47 Das ist Niederbayern Vilshofen – Deggendorf (14.) Donauradweg

Beim Frühstück treffe ich zwei Männer aus Mulhouse im Elsass. Sie sind mindestens schon Ende sechzig aber sie haben Beine wie aus Holz geschnitzt. Sie erinnern mich an Burkhard und Wolfgang, die jedes Jahr eine Radtour ins Baltikum machen. Genau wie die beiden hier: Einer mit dem Rennrad (Sportler mit gelegentlichem Platten) und einer mit dem Tourenrad ( der Kulturmensch) und immer mit heftigen Etappenzielen. Die beiden hier wollen in drei Tagen die 350 km bis nach Wien abreiten – unglaublich. Dann wollen sie weiter über Brno ( Brünn) nach Krakau in Polen! Leider habe ich kein Foto.

Die Donau etwas beruhigt und Vilshofen zum Abschied im herrlichsten Sonnenschein.

Nach Deggendorf sind es noch über 33 km und ich nehme mir vor, mich heute konsequent an den Radweg zu halten.

Die Donau steht nur einen halben Meter unter dem Radweg, da kann ich froh sein.

Ein Hund läuft bellend hinter mir her (Trigger), es ist Max, ein verspielter Geselle, den sein Frauchen aus dem Tierheim zu sich genommen hat.

Auch Katzen um Hühner kreuzen meinen Weg. Das ist Niederbayern.

Leider kommt dann doch der Punkt, an dem der Radweg nicht nur ein bischen überschwemmt ist, und ich muß improvisieren.

Ich irre herum, finde zurück auf den Radweg, dann aber ist er es doch nicht und treffe auf andere Radler, die auch suchen. Darunter sich eine Vierergruppe aus der Nähe von Seattle.

Obwohl der Radweg befahrbar ist, macht es keinen Spaß, denn es fehlen Schilder. Immer wieder wird man in die Pampa geschickt an das Donauufer aber schon nach 1,2 km ist man dann doch wieder oben an der Landstraße. Nicht nur die Ausschilderung ist schlecht, sondern auch die Wegführung mit ihren tausend Ecken zumindest – ungefällig, so könnte man es ausdrücken. Die Sonne steht immer höher und ich habe darauf nicht länger Bock und laufe konsequent die Landstraße.

Leider, und das wäre bei uns nicht anders, haben meine motorisierten Verkehsteilnehmer nicht nur frohe Gesichter. Genau wie bei uns zeitigt der ländliche Raum eine polarisierte Autogemeinde: viele alte Langsamfahrer ( zu denen gehöre ich jetzt auch bald) und mehr total bekloppte Rennfahrer. Immerhin einer hatte soviel Zeit, um anzuhalten, mich komplett runter zumachen und dann abzurauschen. Ich habe nichts verstanden, aber es ging ziemlich sicher nicht um meinen offenen Schnürsenkel.

Vor mir das Panorama des Bayerischen Waldes, links gehts nach Deggendorf.

Auf der Straße immer wieder Metallteile, die einst durch die Luft geflogen sind.

Ja was soll ich machen, ich bewege mich eher wie ein Auto, denn Fahrrad verboten heißt ja nich Fußgänger verboten. Sollen ’s halt gscheite Schilder mochen.

Gut Aiderbichl ist hier in der Nähe. Würde da drunter stehen 1km oder 2km, wäre ich abgebogen dahin, um mal zu gucken. Vielleicht ist es das hier sogar.

Zwischendurch laufe ich immer mal parallel einen einsehbaren Radweg. Einmal wird sogar extra eine Umleitungsstrecke angezeigt – wäre schön, aber ich folge nur noch der Straße und meinem Instinkt.

Von weitem sehe ich jetzt die Radler auf dem Parallelweg fahren, immer an der Böschung der Autobahn lang, das ist auch nicht schöner. Offenbar ist’s nur noch eine halbe Meile.

Der erste Kiosk in Deggendorf ist meiner!

Kuchen und Kaffee!

Ich stelle meine Uhr aus und wandere später noch 3 km in die Stadt rein. Meine Unterkunft ist eine kleine Pension, die habe ich heute ganz für mich allein – samt Terrasse zur Donau.

Später schlendere ich in die Stadt, zünftige Kasspatzen ( nein, kein Vogelessen) und Eis.

Im Fernsehen bringen sie die schlimmen Nachrichten von Schiffs- und Bootsunglücken an Donau und Rhein. Die Opfer haben mein volles Mitgefühl.

14. Etappe Donauradweg Vilshofen – Deggendorf: 30 km

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

46 Es gibt noch mehr „Verrückte“ Donauradweg Passau – Vilshofen

Beim Frühstück setze ich mich versehentlich auf den Platz von Gottlieb aus Norddeutschland. Er kam gestern mit dem Flixbus samt Rad und bricht heute Richtung Budapest auf. Aus diesem Holz sind viele Radwanderer und Wanderer und Läufer gemacht. Wir haben unseren Spaß und holen einen Dritten – Christian – dazu, damit er uns fotografiert. Ich habe ganz vergessen, auch mein Handy dafür zu nehmen, so habe ich nun kein Foto von uns.

Christian Zimmermann ist aus der Schweiz und hat eine ganz eigene Interpretation der Fortbewegung. Er wandert mit einem Einkaufswagen. Denn das kam ihm damals in den Sinn, als er sich fragte, wie er das viele Trinkwasser und seine Ausrüstung auf dem Highway durchs australische Outback mitnehmen soll. Klar, so ein stabiler Einkaufswagen, der ist super dafür. So schreibt er es wohl auch in seinem Buch Transaustralia, das ich mir nun umgehend bestellen werde.

Wir reden auch über seine aktuelle Reise, von Flumental in der Schweiz bis nach Moskau.

Auch er ist verrückt, ich verstehe das. Was für eine Reise. Die ersten vier Wochen sind gut gelaufen und jetzt ist er so richtig drin. Gute Reise, guten Lauf, lieber Christian, ich werde Dir im Geiste folgen!!

Wir haben uns verquatscht, Christian macht Pausentag in Passau und so laufe ich erst gern 10 Uhr los. Aber hey – es regnet sowieso.

Über diese Kraftwerksbrücke soll ich auf die andere Seite laufen und dann bei Vilshofen wieder hier rüber. Da bin ich schlauer und bleibe gleich auf dieser Seite. Es wird schon nicht so schlimm kommen.

Ich lasse mein Handy in seiner sicheren Verpackung und laufe unbeirrt weiter auf der Bundesstraße 8. Auch die Kollegen von der Straßenmeisterei, die mich warnen vor den gefährlich engen Stellen auf der B8, können mich nicht umstimmen. Ich soll umkehren und zurück laufen und dann über die andere Seite gehen.

Ach was, das geht schon, erstmal geht es noch ne Weile parallel. Dann aber muß ich auf die B8 und dann schwenke ich auf die andere Seite, da kommt eine Kette von Dörfern und da werde ich schon irgendwie durchkommen.

Die Anwohner desillusionieren mich nicht und sagen, ja das geht, aber ich muß über den Berg und durch den Wald. OK ich wandere die Wege mit bis zu 20% Steigung immer höher und erwarte natürlich oben einen grandiosen Ausblick. Der ist dann doch ziemlich wolkenverhangen aber da unten fließt sie, die Donau.

Der Weg wird weicher und ich muß trotz Nässe immer wieder mein Handy rausholen um mich zu orten.

Weiterhin glaube ich, das Richtige zu tun und gegen ein kleines Abenteuer ist ja nichts einzuwenden.

Die Natur ist wie bei uns im Hunsrück.

Es wird auch drauf hingewiesen, daß hier der Wald zurück Richtung Urwald „entwickelt“ wird, also nix mehr gemacht wird.

Finde ich gut, solang es einen Weg gibt. Der ist dann irgendwann zu Ende und mir fehlen 30 m bis zu einem Anschlußpfad, der mich runter und raus führt. Irgendwann finde ich den endlich, aber er liegt 20 m tiefer und mir bleibt nichts anderes übrig, als den Berg samt Wagen herunter zu rutschen.

Kurze Zwischenbilanz bis hier her: Ich bin total verdreckt, mein Wagen ist total verdreckt, mein Wagen ist kaputt (irgendwelche Nieten an der Zugstange hat es unter der Last weggesprengt) und es regnet und ich kann erstmal nicht weiter. Sehr gut Herr Lange, soo geht die Abkürzung durch den Wald!

Ich muß improvisieren und lasse mir was einfallen, wie ich die Stange wieder an ihrem Platz und zugfest bekomme. Dafür muß ich alles ausräumen um an das Werkzeug zu kommen. Kurz hasse ich mich aber es geht alles gut, die Stange hält, es tröpfelt nur noch, ich laufe bergab ins nächste Dorf und bin nun nur noch 10 km Weg von Vilshofen.

Hier, wo es jetzt sogar wieder einen Radweg gibt, gibt es auch ein Schild, daß ich auf dem Radweg bin. Wichtig wäre, wohin ich soll, wenn kein Radweg da ist, aber das wissen die Schildermacher eben auch nicht.

Es regnet stärker aber jetzt ist es egal, Ich bin sogar froh darüber, dann spült es den Dewck vom Wagen und von mir ab. Aus den angeschlagenen 24 km (inklusive auf die andere Seite wechseln) sind nun knapp 26 km geworden und ich brauche eine Ewigkeit dafür. Super Abkürzung. Jetzt sind wir auch alle wieder vereint: Donau, Bundesstraße, Eisenbahn und Radweg.

Vielleicht kommt ja noch der IC nach Koblenz vorbei, dann hätte ich was zu gucken. Wann steht man schon mal so dicht an einer Hauptstrecke der Bahn. Ist aber nicht, immerhin ein Güterzug.

In Vilshofen nehme ich die erst beste Fahrradpension, die sich bietet, direkt an der Vilsbrücke.

Ansonsten ist das ganz süß hier aber auch klein.

Nichts für einen Pausentag.

Da laufe ich lieber morgen auch nochmal. Morgen kommt wieder die Sonne raus.

13. Etappe Donauradweg: Passau – Vilshofen, 26 km

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

45 Griaß di Gott, Servus, Pfiat di, Baba: Schlögen – Passau (12. Donauradweg)

Heute nehme ich mir mit 40 km bis Passau knapp einen Marathon vor. Es wird auch ein Abschied von Österreich, der mir mal wieder schwer fällt. Die Wetterlage seit gestern Abend unverändert: Regen.

Das ist gut für mich, zusammen mit allen anderen Vorbereitungsmaßnahmen (Sauna, Massage, Essen bis zum Umfallen) sollte das heute gut funktionieren, ein Marathon mit meinem Benpacker. Andere fahren mit dem Traktor hier her – warum nicht.

Es war angekündigt und ich hadere nicht: Teils kein Radweg, nur Landstraße, aber auf der ist wenig los.

Dafür jede Menge Mystik. Es hat extra wegen mir aufgehört zu regnen und aus den Wäldern dampft es. Hier werden die Wollen gemacht.

Überraschend geht es ganz schön hoch und runter, über 500 Höhenmeter kommen heute zusammen.

Macht aber nichts, ich bin gut drauf.

Die Donauufer weiter zauberhaft.

Es sind nur wenige Radler unterwegs, wenn ich welcher treffe, sind sie anerkennend und überrascht. Bei Regen ist Ihnen kalt und so wirkt es besonders heldenhaft, einfach nur geradeaus zu laufen. Läufer kennen das.

Da hinten kommt Engelhardszell – km 14 immerhin.

Ein letztes Donaukraftwerk – gegenüber ist schon Deutschland.

Der Regen wird ab km 21 stark, ist aber relativ warm. Der Himmel weint zu meinem Abschied.

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich schon in Deutschland bin – doch, ja.

Macht’s nur so weiter, Ihr Deppen. Hier sind auch die drei Schilder (Suchbild).

Die Partnerstädte von Passau – Hackensack gefällt mir natürlich am besten. Was sich wie eine S/M Praktik anhört, ist die Partnerstadt in New Jersey.

Die Radler werden auf einen kleinen Schleichpfad umgeleitet, damit die Räder, vom Regen sauber , noch einmal schmutzig werden.

Eine erste Prachtansicht der Stadt bekommt man auf der Donau- nein halt – Innbrücke.

Die Inz, die Inn und die Donau fließen hier zusammen.

Es gibt mehrere sehr alter Häuser hier, die wichtige Straßen überbauen und so einen Tunnel formen.

Und natürlich viel altes Gemäuer.

Ich irre ein bischen herum , Jugendherberge voll, kein anderes Hostel in Sicht. Dann wird mir das Rotel am Bahnhof empfohlen. Ein witziges Ding.

Ich froh, hier für kleines Geld unterzukommen.

Mein Zimmer hat keine 5qm. Wenn der Wagen drin ist, passe ich eigentlich nicht auch noch rein.

Doch, geht. Ich muß nur gleich ins Bett.

Ich blicke sogar auf den Fluß, die Donau.

Nachdem ich mich wieder hergestellt habe, gehts ab ins Brauhaus.

Und dann bummele ich nochmal durch die Stadt.

Es gibt natürlich auch gute Gründe, nicht hier hin zu gehen.

Da bleibt wenig kreativer Freiraum.

Eine Menge kleiner Gäßchen hat es hier.

Das Hochufer auf der anderen Seite erinnert mich an Tiflis.

Ich laufe rüber um noch das Panorama zu knipsen. Das reicht dann aber.

12. Etappe Donauradweg Schlögen – Passau: 40 km

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

44 In der Donauschlinge Aschach – Schlögen (11. Donauradweg)

Die Schwäne frühstücken noch und putzen sich, als ich in Aschach aufbreche.

Auch heute wieder wird es warm und ich tue gut daran, auf der rechten Donauseite zubleiben. Denn da ist tendenziell mehr Schatten wegen der Felsen, die hier links hoch aufragen.

Irgendwie ist es halt Montag und vielleicht deshalb habe ich die Straße für mich.

Ab Aschach fangen die Donauschlingen an, fast wie an der Mosel nur ohne Wingert (Weingärten). Sonst kein Dorf, kaum andere Menschen. So gucke ich auf die Schiffe – hier bringt eins neue Dacia-Autos zu uns.

Auch kommen einige Passagierschiffe die Donau hoch.

Und die Carissima fährt jetzt wieder runter, die kann aber zwischendurch nicht in Oberwesel gewesen sein.

Zur Abwechselung eine Burg auf der anderen Seite, ihr zu Füßen das Kaiserdorf und eine schöne Fähre fährt rüber und nüber.

Durch die Schlingen gibt es ja immer auch die Flächen innerhalb, die bei normalem Wasserstand nicht überspült werden. Auf diesem fruchtbaren Boden sind saftige Wiesen

und es wird auch Weizen angebaut.

Hinten das schmale Band zwischen den beiden Grüns ist die graugrüne Donau.

Achtung Kopf einziehen!

Die Felsen sind teilweise spektakulär. Manchmal kommt auch was runter.

OK, das mit den 30 km/h kriege ich hin.

Aus diesem Hang kämen die Brocken dann runter.

Auf dem engen Radweg überholt mich ein Getränke LKW, der paßt gerade so hier durch. Nur leider kommt dann von vorn ein Traktor und einer muß nun rückwärts. Zu allem Überfluss kommt dann noch eine Gruppe Radler aus Newhampshire, die natürlich auch alle ausweichen müssen, weil der Traktor zurück muß. Ich schlage mich durch die Büsche und lasse das Knäuel hinter mir. Ich hoffe einfach, daß sich das irgendwie gelöst hat.

Mein Hotel in Schlögen heißt auch Donauschlinge, denn es liegt direkt an der schönsten aller Schlingen.

Das Foto habe ich aus dem Dachfenster meines Zimmers gemacht.

Heute ist alles etwas edler hier. Das brauche ich auch so, denn morgen will ich die 41km bis Passau in einem Stück in Angriff nehmen.

https://www.donauschlinge.at

Deshalb erstmal Essen.

Fast alles vom Mittagsbuffet probiere ich aus. Auch am Abend nochmal soviel, wie rein geht.

Den Nachmittag verbringe ich mit Wellness.

Und Massage und Sauna.

Das haben sie schön gemacht hier und diese Natur gibt es hier rundherum wirklich so.

Nach einem warmen Tag kommt der Regen.

Und davon gibt’s morgen reichlich. Mit soll es recht sein.

11. Etappe Donauradweg von Aschach nach Schlögen: 26 km

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

43 Der frühe Vogel… Linz – Aschach (10. Donauradweg)

Mal wieder nehme ich mir vor, früh zu starten, diesmal klappt es. Ich stelle mir den Wecker auf 6 Uhr, esse meine zwei Nutella-Brötchen und kurz nach 8 Uhr bin ich auf der Straße vor dem Kunstmuseum Lentos.

Das ist auch dringend nötig, denn heute wird es sehr warm. Und weil ich auf dieser, der rechten Donauseite bleiben möchte, habe ich erstmal keinen Radweg, so scheint es. Aber irgendwas muß da doch sein in do einer großen Stadt.

Eigentlich ist wirklich nur ein schmaler Streifen da. Da werden aber sicher nicht so viele Autos kommen am frühen Wahlsonntag. Nach 1,6 km schon gibt es für Fußgänger nur noch buckliges Pflaster.

Nach 2km von der Stadtmitte hört auch das auf und es gibt wirklich nur eine Landstraße ohne jede Ausweichmöglichkeit.

Dann kommt eine Baustelle, ein neuer Radweg? Nein, eine Autobahn. Ja super liebe Asfinag, und wenn Ihr schon so nett fragt, ja, ich habe eine Frage: Wo sollen denn Radfahrer, Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Roller hier hin?

Ich merke, ich komme meinem kleinkarierten Deutschland näher. Mimimimimi!!

Anstatt ich mich freue über diesen schönen Tag und daß es wirklich nicht viele Autos sind, ärgere ich mich über Dinge, die ich nicht ändern kann.

Und ohne Autos sieht das gleiche Ufer auch schon viel schöner aus.

OK, einmal noch in Wilhering laufe ich in eine Sackgasse, aus der ich wirklich nur rückwärts wieder rauskomme.

Und dann ziehe ich frohen Mutes durch bis zur Fähre Ottensheim.

Ein schöner Ort auf der anderen Seite. Als Radler soll man von Linz aus eigentlich dort drüben langfahren und dann hier wechseln, ich habe mir so nur die 2 km Umweg gespart.

Immer wieder mal gibt es Nebenflüsse, deren Wasser den grauen Schlamm mitbringt, der die Donau so gar nicht blau aussehen läßt. Ist alles vom starken Regen an den Nordalpen.

Es kommt nochmal ein Donau- Kraftwerk und dann wird es langweilig. Höchstens mal ein Schiff.

Oder schöne Blumen die auf den Magerwiesen wachsen.

Jetzt wieder ein Schild. Es gibt ja automatische Schranken und auch einen automatischen Schrank kann ich mir noch irgendwie vorstellen. Aber dies hier scheint so ein Mittelding zu sein.

A audomodischer Schronkn halt.

Gut, daß ich so früh gestartet bin, jetzt ist es schon fast heiß und ich bin aber auch m Ziel.

Die 64 Kilometer bis Passau sind auch mit angeschlagen, ich will mir noch überlegen, ob ich die in zwei oder drei Etappen teile.

Auch wenn’s dann im Ort drin schon 67 km geworden sind. Hoffen wir mal, daß das nicht so weiter geht.

Ein Reporterteam des ORF sucht nach passenden Motiven für den Oberösterrichischen Regionalsender. Da ist es doch ein leichtes, gleich ein Interview und ein paar Filmaufnahmen zu machen. Das kommt jetzt irgendwann dieser Tage im TV. Ich stelle den den Link dann später hier ein.

An der Promenade lerne ich eine Radgruppe aus Hongkong kennen.

Sie machen tatsächlich ganz in Ruhe zwei Wochen Urlaub in Österreich. Jedes Jahr nehmen sie sich ein anderes Land Europas vor. Sie fahren diesmal mit dem Rad bis Wien. Wir unterhalten uns eine ganze Weile und sie wollen meinen Benpacker ausprobieren. Lieber Ben, neue Kundschaft aus Fernost!

Ich suche mir ein Zimmer, richte mich her und streune durch den Ort. Hmm Erdbeeren, nur schade, heut ist Sonntag.

Die schönste Straße ist dem wichtigsten Sohn der Stadt gewidmet.

Von der wichtigsten Tochter natürlich keine Spur. Aber immerhin, die Nonnen haben sich vor 150 Jahren in einem Streit durchgesetzt: sie brauen das bessere Bier.

Eine Einwohnerin findet es toll, daß ich mich für die Abelstraße interessiere und steuert auch noch ein paar Geschichten bei. Zum Beispiel, daß große Teile Oberösterreichs früher von Passau bestimmt waren und daß die Ausläufer der Berge des Innviertels bis hier reichen, sie sind der Hausruck. Klingt schon fast wie Hunsrück.

Sie sagt auch, daß Aschach ein schönes Schloss hat, das würden sie aber hinter den Silos verstecken. Ja, die Silos der Futtermittelmarke Garanta sind mir beim herlaufen auch aufgefallen.

Wir haben dann einen Plan gemacht: Kein Fleisch essen, keine Tiere halten, kein Kraftfutter benötigen, Silos abreißen.

Sie meint, das dauert noch etwas. Schaun mer mal. Wär schon schöner ohne.

An der Promenade stehen die Leute an einer Eistheke geduldig Schlange. Alle anderen sind leer. Das ist Marktwirtschaft!

Ich selbst gehe in den Biergarten der „Sonne“.

Spargelsuppe.

Spargelspätzle – herrrrlich!

Und alles unter dem Segen der Dreifaltigkeit.

bzw. weiteren Heiligen.

Ach, Bilder vertauscht. Das untere soll eigentlich nach oben.

Was wohl das mit 78 Jahren verstorbene Fräulein Anna dazu sagen würde. Nächste Woche hat sie ihren Todestag.

10. Etappe Donauradweg Linz Aschach: 28 km.

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

42 Linz hat es in sich – Pausentag

Ich will heute etwas die Stadt erkunden und muß auch nochmal das Quartier wechseln. Erstmal ausschlafen und dann Frühstück à la Jugendherberge.

Ich habe durch diese Übernachtung jetzt auch einen Jugendherbergsausweis und muß noch fünf weitere Nächte so verbringen, dann bekomme ich alle Vorteile. Warum nicht, ich bin’s zufrieden.

Auf dem Weg in die Stadt gehe ich wieder einen anderen Weg, um alles zu sehen. Diesmal durch den Botanischen Garten.

Ich komme unter im Haus Waltraud – Frühstück zum selbst machen, Zimmer für 45€, das ist genau mein Ding auf dieser Reise.

Mal wieder eine Kostprobe zum Thema Schilder: Es wird gegendert, habe ich aber nur ein Mal so gesehen. Auch hier sage ich: warum nicht.

Die Stadt ist voll, Einkaufen ist angesagt.

Eigentlich habe ich keine Lust dazu.

Am Domplatz gibt’s noch immer den Klostermarkt und den Stand mit Klosterbier.

Und Käsespätzle.

Passend dazu gibt’s a zünftige Blosmusik von feschen Musikanten.

Da bleibe ich noch lange sitzen und genieße.

Ich wandere den ganzen Nachmittag durch die Stadt und finde immer wieder Interessantes, aber mein Handy hat keinen Saft mehr. Kurz vorher finde ich noch dieses mich vor dem Verhungern bewahrende Haus.

Linz an der Donau ist eine Stadt, die es in sich hat.

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

41 Auf in die Hauptstadt von OÖ Mauthausen – Linz (9. Etappe Donauradweg)

Die Sonne strahlt schon am frühen Morgen mit dem Hotelier um die Wette. Gestern war er noch so komisch und heute Ist er wie ausgewechselt.

Nach dem Frühstück und einem wichtigen Telefonat will ich direkt zur Gedenkstätte des ehemaligen KZ Mauthausen. Vorher muß ich noch diese Gefahrenzone überstehen.

Dann geht es steil den Berg hoch mit meinem Wagen, bis ich an diesem beklemmenden Ort bin. Was werden wohl die Häftlinge gedacht haben, als sie getrieben und eingepfercht und geprügelt hier ankamen und vielleicht kurz diesen Ausblick sahen. Im Angesicht des Todes hatten sie ganz sicher andere Sorgen, aber gerade die Idylle macht es nochmal surrealer als es ohnehin schon ist.

Die Ausstellung in der Gedenkstätte ist völlig anders als alle anderen, die ich bisher sah. Die Methoden zur Ermordung tausender Menschen – noch dazu in „gut erhaltenen Gebäuden“ möchte ich mir nicht ansehen. Die Fakten kenne ich von Buchenwald, Stutthof und Sachsenhausen.

Die Trauer und das Gedenken an die Opfer sind mir wichtiger. Allein durch dieses Tor zu schreiten ist absolut beklemmend.

Die Führungen – es sind fast nur Schulklassen und ein paar Radtouristen da- sind sehr gut gemacht. Ich höre mal hier mal da zu. Die Fragen werden sehr gut beantwortet, damit sich auch die Heranwachsenden tatsächlich ein sicheres Bild machen können.

Die Mahnmale und Gedenktafeln der Herkunftsländer der Opfer sind auch jedes auf seine Art aufrüttelnd.

Einzelne Tafeln, die auf schreckliche Tatorte hinweisen wie Todessteige, Steinbruch, Apellplatz erreichen mich bis tief hinein.

Ich rüste mich für meinen Lauf heute, der zwar nicht besonders lang wird aber warm und unübersichtlich von der Wegführung.

Die Ausschilderung ist in Oberösterreich schlechter als in Niederösterreich- jedenfalls in meine Richtung. Durch verschiedene Nebenarme und Hafen oder Industrieanlagen an der Donau, ist es nicht einfach und teils auch nicht möglich, am Ufer zu laufen.

Auch die Anwohner sind keine echte Hilfe, denn die wenigsten schlagen sich zu Fuß nach Linz durch. Alle geben gern Auskunft aber das stimmt oft nicht oder ist lückenhaft. So hole ich zig mal das Handy raus mit einer detaillierten Karte und überlege selbst, wie es weiter geht.

Ab und zu ein einzelnes Schild „Donauweg“ aber zweimal weist es auch den Weg nach Wien, also letztendlich falsche Richtung. Da muß ich wachsam sein und komme nicht in einen Laufrhythmus.

Es bleibt dabei bis ich, halb rum schon um Linz, endlich auf den rechten Pfad komme.

Die Skyline besteht aus Metall und Chemiewerken.

Der Weg über die Donaubrücke in die Stadt wird auch neu gestaltet, eine zweite Brücke wird gebaut, die haben viel vor, um alles zu verbessern.

Eine, die sich hier sehr gut auskennt, treffe ich mitten auf der Behelfsauffahrt für Räder. Sie verfolgt meinem Blog und erkennt mich deshalb. Eine ganz wunderbare Begegnung! Wir plaudern eine ganze Weile und haben unseren Spaß. Sie selbst ist auch schon weite Strecken gewandert und mit dem Rad gefahren, ist naturverbunden und hat einen grünen Daumen. Da haben wir viele gemeinsame Themen. Sie hat sogar angeboten, daß ich in ihren Ort kommen kann, wenn es mit der Unterkunft am Wochenende nicht klappt. Soo ist Oberösterreich!

Oben auf der Brücke brausen die Autos. Ich hätte auch noch bis zur nächsten, der Niebelungenbrücke laufen können, aber ich will schon hier in die Stadt. Man sieht sie jetzt von hier.

Die Unterkunft ist auch nicht einfach zu organisieren. Aber der Tipp von meiner neuesten Bekanntschaft – Jugendherberge – ist sehr gut, zumindest eine Nacht komme ich unter. Am Kustmuseum beginnt für mich die Innenstadt.

Die Schiffe liegen in Zweierreihe am Kai.

Am Hauptplatz gibt es erstmal ein Eis, damit ich auch den Berg zum Jugendgästehaus noch hochkomme.

Es ist sehr steil die Rosengasse hoch und zahlreiche katholische Einrichtungen samt Hochschule säumen den Weg.

Oben ist das Stadion des LASK (Fußballclub).

Und dann bin ich da. Klamotten waschen, raushängen solange die Sonne scheint.

Jetzt gibt es Resteessen, denn ich will das Gepäck verringern: Quinoa-Cups aus Deutschland, Butter aus Grein, Tee aus Georgien, Schokolade und Zucker aus Russland und – das Salz aus Polen von meiner Baltikumaktion vor zwei Jahren. Das hält sich Jahrhunderte und das schleppe ich eben die ganze Zeit mit rum.

Fertig für die Stadt, dann gehts wieder runter – aber mit dem Bus. Parallel zur Haupteinkaufsstraße gibt es hinter den Gasthöfen noch Biergärten, sehr schön.

Eine urige, gemütliche Stimmung – hier im Stiegel Gastgarten.

Aber es kommt keiner. Der Wirt guckt immer wieder in meine Richtung, hat aber wohl Tomaten auf den Augen. Seine Kollegen haben ihn auch schon angefranzt, weil Gäste nicht zu Ihrer Bestellung kommen.

OK, denn gehe ich zurück auf die Hauptstraße und kriege doch noch meine Spinatspätzle.

Satt gegessen, körperlich ganz entspannt lasse ich mich durch die Stadt treiben. Aus allen Kirchen dringt auffällig Musik.

Ich betrete die Karmeliter Kirche und es ist ein Gesangsgottesdienst im Gange mit moderner Gestaltung. Das ist zwar nicht so meins, aber ich bleibe, sie haben echt tolle Stimmen hier in einer tollen Stimmung.

Jetzt merke ich, was hier los ist: Linz – Lange Nacht der Kirchen! Auch die Martin Luther Kirche macht natürlich mit.

Auf dem Domplatz gibt es einen Klostermarkt. Einige der Klöster habe ich if meinem Weg ja auch schon gesehen.

Ich kaufe Klosterbier – für den guten Zweck. Im Dom werde ich überwältigt von einem Chorkonzert mit Illumination der Hochgotik.

Wow, die gregorianischen Gesänge wirken in dieser Halle richtig gut.

Ein toller Ausklang für diesen Tag, der eigentlich alles bereithielt, was das Gefühlsspektrum hergibt.

9. Etappe Donauradweg Mauthusen – Linz : 24 km

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

40 Langer Lauf Grein – Mauthausen (8. Etappe Donauradweg)

Mein Plan für heute: Entweder nur 20k bis Wallsee oder gleich durch bis Mauthausen, der letzten Station vor meinem Ziel für morgen – Linz. Dafür brauche ich ein kräftiges Frühstück. Gibt es – reichlich.

Bis zur Brücke bei km 3 kann ich mich nicht entscheiden, lang oder kurz.

Ich habe mehr gefrühstückt als sonst und die Knochen fühlen sich gut an. Also bleibe ich auf dieser Seite – noch 33 km bis Mauthausen.

Bei diesem Namen gefeiert einem kurz das Blut, wie bei der Autobahnabfahrt Dachau zwischen Stuttgart und München auch, kann ich hier an nichts anderes denken als die Naziverbrechen. Ich will versuchen, die Gedenkstätte zu besuchen.

Das Hochwasser ist ein Thema. Die Donau ist sehr voll aber nicht über die Ufer getreten.

Die Strecke soll heute suuuper langweilig sein, immer auf dem Deich lang und nichts zu sehen. Bisher ist das nicht so. Immer wieder ragen Felsen auf.

Eine Bahnlinie verläuft parallel.

Und bestimmt kommt gleich ein Zug. Da ist er schon.

Immer wieder kommen auch Radler. Die haben Rückenwind und es regnet auch nicht. Die Bedingungen sind nicht so schlecht.

Schloss Dornach.

Die Natur ist wild, wenn auch teils unter Wasser und die Autos sind den ganzen Tag weit weg, bisher keine Langeweile.

Eine Gegend , das Machland beginnt, die mit zig Millionen Euro dem Fluss zurück gegeben wird, dafür werden über 250 Höfe ausgesiedelt, 1000 weitere durch modernste Hochwasserschutzanlagen bewahrt.

Daß man nicht zu hoch gebaut hat, zeigt der Strich von 2002 – genau richtig.

Ansonsten sehr viel Natir und schöne Wildblumen.

Am nächsten Donaukraftwerk gibt es wieder eine Überfahrt für PKW und Radler nach Wallsee. Hier also könnte ich nochmal rüber und Pause machen. Aber mein Entschluss Mauthausen steht. Die Hälfte ist geschafft.

Es gibt einen Kiosk mit Eis und das ist jetzt genau die richtige Idee. Die Sonne kommt raus und ich nehme zwei Kugeln (2,80€ in der Pampa!j. Hier rasten auch Joana und ihre Radgruppe aus Tallahassie/ Florida.

Sie sind richtig gut drauf und machen gute Laune. Sie lieben Germany!!! – OK, das ist jetzt hier Österreich aber nehmen wir das mal nicht so genau. Erst macht sie alle verrückt, sie wollen weiter, dann müssen alle zurück – noch ein Foto!

Bin mal gespannt, ob Sie nochmal schreibt, sie hat meine Mailadresse.

Wenn jetzt nicht bald die langweilige Landschaft kommt, dann wird das nichts mehr. Jetzt fängt sie an: 12 km.

Ja, es zieht sich etwas aber weiterhin frischer Wind, nicht viel Sonne und irgendwie ist es auch schön, um die ganzen Erlebnisse zu verarbeiten.

Dieser Schilderwald bei Au/Donau weckt mich in meinem Trab. Sowas haben sie hier öfter. Das würde ich irgendwie neu ordnen.

Jetzt ist es gar nicht mehr soweit und es gibt ein sehr schönes Schild für die Gesamtstatistik: Über 200km bisher, noch 115 bis Passau und morgen eine leichte Etappe.

Mauthausen ist zuerst eine Industrie- und Hafenstadt. Hier haben sie halt die Maut kassiert. Viele weitere Schilder, auch unsinnige.

Dann kommen ein paar pittoreske Häuser.

Und dann entscheide ich mich als Unterkunft spontan für die Traube.

Mein Zimmer ist das in der Mitte, das mit der Traube.

Die Heizung geht nicht aber das sei wohl OK für nur 38€ heute. OK, was soll ich machen. Schnell wieder runter, die Küche hat noch offen vor der Mittagspause – Spinatknödel.

Nachdem ich mich etwas erholt habe von den 36 km heute, drehe ich nochmal eine Runde durch den Ort. Keine Spur von der Gedenkstätte. Kein Schild, das darauf hinweist. Das finde ich höchst eigenartig.

Die kleine Fähre kämpft sich durch das hohe Wasser.

Am Horizont sehe ich noch die schneebedeckten Alpen.

Ein einsamer Wanderer zieht vorbei.

Ich habe recherchiert, die Gedenkstätte des KZ hat morgen wieder offen und liegt halbwegs auf meinem Weg. Ich muß. nur einmal den Berg rauf. Das kriege ich hin.

Hier fehlen noch 2 km (kein Strom mehr auf der Uhr).

8. Etappe Donauradweg Grein – Mauthausen: 36 km

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach Hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

39 Laufen für das Leben mit Rosie: Ybbs – Grein (7. Etappe Donauradweg)

Ich habe mich heute auf einen langweiligen Lauf eingestellt, denn es sollte weiter regnen und die Landschaft gestern wurde eher umspannender. Doch es kommt ganz anders. Im Schaufenster des Fahrradmuseums sehe ich mich auf den ersten Metern.

Am Fluß kommt dann wieder ein Kraftwerk, ich hätte nicht gedacht, daß hier soviel Wasserkraft vorhanden ist.

So nach und nach kommen neue Hügelketten in Sicht, die Donau wird mehr eingeschnürt und schneller, das ist das Strudengau.

Auch die Radler sind heute zahlreich unterwegs, denn es regnet nicht so stark wie gestern und alle, die gewartet haben, wollen nun weiter. Eine wartet auf keinen Fall, denn die ist ganz anderes gewöhnt und sie läuft auch wie ich. Sie sieht aus wie Rosie Swale Pope, von der ich dieses Buch in Georgien erst gelesen habe: Mein längster Lauf.

Und was sagt sie: I am Rosie! Absolut unglaublich! In Ihrem Buch beschreibt sie die Umrundung der Erde in Laufschuhen auf über 20.000 Meilen innerhalb von 5 Jahren. Ihr Thema ist die Krebsvorsorge und die Unterstützung von Hilfsprojekten für Kinder.

Wir fallen uns direkt in die Arme, Läufer unter sich halt. Sie ist es wirklich und ich kann es kaum glauben.

Sie ist unglaublich quirlig und erklärt ihren Wagen und will auch alles über meinen Wagen wissen. Zwischendurch sagt sie immer wieder „wir müssen weiter, sonst werden wir kalt“.

In ihrem Camper schläft sie zumeist auch und hat darin alles mögliche, inklusive Computer, Solarpanel und andere schwere Sachen. Im Moment ist die 70jährige Waliserin unterwegs von London nach Katmandu in Nepal. Sie wird zwar zwischendurch einmal nachhause fliegen. Ansonsten aber läuft sie mit ihrem über 100 kg schweren Wagen über Wien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Moldavien, Uktaine, Georgien, Aserbaidschan, Kasachstan, Usbekistan, Kirgisien, dem Pamir-Highway und weiter.

https://www.facebook.com/rosieswalepope/

Dabei hatte sie erst letztes Jahr mit einem Bruch im Becken zu kämpfen.

Für das Foto halten wir Frank aus München an, der ursprünglich aus Würzburg ist. Ich erkläre ihm kurz, wen er vor sich hat und er reagiert blendend. Rosie erklärt Frank in ihrem reizenden Waliser Dialekt ihre Geschichte in atemberaubender Geschwindigkeit. Würde ich Ihr Buch nicht gelesene haben, hätte ich nur die Hälfte verstanden. Frank versteht schnell und ist auch ganz geflashed.

Rosie will weiter, im Moment läuft sie über 40 km pro Tag, sie ist ein Energiebündel und nicht zu stoppen! Everytime a good Run, dear Rosie, wherever you are, no matter what!

Vielleicht begleitet Frank sie noch ne Weile, er fährt ja auch Richtung Wien. Ich bin auf einer Wolke und schwebe jetzt an der trüben Donau entlang. Ich kann das immer noch nicht glauben, die Heldin Rosie getroffen zu haben. Die Hügel kommen immer näher und so manche Felsen ragen direkt am Weg steil auf. Von Langeweile kein Spur.

Das Wasser steigt momentan immer stärker an und strudelt stark.

Bei Grein setzt die Fähre eines privaten Vereins „d‘ Überfuhr“ zur Stadt über. Eine ganz tolle Sache, obwohl zwei km weiter eine Brücke besteht.

Und es ist ja auch ein kleines Abenteuer, bei dieser tückischen Strömung mit so einem kleinen Boot unterwegs zu sein.

Der Fährmann erklärt auf Nachfrage einiges, es gehört eine Menge Erfahrung und Geschick dazu.

In Grein haben die meisten Geschäfte Mittwochs nachmittags geschlossen.

Aber das ist nicht schlimm, ich brauche eigentlich nichts. Im Bioladen werde ich noch super bedient obwohl eigentlich schon zu wäre. In Marthas Pension kriege ich ein schönes Zimmer für 50€.

Die Stadt ist wie alle hier herausgeputzt, hoffen wir mal, daß nicht doch noch ein Hochwasser kommt.

Am Abend sitze ich im Schwarzen Rössle und kriege eine Tomatensuppe und eine große Portion Spaghetti. Meine Tischnachbarn Nathalie und Volkmar aus der Schweiz sind mit den Rad von der Quelle bis zur Mündung der Donau unterwegs. Jeden Tag 50-80 km – ambitioniert, aber sie packen das. Ursprünglich wollten sie monatelang wandern, bevor sie sich fürs Rad entschieden. Wir diskutieren. und philosophieren bis es dunkel ist.

Wir alle laufen für das Leben.

7. Etappe Donauradweg Ybbs – Grein : 24 km

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

38 Melk – Ybbs (6. Donauradweg)

Bisher kannte ich nur YPS – damals ein Kindermagazin. Heute weiß ich, die Stadt liegt an der Ybbs und an der Donau und ist auch schon über 700 Jahre alt. Das ist heute mein Ziel.

Beim Aufbruch in Melk bin ich gerade noch so rechtzeitig. Die Fahrgastschiffe rangieren gerade an den 10 Liegeplätzen ein und dann kommen die Gäste. Das sind deutlich mehr als in Koblenz, das bestimmt zehn mal so groß ist.

Ganz sicher wollen die zum Stift hoch, da ist dann auch genug Platz für alle. Früher breitete sich der Fluß bis direkt unterhalb des Stifts aus, das wurde mehrfach verändert. Hochwasser gibt es hier bis heute, das dritthöchste war 2002.

Die Donau schwillt durch die andauernden Regenfälle an den Nordalpen wieder an, ist aber alles OK bisher. Auch jetzt regnet es und es gibt bis auf ein paar Schnecken, die über den glatten Asphalt des Radwegs wechseln, nicht viel zu sehen. Hier ein Wasserkraftwerk.

Ich lasse mein Handy in der Tasche, denn durch den Regen würde es nicht besser.

Das einzig tolle Foto hätte ich mit Daniel machen können. Er ist seit 1. April im Ruhestand und wandert seit Anfang Mai ab Heidelberg. Dort wohnt er seit 1978, stammt aber aus Rumänien und besucht jetzt seine alte Heimat. Er kennt sich auch mit aggressiven Hunden aus (die machen ihm nichts). Wir unterhalten uns kurz, denn ihn drückt sein Rucksack und mir wird kalt. Er schafft jeden Tag 30-40 km und ist dafür 12 -14 Stunden unterwegs. Alles ganz ohne Druck und man sieht ihm die Entspannung an.

Die engeren schöneren Berghänge sind hier einer flacheren Lndschaft gewichen, dem Niebelungengäu, aber auch Mostviertel. Ich blicke da nicht ganz durch.

In Ybbs bin ich dann froh, angekommen zu sein. Zwischendurch habe ich den Lauf im Regen richtig genossen. Ich mußte kaum pausieren, es war schön frisch. Nur gegen Ende regnet es so stark und die Kräfte schwinden etwas. Ich nehme das zweite Hotel – Gasthof Mang. Der Babenberger Hof sah mir sehr edel aus, das muß vielleicht nicht sein.

Ich schaffe noch, vor 14 Ihr geduscht in der Gaststube zu sitzen.

Es gibt Suppe und Salat, die Eiernockerln kommen gleich.

Da sind sie.

Alle sind total nett, sie forschen auch für mich nach den Öffnungszeiten der Sauna im Hallenbad – Dienstags nur Frauen – und Massage hat auch keine geöffnet. Später sehe ich bei meinem Abendspazierganh doch noch eine Massge, Sie hätte mich auch drangenommen aber jetzt ist es zu spät.

Die Luft ist jetzt total klar und ich gehe nochmal runter an die Donau.

Der Ort wirkt etwas traurig bei diesem Wetter.

Dabei ist es hier im Sommer bestimmt schön.

Spätestens am 15 Juni, wenn die Gummistiefelparty steigt oder am 16. Juni, wenn der Sensenwettbewerb startet, ist die Stadt auf ihren fröhlicheren Beinen.

Ybbs ist reich geworden durch die Einnahme von Steuern auf der Donau, auch der Weinmaut.

Und das sieht man dem Stadtbild heute noch an.

6. Etappe Donauradweg: Melk – Ybbs, 27 km

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.