Heute möchte ich etwas kürzer treten, jeden Tag über 30 km sind eigentlich zu viel. Der Schlüssel ist auch ein früher Aufbruch und 2 Stunden davor Frühstück. Heimlich koche ich meinen Kaffee auf dem Gaskocher am offenen Fenster, denn das letzte, was ich gebrauchen könnte, wäre die Feuerwehr im Zimmer. Ich habe immer noch georgischen Kaffee, ganz fein gemahlen, der eigentlich in einem kleinen Töpfchen im heißen Sand gekocht wird…

Gleich auf dem ersten Kilometer treffe ich einen Läufer hier aus Neumarkt. Er sieht sehr sportlich aus, muß aber kürzer treten, weil er sich verletzt hat. So haben wir das gleiche Tempo und ich komme nicht gleich zu Beginn in einen trägen Schritt mit vielen Wanderpausen, den ich mir angewöhnt habe. Als er abbiegt bin ich um eine schöne Bekanntschaft reicher und der Anfang ist gemacht.

Die Landschaft am Kanal ist unverändert, eine 170 Jahre alte Säule zeigt die Kilometer an.

Aber es wird spannend, wenn man sich für Wasserwirtschaft interessiert. Offenbar habe ich die Wasserscheide erreicht, denn es kommen keine Schleusen mehr, dafür aber mehrere Tore die in beide Richtungen orientiert sind.

Das heißt, je nach Zulauf und Ablaß kann die Fließrichtung sich umkehren. Ich bin an dem höchsten Punkt des Kanals zwischen Schleuse 32 und 33.

Dieses Bild betrifft zwar den parallelen Main-Donau-Kanal, aber das Prinzip ist das gleiche.

Von hier an gehts bergab, egal wie lange es dauert, jeder dieser Tropfen Wasser landet irgendwann in der Nordsee. Bisher bin ich bergauf gelaufen und alles Wasser endete im Schwarzen Meer.

Diese Wsserregulierung auf dem höchsten Niveau nennt man Scheitelhaltung.

Was die Menschen hier erbaut haben, ist umfangreicher als man sieht. Nicht nur der Kanal an sich, die vielen Schleusen, Wehre, Umfluter und Ablässe mußten gebaut werden. Der Kanal ist auch teils erheblich über dem Landschaftsniveau gebaut. Das Dorf rechts liegt bestimmt 30 m tiefer als das Wasser.

Ein Stück weiter ist der Kanal tief ins Jura eingeschnitten, denn Wasser fließt ja nun mal nicht bergauf.

Eine lange Schäfertradition scheint es hier zu geben.

Und da sind sie auch zu hunderten und mähen mich an. Ich glaube ja, die singen!

Jetzt gibt es wieder Schleusen, undzwar in die andere Richtung, das Wasser fällt nach Norden.

Es sind von Kelheim bis Bamberg 100 Schleusen, die aber nur noch teils im Betrieb sind. Jede Schleuse hat ein Schleusenwärterhäuschen, heutzutage Kleinode am Wegesrand.

Blüte des Tages sollte erst diese hier werden.

Es sind diese hoch stehenden weißen Doldengewächse, ähnlich wie Dill. Dann aber sehe ich diesen Teppich von Milllionen zartester Blüten auf dem Kanal in cremeweiß.

Die Sandsteinsäule zeigt an: 20 km seit Neumarkt, 90 km seit Kelheim, noch 82 bis Bamberg und 24 bis Nürnberg.

Früher wurden die Schiffe hier entlang gezogen und ein Schiff, die Elfriede, ist auch erhalten. Sie heißt wie meine Großmutter hieß.

Meine Uhr geht aus und die Aufzeichnung wird abgebrochen. Mittels Powerbank starte ich sie neu und habe deshalb schon wieder zwei Teilstücke. Ich nutze die Pause und kümmere mich um ein Zimmer. Weit und breit alles ausgebucht. Ich muß doch wieder 30 km laufen bis Röthenbach kurz vor Wendelstein, da gibt es noch eins.

Eine Hundemeute kommt angesaust und ich habe kurz ein dejavu.

Ich treffe Eric, ein Läufer hier aus der Gegend, und wir laufen zusammen 6 km. Das hilft mir sehr und lenkt mich ab. Er ist nett und wir bleiben in Kontakt.

Der Kanal ist durch die Autobahn unterbrochen und es gibt ein paar kleine Tunnel.

Ansonsten unverändert schön, die Strecke. Endlich mal wieder ein paar Radler, die aus Nürnberg hier raus kommen.

Die letzte Schleuse für heute – Nummer 63.

Dann habe ich es geschafft. Das Hotel ist nicht attraktiv und der Ort an sich sehr klein. Aber ich bekomme „gutes fränkisches Essen“.

21. Etappe Donau+Kanal Neumarkt i.d.Opf. – Röthenbach (Wendelstein): 30 km

Veröffentlicht von langeguido

Ich bin Läufer, Magazinliebhaber und Laufblogger. 22.000 km lief ich schon in den letzten 9 Jahren. Zwei Blogs gibt es von mir: https://transkaukasien.com - 2019: Ein Abenteuer in Russland, Aserbaidschan, Georgien, Ukraine, Österreich zurück nach Deutschland + https://abenteuerbaltikum.com - Lauf 2017 : 2000 km entlang der Ostsee laufen, von Stralsund nach Tallinn / Helsinki I‘m a runner and I could tell some short stories about running. 22,000 k I ran in the last nine years. Two blogs I wrote: 2019 https://transkaukasien.com : Run and travel in Russia, Azerbaidshan, Georgia, Ucraine, Austria and back to Germany. 2017 https://abenteuerbaltikum.com : 2000 km along the Baltic Sea coast - Germany, Poland, Russia, Lituania, Latvia, Estonia, Finland.

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