37 Pausentag in Melk: sein Stift, seine Physio, seine Villen und mehr.

Den Pausentag will ich gut nutzen, obwohl meine Suche im Netz erstmal kaum was ergeben hat. Zwei magere Einträge zum Stichwort „Massage“ und null für „Sauna“. Kein Hallenbad, keine ThaiMassage, dabei wär das schon wichtig. Ab 8 Uhr telefoniere ich mich durch, keine freien Termine. Dann lande ich beim Gesundheits- und Büro Zentrum gbz und die machen es möglich. https://www.gbzmelk.at

Marcel – Physiotherapeut von MaxMoves – arbeitet auch hier, kommt früher zur Arbeit und so komme ich doch noch dran.

http://maxmoves.at

Er ist sehr gut, hat schon Sportprofis des Bundesheeres behandelt, dabei hat er erst vor kurzem die Ausbildung abgeschlossen. Die Guten erkennt man daran, daß sie nicht gleich aufhören wenn der Delinquent a bisserl Theater macht. Er findet genau die Punkte, verschiebt die Struktur (Faszien) und natürlich ist das hier kein Wellness oder streicheln. Danke!

Nach der Massage einen Kakao + Rsibelschnitte.

Die Sauna ist in einem Club und für mich erst so ab 16 Uhr erreichbar. Mal schauen, wie sich der Tag entwickelt. Erst überlege ich sogar, nach St. Pölten zu fahren, da gibt es eine Thai Massage. Aber es regnet den ganzen Morgen und jetzt bin ich bestens versorgt. Auf dem Weg zum Bahnhof komme ich durch das Villenviertel von Melk. Diese hier ist die „Mustervilla“.

Und Villen gibt es viele hier.

Die Kirchen sind mehrheitlich katholisch wie überall in Österreich, aber hier gibt es einen evangelischen Hotspot.

Gleich mehrere Kirchen gibt’s im Ort und drum herum. Und Reste der alten Stadtmauer aus dem Mittelalter.

Durch diese Gasse ging im frühen Mittelalter der meiste Verkehr und der Bürgermeister wohnte in diesem Haus.

Zu Mittag Spargel im Wachauer Hof.

Das Benediktiner Stift überragt alles.

Es ist wohl das schönste Barock-Kloster, überhaupt. Gegründet schon vor 900 Jahren (eine Art Wiege Österreichs), im 13. Jhd. komplett abgebrannt, nach und nach wieder aufgebaut und im 18. Jhd. barockisiert.

Über 1000 Fenster.

Ich gönne mir die Führung – 14€ für den guten Zweck.

Drinnen fotografieren verboten – eigentlich. Noch immer leben und arbeiten 23 Mönche in diesem Orden. Und 100 – inzwischen staatliche – Lehrer, denn auch das Stiftsgymnasium ist schon uralt. Bis heute werden die meisten Räume von den Schüler*innen gebraucht, früher nur Jungen, seit 1968 auch Mädchen, heute deutlich mehr Mädchen als Jungen (Schulräume im Hintergrund).

Nach einer Ausstellung in den ehemals kaiserlichen Räumen (die Resi war hier auch drei Mal), sehen wir noch die Bibliothek und die Stiftskirche.

Über 100.000 Bücher, bis heute vom Fachpublikum ausleihbar.

Die Stiftskirche ist viele Jahre lang renoviert worden.

Sie ist der prunkvollste Bau, den ich gesehen habe (OK, ich war noch nicht in Versailles oder den Schlössern von St. Petersburg).

Draußen darf man Fotos machen.

Der Ausblick ist grandios.

Hinten die „richtige“ Donau mit dem Kraftwerk Pöchlarn – da laufe ich morgen lang.

Und der Blick über die Stadt.

Die Japaner fotografieren sich und überlegen noch wie.

Die Gärten samt Gartenpavillion – auch schön.

Die Linden sind bis zu 250 Jahre alt.

Interessant für den Kräutergärtner: Das Paradiesgärtchen.

Unten in der Stadt esse ich noch eine schöne Portion Kässpätzle. Mehr geht heute nicht, das muß reichen.

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

36 Die Wachau Spitz – Melk (5. Donauradweg)

Die Wachau zeigt sich heute nochmal von ihrer schönsten Seite.

Dabei würde ich schon aufgeklärt, daß sie hinter Melk, mein heutiges Ziel, definitiv endet. Da sind sie ganz genau.

Na, dann mache ich doch schnell noch ein paar Fotos bevor es vorbei ist.

Die Landschaft ist absolut lieblich.

Die Radreisenden behindern mich überhaupt nicht, wie ich zunächst befürchtet hatte, sie motivieren mich eher. Sie kommen heute unter anderem aus der Slovakei und Argentinien(!j

Dann kommt Willendorf und den brauche ich heute auch, den Willen.

Denn es ist warm und ich habe mich in den letzten fünf Tagen „in den Keller“ gelaufen. Heute ist Tag 5 und ich werde bis Melk auf knapp 125 km kommen, die Hälfte zwischen Wien und Linz.

Ich laufe und wandere im Wechsel, mehr ist nicht drin.

Die Marille ist jetzt auch mal live und in Farbe am Wegesrand zu sehen.

Sie wird beschützt von einem eigenen Verein.

Das Gestein an den Hängen scheint Granit zu sein, so sieht es hier aus. Die Brocken reichen teils bis direkt hinunter an die Straße. Vereinzelt treffen sich Klettergruppen, die an den Hängen hoch wollen.

Für unseren Schutz stehen entzückende Kirchen bereit und ein Defibrillator (Suchbild).

Das Kloster Maria Laach hatte ich immer bei uns vermutet, aber entweder bin ich jetzt schon ganz kurz vor zu Hause oder es gibt zwei.

Die Donau überquere ich kurz vor Melk.

Im Hintergrund sieht man schon das Stift Melk, da gucke ich mir morgen näher an, denke ich.

Nach 19 km erreiche ich die ersten Häuser und nehme einfach das erstbeste Angebot.

Das ist ganz gut, der Vermieter unkompliziert und ich darf mir alles nehmen. Sogar Getränke für relativ kleines Geld hat er in einem Kühlschrank. Gerade die Getränke gehen hier in Österreich do ziemlich ins Geld. In Krems habe ich für zwei Cola 11,20€ bezahlt, da hätte ich am besten erstmal nur eine getrunken.

Jetzt heißt es zwei Tage Kalorien tanken. Da fange ich am besten in dieser „Schaumrollenmanufaktur“ an. Was es nicht alles gibt!

Von den Marillenbränden halte ich mich fern, auch hier gibt es reichlich Fachgeschäfte zum Thema Marille.

Und Cafés.

Als nächstes dann noch eine Suppe und Spaghetti im Pasta e Pizza, der immerhin zweitbesten Pizzeria in Österreich, heißt es.

Mein Wochenpensum befördert mich in meinen Strava-Gruppen an die Spitze, nicht schlecht!

Morgen besichtige ich die liebliche Stadt genauer, Melk – das Tor zur Wachau.

5. Etappe Donauradweg Spitz- Melk: 19 km

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

35 Wie Gott in Frankreich: Krems – Dürnstein – Spitz (4. Donauradweg)

Der bisher schönste Teil meines Donauradwegs ist die Wachau.

Ich habe zwar Schwierigkeiten, auf den Radweg zurück zu finden, aber dann ist es gar nicht so schlecht, im Schatten der Mauern von Stein, dem wirklich schönen Ortsteil zu laufen.

Mit dem Segen Mariens

laufe ich durch das letzte Stadttor

erstmal an der Donau entlang bis Dürnstein.

Hier teilt sich der Radweg und ich weiß nicht was ich machen soll. „Doh konnst heraf lafen und do herunter, dees is gleich“, sagen die Leute. Herunten klingt irgendwie einfacher und das ist ganz gut entschieden. Ich komme direkt am Ufer von Dürnstein entlang.

Ein schöner Flecken mit einem verwunschenen Tunnel hinauf in den Ort. Wer nicht weiter weiß, fragt am besten die „Steigleitung“, haha.

Und jetzt sehe ich auch, warum die Radler eigentlich oben rum fahren sollen: Die Flußkreuzfahrer wollen hier zurück auf ihre Schiffe.

Parallel zur Donau überholt mich die Wachaubahn.

Auf dem Fluß begleitet mich bis Spitz die MS Carissima aus Oberwesel. Nanu, wie kommt die denn hier hin? Sie ist von einer Passauer Radreisefirma „ausgeliehen“, denke ich.

Die Räder sind zu Hunderten vorn auf dem Schiff.

Das könnte ich natürlich auch machen: Bei nächster Gelegenheit fragen, ob Sie mich mitnehmen und dann bis Oberwesel fahren. Von da wären es nur 30 km nach hause.

In Weißenkirchen ist die Kirche gar nicht weiß. Es hat eine Menge Radler, die sich am Brunnen erfrischen. Insgesamt auf der Strecke war es mit den Radlern bisher nicht stressig, wir haben genug Platz um auszuweichen.

Und wenn einmal ein Winzertraktor voll Touristen kommt, bleibt man gern stehen um zu winken. In den Gassen gibt es putzige Läden mit den Spezialitäten der Wachau. Denn was an der Mosel der Weinbergspfirsich, ist denen hier die Marille. Likör, Marmelade, Riegel, Säfte und so weiter. Wein gibt es an jeder Ecke.

Die Gegend erinnert mich sehr an unser oberes Mittelrheintal mit den Felsen, dem Wein, den Radlern und den Gastgemeinden. Eine Gruppe aus Neuseeland überholt mich und der Anführer, ein sympathischer Kerl mit Wollmütze (!) befragt mich auf englisch woher, wohin, warum. Er wohnt seit kurzem in Nürnberg und er sagt, bei ihm in Neuseeland sähe es ähnlich aus wie hier in Österreich. Sie haben auch eine Menge hoher Berge da unten. Dann muß er Gas geben.

Da vorn ist Spitz an der Donau, das langt für heute.

Eine Frau vor dem Gemeindebüro macht mir Angst, es sei alles ausgebucht. Aber dann finde ich noch was im „Goldenen Schiff“.

Es ist etwas teurer 65€, aber ich kriege das schönste Zimmer mit Blick auf die Donau, habe eine Sonnenterrasse vor dem Fenster, Frühstück und Sauna sind auch mit drin.

Das Haus wurde nach der letzten katastrophalen Flut 2002 renoviert und es ist die beste Unterkunft meiner gesamten Reise bisher.

Auf dem Zimmer esse ich noch Reste, die dringend weg müssen:

Ukrainisches Früchtebrot mit georgischer Butter, dazu georgischer Kaffee auf dem eigenen Kocher gemacht. Dann Sonnenbaden auf „meiner Terrasse“, wie Gott in Frankreich!

Auf dem Handy gucke ich das letzte Spiel meines Vereins in einer insgesamt schwachen Saison.

Dann endlich die heute die „richtige“ Reihenfolge: Sauna, Essen und Bett.

4. Etappe Donauradweg: 19 km Krems – Spitz.

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

34 Donauradweg (3.) Zwentendorf- Krems

Ich hatte vorgesorgt: Gestern schon 30 km gelaufen – dafür heute nur 27, Wecker gestellt und früher gefrühstückt weil es warm werden soll. Also alles bestens und so läßt sich der Tag gut an. Erst kurz vor 10 Uhr komme ich los, weil ich mich mit Martin und seiner Frau aus Katwijk an Zee (Holland) verquatscht habe. Sie haben im Ruhestand schon fast ganz Europa mit dem Rad erkundet und sind seit zwei Wochen von Katwijk bis hier her unterwegs (1.500 km) – wollen noch bis Constanta in Rumänien ans Schwarze Meer.

Das erste was ich sehe ist Österreichs einziges Atomkraftwerk, was aber nie ans Netz ging. Davor eine Hütte, als würde sich dahinter der wilde Kaiser erheben. Es ist eine Jausenstation für Radler. Süß.

Dann Österreichs größtes Wasserkraftwerk. Eine Horde Radler macht Station.

Jede Menge Power hier.

Die kann ich auch gebrauchen, denn es ist schon warm und der Weg geht schnurgerade.

Ich kreuze auf die andere Seite der Donau und bin mir wegen einer Menge Verbotsschilder lange nicht sicher: Doch, die Kraftwerksmauer ist auch der Übergang.

Auf der anderen Seite des Krftwerks sind Resi und Markus mit den Kindern beschäftigt, die wollen nicht einfach nur im Croozer sitzen. Sie radeln eine Weile neben mir her, was eine schöne Abwechslung ist.

Dann zieht sich der schnurgerade Donaudeich und es wird wärmer und wärmer. Immerhin – in der Ferne sieht man die Wachau, eine abwechslungsreichere unter UNESCO Schutz stehende Region mit Weinanbau.

Gegenüber auf dem Berg ist das Benediktinerstift Göttweig.

Wenn diese Landschaft hinter Krems beginnt, ist es nicht mehr so langweilig. Die Langeweile ist aber plötzlich vorbei, als der Weg wegschwenkt von der Donau, es geht durch einen Auenwald und dann kommen mehrmals große Schilder „Achtung , geänderte Radwegführung“. Ja das ist OK, aber wohin soll ich denn laufen. Mir fehlen da ein paar Pfeile. Auf der Umleitungsstrecke ist auch noch gesperrt und ich soll nochmal anders und wieder Richtung Kraftwerk laufen. Das törnt mich total ab. Ich hole zig mal mein Handy aus der Tasche um irgendwie selber was zu überlegen und die Leute wissen es auch nicht. Es kommen auch schon länger keine Radler mehr entgegen – ein ganz schlechtes Zeichen. Dann wieder bin ich doch richtig aber die Ausschilderung bleibt absolut mangelhaft. Das deprimiert mich und demotiviert mich. Ich wandere fast nur noch und muß mich durch Industriegebiete mit Autostaus schlagen. Ich beiße mich durch, aus 26 km werden 31 km. Was für Radler schon nicht lustig ist, wird für Läufer zum Lottospiel. Schilder kommen nur, wenn es eindeutig geradeaus geht, aber bei Abzweigen fehlen sie.

Selbst im Krems ist mir dauernd dieser Hafen

und später die Schnellstraße im Weg, kein Hinweis auf Brücken oder Tunnel.

Daß die Stadt größer ist, heißt nicht, daß sie schöner ist.

Ich kann das nicht glauben. Zweihundert Meter vor dem Zentrum kein Hinweis, nur dieser Schrotthandel.

Ich spreche die Leute darauf an und die sagen, ja dahinter ist es, ich soll nur weiter zugehen. Dann sehe ich zwar das Schild Zentrum, aber auch das Schild Hallenbad und ich beschließe, die Sauna vorzuziehen. Das Gebäude ist von außen potthässlich aber innen alles super.

Großes Thema in der Sauna heute: geblitzt werden. Jeder hat eine Geschichte beizutragen, keiner war Schuld an seiner Grschwindigkeitsübertretung aber alle mußten schließlich zahlen. S‘ Radarkistl ist Schuld. Herrlich unterhaltsam.

Die Frauen stoßen mit Kupferberg GOLD an und essen Cracker und Nüsse. Auch sie sind bester Dinge. Wenn ich bedenke, daß ich keine einzige russische Sauna (Banja) gefunden habe und auch die Hamam in Aserbaidschan alle geschlossen waren, so bin ich hier echt im Paradies. 3x Sauna in vier Tagen. Das entspannt Muskeln und Sehnen, sehr gut.

Ich sauniere und stelle fest, daß die Jugendherberge, bei der ich schon dreimal angerufen habe, erst heute Abend öffnet. Na dann paßt sich alles. Auf dem Weg dahin wird die Stadt etwas schöner.

Aber Kaufladen hat nur vormittags offen,

in Kaukasien haben solche Läden 24/7 offen. Man kann nicht alles haben.

Die Jugendherberge hat gerade per Telefon das letzter Zimmer vergeben. Gut daß ich heute paar mal angerufen habe. Er verweist mich an die Post und jetzt gehts aufwärts:

Das Hotel ist derart verplüscht – da paßt meine Tasche eigentlich gar nicht rein.

aber für 42€ inklusive Frühstück absolut OK.

Sie wollten es halt richtig schön machen.

Das Hotel liegt in der historischen Altstadt, die dann doch alles hat: Pittoreske Fassaden, schmucke Türme und Tore, historische Stadmauer – alles!

Ich kenne keine Stadt, die ihre Altstadt derart vor den Besuchern versteckt. Jetzt gibt’s nur eins, ab ins Brauhaus an der Ecke und ein paar zünftige Käsespätzle.

3. Etappe: Zwentendorf -Krems 31 km

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

33 Donauradweg (2.) Greifenstein – Tulln – Zwentendorf

Bei diesem Wetter schickt man keinen Hund vor die Tür.

Und doch habe ich heute gar nicht so schnell gucken können, da stürmt dieser Pommeranian auf mich zu und beißt mir in die Wade! Nein, blöder Scherz, sie leckt nur das Salz ab – unser Hund liebt das auch – sie heißt Chichi! Für mich ist es reine Therapie.

Vorher sitze ich beim Frühstück und zögere die Abreise noch etwas hinaus.

Denn Wetter erstmal unverändert.

Dann laufe ich los und bin froh, daß es sich gerade ausgetröpfelt hat. Die Strecke ist jetzt nicht gerade spannend.

Die Radler sind auch schon auf der Gasse.

Aber interessant: Die meisten – ca. 100 heute – fahren Passau – Wien, nur 6 in die Gegenrichtung wie ich. Das ist ganz gut, denn so treffe ich mehr und sie motivieren mich auch etwas auf öden Abschnitten. Erstes Zwischenziel ist Tulln. Hier habe ich zwei Möglichkeiten, die Donau zu überqueren, aber heute ist es noch nicht soweit.

Das Ziel für morgen bietet sich auch schon an: Krems.

Je mehr ich heute laufe, desto einfacher ist es morgen. In Tulln komme ich wieder nicht am Zentrum vorbei und die Gartenschau verpasse ich nur um ein paar hundert Meter, es ist zu kühl für Pausen und Sightseeing heute. Dieser aufwendige Brunnen hier, der gibt eine schöne Kulisse ab.

Jetzt umkehren wär auch blöd.

Nun kommt wieder eine Hundeprüfung – der Besitzer sagt „dea tuat nix“ und richtig, er schnürt zweimal um den Wagen herum, ich interessiere ihn gar nicht.

Nach Tulln wird umgeleitet und es wechseln sich leicht überbeschilderte Kreuzungen mit anderen ohne jeden Hinweis ab.

Zwei Kraftwerke sorgen hier eigentlich für Strom, dieses ist konventionell und das andere, das einzige österreichische AKW ging Gott sei Dank nie in Betrieb. Übrigens:

#hambibleibt !

Da muß ich drum rum, meine Uhr bricht ausgerechnet hier ab wegen Strommangel, und dann kommt Zwentendorf.

Ich nehme das erst beste Zimmer für 38€ und hoffe nun, daß die Kälte Heizung anspringt.

Die dritte Hundeprüfung heißt Sissi und ist eine dreizehn Jahre alte Dame. OK, das war jetzt nicht sooo schwer.

Im Ort wird der Metzger mit einem würdigen Zug zu Grabe getragen. Sein Geschäft wurde mir schon empfohlen aber es ist aus diesem Grund geschlossen.

Das Hallenbad ist ab 17 Uhr geöffnet – mein Glückstag – heute Herrensauna bis 22 Uhr!

Die Sauna ist wie in Wien ein Umschlagplatz für echte News. Der Bürgermeister ist nun im Ruhestand und war mit seinen vielen Verpflichtungen auch nicht zu beneiden. Jetzt hat er mal Zeit, sein Haus zu renovieren. Und so geht es weiter. Echtes Leben. So eine Sauna fehlt bei uns im Dorf auch noch.

Donauradweg 2. Etappe: ca. 30 km

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

32 zweiter Start in Wien (1. Laufetappe nach Greifenstein / Donau)

Ja, es ist verlockend, noch einen Tag in Wien zu bleiben und das süße Leben zu genießen. Mit ihren Torten, mit dem gemütlichen Treiben in den Cafés machen sie einem das Leben schön.

Aber ich will raus an die Luft, wieder laufen von Etappe zu Etappe. Und so packe ich meine sieben Sachen, kreuze einmal quer über den Ring durch die Stadt Richtung Donau.

Mir fällt jetzt auf, daß ich die Lauftight, ein Shirt, einen Slip und Socken in Lemberg auf der Wäschespinne habe liegen lassen. Speziell die thonimara Hose ist eigentlich wichtig. Denn meine schöne bunte Surferhose ginge zwar auch zum Laufen, aber dann hätte ich bei der Ankunft nichts zum Wechseln.

Das Foto am Stephansdom muß sein und ab hier starte ich auch meine Uhr.

So drehe ich eine kleine Runde durch die jetzt schon – an einem trüben Mittwoch Morgen stark anschwellenden Besucherströme.

Und dann kehre ich kurz bei Thony’s Laufshop ein, um mir Ersatz zu beschaffen.

Er hat kein thonimara, aber eine andere, eine Gore (Made in China), eine kombinierte Tight plus Hose soll es sein. Die Leute in Thony’s Laufshop haben mich gut beraten und sind echte Experten in Wiens ältestem Laufladen. Danke!

https://www.tonys-laufshop.at

Wir machen noch ein Foto und dann gehts aber wirklich los. Es sollte noch Regnen aber erstmal bin ich froh, daß es nur trüb ist, bis ich meinen Rhythmus habe.

Der Kälte Nordwind bläst von vorn und ich bin froh, als es runter geht direkt ans Ufer. Zwischenzeitlich bläst die warme Abluft aus der U-Bahn auf den Weg. Das geht aber sicher nicht so bis Passau.

In Prinzip könnte ich jetzt diesen Blog umtaufen in transdanubia.

(Für alle die sich jetzt erst zugeschaltet haben: Der Lauf vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war für mich nicht machbar, ich mußte bei der zweiten Etappe abbrechen und war seit dem per Bahn, Bus und Schiff bis Wien unterwegs). Mal schauen, wie weit ich komme auf dem Donauradweg.

Beinahe komme ich noch ins Fernsehen: Für die Serien SOKO Donau sind heute Dreharbeiten, aber so kurzfristig konnten sie mich dann doch nicht mehr ins Drehbuch schreiben.

Der Weg führt vorbei an der Hundertwasser-Müllverbrennungsanlage, der Kronen Zeitung und dann raus aus der Stadt. Da kann man navigationsmäßig jetzt soviel nicht falsch machen. Gestern in der Sauna haben sie mir in den Ohren gelegen – ich müsse unbedingt Klosterneuburg besichtigen, da führe nun wirklich kein Weg dran vorbei. Meine Erfahrung ist eine andere: Erst laufe ich direkt drauf zu aber „naa, da können’s net weiter, dös is a Sackweg!“ Und dann auf dem richtigen Weg sehe ich diesen riesigen Barockbau nur noch von weitem. Nun hob i ned amol an Foto.

Tulln ist jetzt immer ausgeschildert, aber das wären gleich 40 am ersten Tag bei gefühlt nur 2 grad und Dauerregen. Das könnte ich jetzt nur bringen, wenn morgen ein Pausentag wäre. So biege ich in Greifenstein unter die Eisenbahn durch und direkt in den „Braunen Bären“ ein.

Es ist hier so wie an der Mosel. Schlagermusik quillt aus dem „Radio Burgenland“, und ich dachte, wie sind in Niederösterreich. Ich nehme gleich das Tagesmenü, eine Suppe vorweg und dann Pasta mit Gemüse. Warum nicht.

Heute passiert hier nichts mehr, es wird kälter, windiger, der Regen trommelt immer stärker und ich sehe zum ersten Mal seit vier Wochen fern.

Ich habe nichts verpaßt.

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

31 Countdown in Wien

Morgen will ich von hier aus loslaufen, und heute suche ich nach der Bestimmung des Tages. Aber erstmal fahre ich ja mit der Bahn von Lviv hierher – nach Wien.

Ich suche wieder meinen Zug und komme an diesen grausigen Waggons aus der Nachkriegszeit vorbei.

Mein Wagen 431, Kurswagen Kiew – Wien ist moderner, vielleicht 30 Jahre alt. Der ist absolut ausreichend und glücklicherweise habe ich ihn für mich allein.

Der Junge Schaffner ist etwas aufgeregt und zerrt mich gleich zu Anfang in das enge Klo. Was will er? „Eto – njet“. Er zeigt abwechselnd auf das Schild – „keine Abfälle ins Klo schmeißen“ und den unappetitlichen Papierkorb. „Ja alles klar, weiß ich doch….“ Er tappelt aufgeregt hin und her, er will halt alles richtig machen und seinen Job bei der internationalen Abteilung behalten und nicht zurück zu diese abgeranzten Wagen des Inlandverkehrs. Auch der Samowar funktioniert. Sie teilen Bettwäche aus und ich mache es mir mit einer Flasche Bier gemütlich und gucke aus dem dunklen Waggon in die Nacht hinaus.

Die Schienen sind extrem schlecht und die Anhängkupplung macht wieder diese Knall- und Schabgeräusche – Metall auf Metall, aber das muß wohl so.

Ich schlafe schlecht ein und als es endlich soweit ist, reckt sich über mir eine dunkle Person mit großen Händen und ich schrecke hoch. Ach, es ist nur der Schaffner um halb zwei – es kommt gleich die Zoll- und Grenzkontrolle und er will seine Sache gut machen, in dem alle Fahrgäste stramm stehen. Da hat er sich bei mir den falschen Zeitpunkt ausgesucht und ich rolle mich wieder ein, dann kommt er wieder und hält mich wach.

Endlich kommt eine müde Frau in Uniform und sammelt alle Pässe ein, den hätte ich vorhin auch schon abgeben können. Dann ein dicklicher Zöllner, der sich nicht solange runter bücken kann und aufgibt, zu fragen was das da alles ist.

Jetzt aber pennen! Davon hält mich der Junge Streber auch nicht mehr ab. Allerdings schieben, ruckeln und bugsieren sie unseren Wagen zwei Stunden lang herum, weil die Räder wieder auf die westliche Spurweite getauscht werden müssen, die russische Spur geht bis hier und ist 30 cm breiter. Da werde ich immer wieder durchgeschüttelt. Dann kommt die Frau zurück mit den Pässen, ach ja stimmt, „spokolni notsch“ – mein Gott bin ich hinüber.

Jetzt wieder der Jungspund – aufwachen, ungarische Polizei und Zoll. Grenzen, das sagte ich schon, sind einfach nur überflüssig. Halb fünf fahren wir letztendlich weiter auf wunderbar glatten Gleisen – ich bin zurück in unserem Europa!

Ab 8 gucke ich ab und zu aus dem Fenster – starke Regenfälle und grüne Natur, die Debrecziner Heide.

Auf den 20 Unterwegsbahnhöfen kommen ungarische Ansagen, die Schilder und elektronischen Anzeigen wie in Österreich und bei uns und „ordentliche Gehöfte“. Alles OK.

Bei Budapest bin ich aufgeregt und will alles fotografieren. Die meisten steigen hier aus aber man sieht praktisch nichts von der Stadt.

Selbst die Donau ist nur grau hinter den Metallstreben und einer zweiten Brücke zu sehen.

Frühstück im Zug.

Und aus den Fenster schauen. Ab Österreich gibt es wieder Windktaft. Das hatte ich ganz vergessen.

Wien HBF und eine andere Welt ist um mich rum.

Voller Überfluß, Genuß und Luxus.

Und ich kann alle Schilder lesen.

Was mache ich in einer Stadt, deren weltberühmte Sehenswürdigkeiten ich schon kenne und von wo aus ich morgen wieder als Läufer aufbrechen werde. Erstmal in die Wirtschaft: Pilzcremesuppe und Spargel mit Kartoffeln.

Ich belausche die Herren, verstehe aber nicht mal die Grundzüge der Diskussion hinten in der Ecke und genieße die leicht miefige Stimmung.

Mein Quartier habe ich im 6. Bezirk gesucht, damit ich hier herum streunen kann.

Der 6. und 7. Bezirk zwischen Wienzeile und Lerchenfelder Straße gefällt mir am besten. Hier gibt es wirklich alles.

Dazu sehr viele Kneipen, witzige Läden, Speisen aller Länder, noble Goldschmide neben einfachen Geschäften, Antik neben Moderne.

Noch habe ich meine Bestimmung nicht gefunden an diesem Pausentag. Ich kaufe nichts und finde nur vieles interessant.

Das eigentliche Zentrum, innerhalb und am Ring – den 1. Bezirk – besuche ich mal wieder mit meiner Frau zusammen. Ich versuche keine Straße zweimal zu gehen und komme irgendwann hier in diese Ecke.

Und hier liegt auch mein Ziel das mich finden mußte: Das BAD in der Herrmannsgasse. Es ist erstmal nur eine Tür.

Eigentlich ist es nur eine Sauna und genau die brauche ich heute.

Es regnet, es ist kalt und windig, seit Tagen friere ich immer wieder und trotz Massage in Lemberg sind die Muskeln irgendwie gespannt. Diese Sauna ist ein Kosmos. Die Leute von hier lieben Sie auch als Umschlagplatz von Informationen. „Hast Du schon gehört, der und der ist krank, geht nicht vor die Tür, will man mal besuchen, sah auch schon länger nicht gut aus, wird aber wieder wenn’s erstmal warm wird, rappelt sich wieder auf, eigentlich alles gut soweit….“ Alles auf Wienerisch.

Sie nehmen mich herzlich auf und wollen wissen, woher ich komme, was ich hier mache. Ich würde im Dämmerlicht der Sauna dem Sieghardt Rupp so ähnlich sehen…. und so geht es drei Stunden lang. Ich komme als neuer Mensch heraus und bin happy.

Nun fehlt mir nur noch ein Cafeehaus mit einer Eierspeise, dann bin ich gut vorbereitet für morgen.

Und ich muß noch googeln, wer dieser Sieghardt Rupp ist. Vielleicht sieht er ja ganz gut aus.

Da kann man mal sehen – Selbstbild – Fremdbild. Ein Cowboy, kein schlechter Vergleich!

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach Hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

30 Lviv – Lemberg und seine Einwohner

Heute will ich ein drittes Mal im Grünen laufen, wieder eine neue Route, diesmal Richtung Norden. Ich hab ja jetzt den Komoot. Aber so kommod ist der nun auch wieder nicht. Immerhin hab ich ihm nur grob gesagt wo lang ich will und den Rest mußte er selber rechnen. Da waren so etliche Sackgassen dabei und Privatgelände, hab ich beim Laufen erkannt.

Ganz schlechte Idee. Wenn ich eins gelernt hab auf meiner Reise: Es reicht ein offener verrosteter Schlagbaum oder auch nur ein einziger übrig gebliebener Torpfosten aus dem Mittelalter. Dann ist das Privatgrundstück und es dauert noch 20 Sekunden, dann kommt sein Bewacher um die Ecke geschossen – ohne Leine aber Gott sei Dank nicht hungrig. Habe ich heute auch, das ist aber nicht gefährlich, denn man kann ja über alles reden. So lasse ich mich nach und nach von meiner Route abdrängen und laufe entlang einer staubigen Hauptstraße.

Sieht fantasielos aus, ist es auch, aber bringt ja auch nichts, sich dauernd zu verheddern und anzuhalten. So freue ich mich schon an den Blumenständen vor einem Friedhof.

Die Leute hier sind natürlich arm im Gegensatz zu der – zugegeben breiteren – privilegierten Schicht in der Innenstadt. Manche wollen vielleicht auch lieber ihr Häuschen im Grünen als eine Wohnung Altbau 4. Stock. Da ist es ich nicht so schlimm, wenn die Zufahrtstraße nur ein Sandweg ist.

Bevor ich zu den kleinen Häusern am Stadtrand komme, gibt es noch ein paar Industrieruinen.

In manchen dieser Monstren arbeiten aber auch noch Leute. Ich überlege, ob ich irgendwie hinter die Eisenbahntrasse komme.

Aber wenn schon in der Stadt keine Brücke ist, warum soll dann hier draußen eine sein. Die Menschen mit ihren Plastiktüten gehen teilweise einfach über die Gleise. Aber das mache ich auf keinen Fall. Es kommt auch eine Eisenbahnbrücke, aber die geht nur über einen kleinen Abzweig.

Insgesamt also eher umspannend, weil ich mich halt nicht mit den Hunden anlege. In jedem Vorgarten sitzt einer, aber die interessieren sich nicht für mich, höchstens für andere Hunde, die vorbei kommen mit Herr- oder Frauchen. Ein Sportstadion, das noch nicht gänzlich abgeschrieben zu sein scheint und das war’s bis zurück in die Innenstadt.

Ich mache noch einen Schlenker durch einen Park, der auch direkt wieder steil hoch geht, am Fuße steht eine Statue von Franko, aber nicht der Spanier, der wär jetzt echt unpassend. Das hier ist Iwano Franko, hat mit der Universität zu tun.

Der Schlenker durch den Park zum Schluß ist der Knob oben an der Fahne, deren Umrisse ich erlaufen habe.

Das sehe ich jetzt, wenn ich den Mast nach unten drehe.

Nun Duschen und wieder die Bäckerei von gestern. Witzig: Andere Verkäuferinnen, anderes Brot, keine Makronen, dafür Cheesecake. Nur der Kakao ist gleich. Blöderweise hab ich mein Handy zum aufladen im Hostel zurück gelassen. Das Foto hier gab es gestern schon:

Jetzt gehe ich nochmal schön in die Stadt, mich treiben lassen. Es ist so unglaublich viel zu sehen und ich weiß nicht, woran es liegt, daß ich das so schön finde, vielleicht weil es nicht perfekt renoviert ist. Es ist vielleicht zuviel auf einmal, aber ich kann mich nicht entscheiden für eine Auswahl oder Reihenfolge. Ist ein schöner Kontrast zu meinem tristen Lauf.

Das ist der Adonis, den habe ich mir jünger vorgestellt .

Die Museen / vielleicht auch das Museum – erstreckt sich über diese Häuserzeile.

Das Rathaus, Zugang frei aber drinnen nur Beamtenstuben und ein Werbefilm in Dauerschleife.

Lviv ist auch Stadt des Löwen, deshalb ist er im Wappen enthalten und zwei Exemplare bewachen das Rathaus.

Einen Mozart haben sie zu bieten.Und unglaublich viele Kirchen, orthodoxe, katholische, armenische und mehr. Hier gibt es auf dem Platz davor eine Ostereierausstellung. Ein Ostereldorado sozusagen.Diese Kirche ist sehr alt, im Innenhof gibt es einen frei stehenden Altar, an den kommt man aber nicht näher heran.

In eines der Touristenlokale mit mittelmäßigem Essen zu hohen Preisen will ich nicht gehen und suche lange herum, ob sich nicht was originelles findet.

Dann hab ich es: Eine ehemalige Post mit der größten Postkartensammlung Lvivs, einer Druckmaschine für die eigene Postkarte, einem Postmeister und nebenbei ist es auch noch ein Restaurant mit hausgemachten Nudeln und Lviver Bier. Sooo soll es sein.

Hier ist es gemütlich und warm, mit meinen kurzen Hosen habe ich mich etwas verschätzt.

Ich schreibe auch noch Karten an meine Lieben daheim und bin happy.

Shopping fällt aus.

Der Musiker und eine Ecke weiter diese beiden Sänger sind sensationell. Meine Grywen-Sxheine gehen zur Neige und so muß ich an die Euro ran.

So fällt mir der Abschied aus Lviv – Lemberg gar nicht so leicht, es ist auch ein Abschied aus der Ukraine, die sich hier von ihrer besten Seite zeigt.

Mein Zug nach Wien fährt 21 Uhr.

29 Lviv – Lemberg im Grünen

Lemberg hat keinen See oder Fluß, kein Meer an dem man laufen könnte – bleiben die verschiedenen Sorten Grün. Gestern hab ich es nur so halb geschafft, mit einer Online- Karte durch die grünen Oasen der Stadt zu laufen. Heute hab ich Route mit Komoot vorher geplant und mir das weltweite Kartenset für 30€ gekauft, um offline navigieren zu können.

Als überzeugter Monotasker sind es mit vier Beschäftigungen gleichzeitig drei Zuviel: Auf das Navi achten und mit der neuen App klar kommen, die Gegend damit abgleichen, auf die vielen Stolperfallen achten und genießen will ich das ganze ja auch noch! Es geht ganz gut und ich bin tatsächlich einen schönen Kreis gelaufen. Ein kleiner Teil kommt mir von gestern schon bekannt vor und ich beginne, die Stadt zu verstehen.

Es gibt unglaublich viel grün, das ist immer verbunden mit Höhenmetern.

Wenn ich aus einem Wäldchen raus komme, hab ich ein kurzes Stück auf der Straße zu laufen, bevor es woanders wieder rein geht – und dann auch hoch.

Kein Wunder, daß man hier mitten in der Stadt einen Ultratrail austragen kann. Und kein Wunder auch, daß die beiden Teilnehmer von gestern so ermattet aussahen. Denn die Steigungen sind heftig und mir reichen die 15 km vollständig heute.

Teilweise sieht es aus wie bei uns im Hunsrück – viel herrlicher Buchenwald. Nur eins verstehe ich nicht: wie kann es auf dem Berg schlammig sein und unten trocken, ich dachte immmer … mit Logik komme ich hier nicht weiter und ich will ja auch genießen. Einmal muß ich durch eine Art Donaudelta, aber darüber wird vielleicht in den nächsten Wochen ohnehin noch zu reden sein.

Es hat auch neben den wunderschönen Trails viel gutes: Ich laufe im Schatten der hellgrünen Blätterdächer und die Vögel singen so schön.

Nur hin und wieder komme ich plötzlich an armselige Behausungen, da wohnen auch Menschen und meist hält ein Hund Wache.

Insgesamt muß ich aber sagen: Lviv hat wesentlich weniger von den aussichtslos verfallenen Strukturen wie die bisherigen Städte. Seit Moskau ist es die erste Stadt, die mehrheitlich ihre Gehwege im Griff hat und sogar Radwege. Hier ist der Blick in die Hofeinfahrten nicht jedes Mal ein schwarzer Abgrund.

Die Stadt ist deutlich besser in Schuß als Odessa, Batumi oder Tiflis, ganz zu schweigen von den Kleinstädten dort. Svetlana im Hostel sagt, Lemberg gehörte – anders als Odessa – zu Österreich-Ungarn , und das merkt sie, denn sie ist eigentlich aus Odessa, das lange russisch war.

Nach einem herrlichen Lauf hab ich mir zwei Makronen und einen Kakao verdient in einer schönen Bäckerei.

Hier hole ich auch ein dunkles Brot für morgen früh.

Man soll ja immer am Stück essen und dann ausreichend, gefolgt von einer langen Pause. Deshalb mach ich gleich weiter. Ich suche im Google wieder nach Vareniki und finde Marusja, nicht weit von hier.

Die machen die Vareniki im Akkord.

Es gibt sie mit Frischkäse, Kartoffelfüllung, Pilzen und Fleisch.

Seit ein paar Tagen komme ich wieder vegetarisch durchs Leben ohne zu verhungern. Lecker.

Auf dem Platz vor der Oper gibt’s ein Volksfest.

Die haben noch die Osterdekoration beibehalten und auch hier ist alles grün, inklusive des Kopfputzes dieser Frau.

Kleines Rätsel, was heißt das alles (Auflösung unten)?

Gut, daß ich mein Gepäck nicht aufstocken will. Den einen oder anderen unnnützen Kleinkram hätte ich an den Ständen gekauft.

Sie haben alles was man Grillen kann, auch Berge von Fleisch.

Und weitere Getränke – kleines Training zwischendurch:

Mochito, Sangria. Glühwein.

Ich lasse mich mit einem Bier in dieser Dekoration nieder und lausche der Coverband, dann schlendere ich weiter.

Ich erlebe den schlechtesten Straßenmusiker aller Zeiten: Er kann den (englischen) Text nicht, er kann überhaupt kein englisch, kann nicht singen und (vielleicht um Energie zu sparen) er bewegt sich auch nicht. OK 1 Grywen (3,3 cent) in seinen Hut.

Der Spontanchor hier, ist viel besser. Die schmettern was das Zeug hält. Keine Ahnung, ob das Revolutinslieder, nationalistisches oder nur Volksliedgut ist. Na, für Revolutionäre sind sie zu gut angezogen.

Die Auflösung von oben noch:

KAFFEE

Espresso

Americano (der normale Filterkaffee)

Capucino

Latte

Tschai – Cay – einfach Tee halt.

Süß, oder?

Wer das alte Europa neu erleben und aber auch ausgedehnt in der Natur wandern will, ist hier genau richtig.

Die Stadt hat einfach alles.

28 Reise nach Lviv + Lemberg als Läufer

Eine Stunde vor Abfahrt bin ich am Bahnhof.

Ich gucke nach meinem Zug und er sieht schlimm aus.

6-8 Leute in einem stickigen Abteil und mein 1. Klasse-Waggon ist nicht in Sicht.

Dann stellt sich heraus, es ist der nachfolgende Zug – Gott sei Dank.

Zugfahren ist billig in der Ukraine und das Land ist groß. Mein Luxus Abteil ist super ordentlich, wenn ich mir auch eine dezentere Lichtquelle gewünscht hätte. Kostet mit 60€ ungefähr 1/4 des deutschen Fahrpreises für die 600 km.

Auch ein moderner Waggon wird auf ausgeleierten Gleisen hin und her geworfen. Bin schon länger nicht mehr Nachtzug gefahren. Der Service ist gleich Null, obwohl wir natürlich pro Waggon eine Schaffnerin haben. Sie bietet nichts an und hat nicht mal den Heißwasserboiler im Griff, aber immerhin, sie läßt mich auch in Ruhe. Hier bei der Ankunft habe ich sie auf dem Bild.

Ich habe mir den Wecker gestellt, um in Ruhe zu frühstücken.

Brot und Marmelade habe ich noch aus Georgien und der restliche Schafskäse von Schakro. Wie es dem wohl ergangen ist…

Die Landschaft ist jetzt nicht sooo spannend – in der Kornkammer Ukraine. Der Boden ist schwarz und fruchtbar. Ich weiß jetzt, was die Farben der Ukrainischen Flagge bedeuten (oben blau unten gelb): blauer Himmel und gelbe Rapsfelder, das könnte doch gut sein.

Als ich mit der Offline-Karte auf dem Handy checke, ob wir denn pünktlich 8:21 einlaufen, stelle ich fest, saß wir schon kurz vor Ankunft sind und packe hastig zusammen. Den Bahnhof Lviv muß ich erstmal auf mich wirken lassen.

Eine gute Glegenheit, meinen Zug zu checken nach Wien. Nur steht er nicht auf der Tafel. Ich kann inzwischen ganz gut russisch und frage, ob und wann der Zug fährt: Es ist der Zug 145 nach Ushgorod, ich muß nur den richtigen Kurswagen erwischen, der wird dann umgehängt an einen Zug aus Kiew und dann geht alles seinen sozialistischen Gang.

Gut daß ich das heute schon mal abgeklärt habe.

Draußen warten die Straßenbahnen und die Gleise sind dermaßen ausgefahren, davon muß ich nochmal ein Foto machen.

Auch die Wagen sehen erbärmliches aus, aber ich finde sie gut und die Einheimischen lieben sie, glaube ich. Wen auch immer das laute Klickern und Poltern der billigen Kofferrollen auf unsern Bahnhöfen nervt, der wäre hier richtig. Die Koffer haben auch Rollen, aber da fängt man sich nur Schlamm und Sand ein, rollen jedenfalls kann man hier nirgends. Nicht nur gibt es keine Auf- und Abfahrten auf die hohen Bordsteine, auch sind die Wege dermaßen grob gepflastert oder mit brüchigen Platten belegt, da kommt man rollend gar nicht weit. Mein geländegängiger Wagen ist das mindeste.

Noch einen anderer „Vorteil“: Es gibt keine Menschen mit Behinderungen – jedenfalls nicht draußen. Praktisch alle Menschen mit Handicaps sind von gesellschaftlichen Leben durch Barrieren ausgegrenzt. Auf meiner Reise habe ich keine Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator gesehen. Die müssen alle zuhause bleiben. Denn rollen ist hier nicht. Auch nicht Tastelemente, Audiohilfen, Blindenschrift oder sonstige Hilfen. Nicht mal in den herausgeputzten Zentren der Hauptstädte. Da lob ich mir die verhaßten EU Vorschriften.

Die Fahrerin meckert mich an, weil ich es durch die engen klapprigen Türen vier Stufen kaum hoch schaffe. Ich sage Iswinitje – Entschuldigung – das heizt sie nur noch mehr auf. Sie ist außer sich und drückt auf ihre höchste Eskalationsstufe: Die Dauerklingel. Denn die Autos vor ihr machen auch nicht, was sie sollen. Ich kaufe ein Ticket, neue Stadt, neues System.

Anders als in Rostow und Odessa (wo man hinten einsteigt und beim Verlassen des Wagens vorn das Geld passend bezahlt,) kauft man hier bar vorn das Ticket und geht nach hinten durch. Allerdings wird hier sogar entwertet mit einem vorsintflutlichen Locher, der an der Wand hängt und auf den man richtig draufhauen muß, sonst tut sich nix. Ich entschuldige mich hundertmal bei den Leuten wegen meines Wagens und verziehe mich nach hinten. Dann lese ich: Bagasch kostet extra und turne noch mal nach vorne um zu bezahlen. Aber das macht es nicht besser, sie hat einfach einen schlechten Tag.

Jetzt noch den Absprung bei der Station Poschta schaffen, denn gegenüber der Hauptpost liegt mein Hostel, das Posthostel.

Es ist super ordentlich und ich fühle mich auch im 10-Bett Zimmer wohl. Es sind alte Mauern, aber die haben sie schön gemacht.

http://posthousehostel.com.ua/de/

Ankommen, umziehen und los. Ich will die Stadt laufend erkunden, undzwar nicht nur das pittoreske Zentrum, sondern das Grün drum herum. Es gelingt mir ganz gut.

Zuerst hoch auf den Schloßberg. Die 200 Höhenmeter auf dem buckligen Pflaster sind nicht ohne, aber oben der Ausblick – belohnt mich.

Denn ich komme hier natürlich auch auf meine Kosten, was historische Gebäude, Kirchen und Plätze angeht.

Lviv gefällt mir, so habe ich mir Odessa vorgestellt, nur ohne Wasser eben, es erinnert mich etwas an Salzburg.

Leider übernehmen sie auch die Unarten – Pferdedroschken zum Beispiel. Unterwegs treffe ich auf erschöpft dreinblickende Läufer mit Startnummer. Sie laufen den Lviv Ultratrail, erfahre ich.

Und Trail gibt’s hier genug, alles was grün ist, ist auch hügelig. Sonst wäre es je bebaut.

Auch einen Kreuzweg der Katholiken gibt es – wir sind fast in an Mitteleuropa.

So manch ehemaliges Militärsportgelände liegt verlassen da, auch dieser Kulturpalast wächst langsam zu.

Über den Friedhof laufe ich natürlich nicht, aber er interessiert mich schon.

Die Stadt ist voll mit Leuten. Auf der Suche nach einem typisch ukrainischen Lokal komme ich hier nicht weiter, es sieht jetzt aus wie Paris.

Hier diese Butze ist was für mich:

– ukrainische Hausmannskost – preiswert und bei Bedarf vegetarisch.

Ich kann inzwischen gut bestellen und alles lesen: Ja chotetje Vareniki c Kartofeljem i Gribami (mit Pilzen und Kartoffelfüllung).

Die Stadt wird immer voller, die Menschen tanzen sogar an einer Stelle zu Folklore-Pop. Vielleicht ist es auch die After Run Party des Ultratrail. Die Deko steht noch.

Die Straßenbahn kämpft sich durch. Meine spezielle Fahrerin hat aber sicher jetzt Feierabend, die wäre jetzt geplatzt.