber neulich fing ich an, probehalber die Klamotten zu packen und das war mein Glück: tausend Kleinigkeiten fehlen noch… wenn ich alles zusammen habe, schreibe ich darüber.

Abgesehen davon gibt es Terminsachen, die frühzeitig gemacht werden wollen:

Visa sind beantragt für Weißrußland (wegen der Bahnfahrt Berlin – Moskau, die geht eben einmal da durch), für Russland (immerhin fahre ich nach Moskau, bleibe 2 Nächte und dann mit dem Zug durch das riesige Land bis nach Baku), für Aderbaidschan, denn in Baku – der Hauptstadt – beginnt mein Laufabenteuer. Das macht diesmal das Reisebüro KONTAKT. Immerhin gut 300€ für die drei Visa, aber dafür je 30 Tage mit voller Bewegungsfreiheit und ohne einen Einzelnachweis, wann ich wo übernachten will. Die kennen sich damit aus und wurden mir von Wolfgang und Burkhard, die ich im Baltikum kennen lernte, empfohlen. http://kontakt-reise.de/home/

Die Bahnfahrten wollen auch gebucht sein. Berlin-Moskau hab ich selbst gemacht, etwas dekadent: „1. Klasse single use“. Es war nicht viel teurer als 2. Klasse genderkonforme Belegung. Und wer weiß was noch kommt und so fange ich erstmal gemütlich an.

Moskau – Baku habe ich noch nicht, ich komme mit den Webseiten der aserbaidschanischen, kasachischen und russischen Staatsbahn nicht zurecht. Mal gibts den Zug – dann gibts ihn wieder nicht… das mache ich nun auch über das Reisebüro KONTAKT. Die wissen immerhin, daß man überhaupt erst 45 Tage vorher buchen kann. Na das wird schon klappen.

Hostels in Moskau ( https://jedihostels.com/urban/ru ) und Baku ( https://www.sahilhostel.com ) habe ich auch schon reserviert. Und dort in Baku gehts los. Bis dahin ist alles terminiert. Um nun eine ungefähre Vorstellung von der Laufreise zu haben und sich die Strecke zu verdeutlichen, muß ich sie im Detail vorplanen.

Hier hab ich meinen Streckenordner auf gpsies: https://www.gpsies.com/mapFolder.do?id=122866

Die geplanten Strecken übertrage ich dann noch auf mein Navi, das Germin GPS Map 64

und auf meine neue Suunto Spartan Sport. Die habe ich jetzt in Betrieb genommen.

Soviel zum Thema: „Ich will keine Laufuhr“. Bin nun schwach geworden wegen des Navigatinsthemas.

Am 23.4. starte ich in Baku und bin am 23.5. erst in Tiflis. Ich wollte nicht unten am Fluß entlang, wo es warm ist und Malariafliegen und Schlangen geben soll, aber natürlich auch nicht ins Gebirge wegen der Höhenmeter. Also folge ich erstmal hunderte Kilometer entlang von Landstraßen, die wahrscheinlich Schotterpisten sind, am Fuße des Kaukasus. So ist der Wald nicht weit, aus kleinen Flüssen aus den Bergen kommt frisches Wasser herunter und an den Landstraßen gibt es vielleicht auch mal ne Tankstelle oder einen Kiosk.

Meinen Plan, eventuell ab Tiflis auf die „Zarenstraße“ nach Norden wieder Richtung Rußland gehen und über die Ukraine heim kommen zu können, kann ich nun aber begraben. Denn die 30 Tage ab dem 15.4. sind dann längst rum. Die 30 Tage für das Azerbaycan Visum genügen gerade, um die Strecke zu schaffen – mit ein paar Tagen Luft zur Erholung.

Ab Tiflis war eine Planung ebenso wichtig, auch wenn ich dann in Georgenien keinen Terminstreß wegen Visum mehr habe, will ich doch vermeiden, auf der Autobahn zu laufen, die in einer engen Schlucht auch über das Surami Gebirge führt. Ich habe eine Alternative drum herum geplant. Ob ich die Routen nachher so laufe, wird man sehen, aber ich brauche erstmal einen Plan, um davon abweichen zu können.

Im westlichen Georgien dann habe ich zwei Routen parallel geplant, eine nördliche und eine südliche. Gegen den Norden spricht, daß sie einige Umwege enthält um nicht auf der Autobahn zu landen aber doch alle Flüsse zu überqueren. Gegen den Süden spricht, daß auf einem Teilstück die Autobahn unausweichlich ist und dort womöglich der meiste Schwerverkehr von den Fähren aus Europa nach Armenien durchkommt. Denn Armenien ist mit seinen Nachbarn Türkei (Völkermord) und Aserbaidschan (Bergkarabach) verfeindet. Deshalb können die Waren nur über Georgien kommen…

So oder so sind es doch einige tausend Höhenmeter, die ich überwinden muß, um nach Poti ans Schwarze Meer zu kommen. Von dort will ich mit der Fähre um den 25.6. nach Varna (Bulgarien) fahren. http://www.navbul.com/en/main-activities/ferry/index.php

Aber die machen mich auch langsam nervös, denn der Routenfahrplan ist seit Monaten nur bis Ende März begrenzt. Hoffentlich fahren die weiterhin und es gibt demnächst bald mal einen Plan dafür. Am besten schreibe ich die Gesellschaft mal an, ob und wann es einen Plan gibt.

Ab Bulgarien dann mit dem Zug nach Bukarest (Rumänien), Budapest (Ungarn) und Wien nachhause. Aber da mache ich mir jetzt noch keinen Kopf, das wird schon klappen.

Letzte Wochen vor Azerbaidschan + Georgien – das Abenteuer Kaukasien beginnt

Die Idee vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer zu laufen, hat einen gewissen Vorlauf und wabert schon eine Weile im Kopf herum. Ich las wiederholt etwas über Georgien und dachte, am Schwarzen Meer von Sotschi (Russland, ich weiß) bis nach Poti und dann durchs Landesinnere nach Tiflis zu laufen. Gut 600 km – schafft man in gut 4 Wochen + An- und Abreise.

Aber leider leider gibt es den Abchasien-Konflikt und die Grenze zwischen der Autonomen Region und dem eigentlichen Georgien ist dicht. So war die Idee erstmal gestorben und ich überlegte mehr auf der Ringstraße Island herum. Aber da ist es selbst im Sommer oft sehr kalt, windig und es gibt wenig Unterkünfte. Die wäre mit 1350 km aber auch eher etwas für 10 Wochen + An- und Abfahrt.Ringstraße-Island

Dann kam die Buchmesse (Gastland Georgien) und die Aussicht, womöglich doch noch mal länger Zeit für ein Abenteuer zu haben. Ich nahm mir das Thema Georgien wieder vor und dann verfestigte sich die Idee: Vom Schwarzen zum Kaspischen Meer sind es 1200-1300 km, die Menschen sollen sehr gastfreundlich sein und zumindest Georgien ist inzwischen eine Demokratie und Freund Europas.

Transkaukasien-Karte

Meine Ausrüstung habe ich vom Abenteuer Baltikum 2017. Die könnte ich wieder nehmen, und so kann ich mich kürzer fassen mit der Vorbereitung.

Klar, es gibt ein paar Handicaps: In der Niederung des Flusses Kura (vom kleinen Kaukasus zum Schwarzen Meer) tummeln sich Malaria-Fliegen. Un in Aserbaidschan gibt es die Sandviper und sogar die Boa Constructor – wow – und das wo ich Angst vor Schlangen habe! Vereinzelt streunt der Abatolische Leopard, und In den Wäldern ab 500 m Höhe gibt es verschiedene Bärenarten. Das sind nicht nur so ein paar, wie im Baltikum, die man nicht zu Gesicht kriegt, sondern tausende. OK, dann hole ich mein Hinweise zum Umgang mit Bären wieder raus.

Georgien hat eine eigene Schriftsprache für die 3,7 Mio Einwohner, 35 Buchstaben, die mehrheitlich aussehen, als wenn man Wolle zeichnet. Das Thema wurde auch auf der Buchmesse zur Werbeidee, einzelne Buchstaben kamen in der georgischen Ausstellung ganz groß raus. Aber wenn es etwas gutes hatte, daß das Land über mehr als 70 Jahre ein Sowjetrepublik war, dann sind es die Russischkenntnisse der Bevölkerung. Denn Großbritannien ist sehr weit weg dort. Nicht daß ich trotz eines zweiten Preises bei der Russich-Olympiade 1979 irgendwie gut Russich könnte. Aber immer noch besser als Georgisch.

Auch Azerbaidshanisch hat ein paar unbekannte Zeichen dazwischen, aber insgesamt basiert das doch eher auf der lateinischen Schrift. Ich glaube, man muß dort das Wort Alijev gut können, den Nachnahmen der Herrscherfamilie, die seit 26 Jahren am Drücker ist. Dann ist schon viel gewonnen.Kaukasus-Map

Beide Länder wachsen stark und es gibt auch schon Tourismus. Deshalb läuft man dort am besten jetzt auf den schottrigen Landstraßen oder sogar auf der Autobahn, bevor es ein Donauradweg wird.

Das ist so eine Frage, die andere und ich mit stellen: Warum muß es so ein „Extremabenteuer“sein?

Ich finde es nicht extrem. Und Abenteuer ist es schon, klar, jedenfalls mehr als auf dem Elbe- Donau- Weser-Radweg oder sonst einem Highlight für sanften Tourismus in Deutschland. Das ist bestimmt auch schön – gerade habe ich wieder die Broschüre bekommen vom ADFC: Deutschland per Rad entdecken. Das kann ich später immer noch machen.

Im Moment bereite ich alles parallel vor: Die Ausrüstung, Visa für die Anreise über Weißrussland + Russland sowie für Aserbaidschan, Gesundheitscheck, diesen Blog hier, Routenplanung, GPS Gerät und das Verlassen meines Arbeitsplatzes.

Ich lese Blogs, telefoniere mit Leuten rum, die schon mal dort waren und will so ein paar Überraschungen ausschließen. Nun ist es da, das Kribbeln im Bauch vor dem Abenteuer Transkaukasien!