Ich hatte vorgesorgt: Gestern schon 30 km gelaufen – dafür heute nur 27, Wecker gestellt und früher gefrühstückt weil es warm werden soll. Also alles bestens und so läßt sich der Tag gut an. Erst kurz vor 10 Uhr komme ich los, weil ich mich mit Martin und seiner Frau aus Katwijk an Zee (Holland) verquatscht habe. Sie haben im Ruhestand schon fast ganz Europa mit dem Rad erkundet und sind seit zwei Wochen von Katwijk bis hier her unterwegs (1.500 km) – wollen noch bis Constanta in Rumänien ans Schwarze Meer.

Das erste was ich sehe ist Österreichs einziges Atomkraftwerk, was aber nie ans Netz ging. Davor eine Hütte, als würde sich dahinter der wilde Kaiser erheben. Es ist eine Jausenstation für Radler. Süß.

Dann Österreichs größtes Wasserkraftwerk. Eine Horde Radler macht Station.

Jede Menge Power hier.

Die kann ich auch gebrauchen, denn es ist schon warm und der Weg geht schnurgerade.

Ich kreuze auf die andere Seite der Donau und bin mir wegen einer Menge Verbotsschilder lange nicht sicher: Doch, die Kraftwerksmauer ist auch der Übergang.

Auf der anderen Seite des Krftwerks sind Resi und Markus mit den Kindern beschäftigt, die wollen nicht einfach nur im Croozer sitzen. Sie radeln eine Weile neben mir her, was eine schöne Abwechslung ist.

Dann zieht sich der schnurgerade Donaudeich und es wird wärmer und wärmer. Immerhin – in der Ferne sieht man die Wachau, eine abwechslungsreichere unter UNESCO Schutz stehende Region mit Weinanbau.

Gegenüber auf dem Berg ist das Benediktinerstift Göttweig.

Wenn diese Landschaft hinter Krems beginnt, ist es nicht mehr so langweilig. Die Langeweile ist aber plötzlich vorbei, als der Weg wegschwenkt von der Donau, es geht durch einen Auenwald und dann kommen mehrmals große Schilder „Achtung , geänderte Radwegführung“. Ja das ist OK, aber wohin soll ich denn laufen. Mir fehlen da ein paar Pfeile. Auf der Umleitungsstrecke ist auch noch gesperrt und ich soll nochmal anders und wieder Richtung Kraftwerk laufen. Das törnt mich total ab. Ich hole zig mal mein Handy aus der Tasche um irgendwie selber was zu überlegen und die Leute wissen es auch nicht. Es kommen auch schon länger keine Radler mehr entgegen – ein ganz schlechtes Zeichen. Dann wieder bin ich doch richtig aber die Ausschilderung bleibt absolut mangelhaft. Das deprimiert mich und demotiviert mich. Ich wandere fast nur noch und muß mich durch Industriegebiete mit Autostaus schlagen. Ich beiße mich durch, aus 26 km werden 31 km. Was für Radler schon nicht lustig ist, wird für Läufer zum Lottospiel. Schilder kommen nur, wenn es eindeutig geradeaus geht, aber bei Abzweigen fehlen sie.

Selbst im Krems ist mir dauernd dieser Hafen

und später die Schnellstraße im Weg, kein Hinweis auf Brücken oder Tunnel.

Daß die Stadt größer ist, heißt nicht, daß sie schöner ist.

Ich kann das nicht glauben. Zweihundert Meter vor dem Zentrum kein Hinweis, nur dieser Schrotthandel.

Ich spreche die Leute darauf an und die sagen, ja dahinter ist es, ich soll nur weiter zugehen. Dann sehe ich zwar das Schild Zentrum, aber auch das Schild Hallenbad und ich beschließe, die Sauna vorzuziehen. Das Gebäude ist von außen potthässlich aber innen alles super.

Großes Thema in der Sauna heute: geblitzt werden. Jeder hat eine Geschichte beizutragen, keiner war Schuld an seiner Grschwindigkeitsübertretung aber alle mußten schließlich zahlen. S‘ Radarkistl ist Schuld. Herrlich unterhaltsam.

Die Frauen stoßen mit Kupferberg GOLD an und essen Cracker und Nüsse. Auch sie sind bester Dinge. Wenn ich bedenke, daß ich keine einzige russische Sauna (Banja) gefunden habe und auch die Hamam in Aserbaidschan alle geschlossen waren, so bin ich hier echt im Paradies. 3x Sauna in vier Tagen. Das entspannt Muskeln und Sehnen, sehr gut.

Ich sauniere und stelle fest, daß die Jugendherberge, bei der ich schon dreimal angerufen habe, erst heute Abend öffnet. Na dann paßt sich alles. Auf dem Weg dahin wird die Stadt etwas schöner.

Aber Kaufladen hat nur vormittags offen,

in Kaukasien haben solche Läden 24/7 offen. Man kann nicht alles haben.

Die Jugendherberge hat gerade per Telefon das letzter Zimmer vergeben. Gut daß ich heute paar mal angerufen habe. Er verweist mich an die Post und jetzt gehts aufwärts:

Das Hotel ist derart verplüscht – da paßt meine Tasche eigentlich gar nicht rein.

aber für 42€ inklusive Frühstück absolut OK.

Sie wollten es halt richtig schön machen.

Das Hotel liegt in der historischen Altstadt, die dann doch alles hat: Pittoreske Fassaden, schmucke Türme und Tore, historische Stadmauer – alles!

Ich kenne keine Stadt, die ihre Altstadt derart vor den Besuchern versteckt. Jetzt gibt’s nur eins, ab ins Brauhaus an der Ecke und ein paar zünftige Käsespätzle.

3. Etappe: Zwentendorf -Krems 31 km

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

Veröffentlicht von langeguido

Ich bin Läufer, Magazinliebhaber und Laufblogger. Ich laufe regelmäßig seit 2011 und erlebe dabei viel. Zwei Blogs gibt es von mir: https://transkaukasien.com - Frühjahr 2019: Ein Abenteuer, von Baku über Tiflis nach Poti zu laufen - Aserbaidschan + Georgien - vom kaspischen meer zum Schwarzen Meer, und https://abenteuerbaltikum.com - Lauf 2017 : 2000 km entlang der Ostsee laufen, von Stralsund nach Tallinn / Helsinki I‘m a runner and I could tell some short stories about running. In 2019 I run from Caspian Sea to the Black Sea, from Baku to Tiflis to Poti - Azerbaidshan ans Georgia. 2017 I ran 2000 km along the Baltic Sea coast - Germany, Poland, Russia, Lituania, Latvia, Estonia, Finland.

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8 Kommentare

  1. Du bist echt flott unterwegs, dazu noch die Distanzen! Hammer.
    Die Fotos gewähren wieder schöne Einblicke und beim Weg suchen leidet man echt mit. Liebe Grüße!

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    1. Oh Danke, ja das kann ich gebrauchen, liebe Marianne.
      Mit der heutigen Etappe bis nach Melk mache ich morgen einen Pausentag. Ich brauche dringend eine Massage und mehr Kohlehydrate. Bin froh, soweit gekommen zu sein und hier „am Land“ lernt man doch sehr gut Österreich kennen.
      Herzlicher Gruß und allzeit eine paar schöne Kilometer unterm Laufschuh!

      Gefällt 1 Person

      1. Wenn ich Dich lese, denke ich immer, ich könnte jetzt auch endlich mal darüber bloggen, wie ich mit meinem Megamarschrtraining vorankomme. Dabei sehe ich ja auch allerhand aus der Gegend, fotografiere viel und könnte berichten. Aber dann … ist es sooo viel gemütlicher, bei Dir mitzulesen. 🙂
        Herzlich grüßt Dich
        Marianne

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      2. Toll, aber mach doch beides, liebe Marianne. Der Auftaktbeitrag dazu war doch super und ich les auch gern was, wenn ich geduscht bin und die Kässpätzle in Angriff genommen habe.
        Herzlicher Gruß!

        Gefällt 1 Person

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