Mein Hostel ist nicht so doll, aber billig. So suche ich schnell das Weite und mache erst die Pflicht und dann die Kür: Im Fährbüro hole ich mein eigentliches Ticket ab. Schade daß ich den Zirkus in diesem Büro nicht irgendwie festhalten kann: Eine Chefin und zwei Kollegen sitzen in einem Büro und sprechen durcheinander, die Tür ist mit einem Klappbrett versperrt, das ist der Schalter. Sie spricht in enormen Tempo mal ins Telefon, mal zum einen mal zu anderen Kollegen und dann noch mit einer Kollegin weiter hinten im Raum, teils auch parallel. Die anderen beiden telefonieren auch parallel und rufen sich untereinander noch was zu. Unglaublich – dieser Schalldruck. Nun bin ich dran und einer junger Mann erklärt was auf englisch, ich kann das einfach nicht verstehen, weil es so laut ist und sage ihm das. Und er stöhnt: „Ja, ich weiß“. Was er mir sagen wollte: Sonntag früh nochmal anrufen, um die exakte Abfahrtszeit zu erfragen. Dann einkaufen: Marmelade, Kaffeepulver, Zahnpasta und Joghurt. Nun wollte ich noch Shoti Brot kaufen, das echte georgische Brot aber unterwegs lacht mich dieser Bäckerladen an, an dem ich früher wegen Unauffälligkeit vorbei geschlurft wäre.

Die haben ganz gutes Brot, ich darf den Laden fotografieren.

Nun die Kür: Laufen – erst Richtung Industriehafen

dann an der Promenade entlang.

Es regnet und ich laß das Handy zuhause, habe aber nun keine Fotos. Speziell vom Ende der Promenade, kurz vor dem Flughafen kommen bombastische Neubauten mit bis zu 50 Stockwerken! Die will ich nun morgen aufnehmen.

Duschen, was essen und dann kommt sogar die Sonne raus.

Ich kann richtig tolle Fotos machen auch wenn die Berge heute fehlen.

vom Yachthafen nebst Anglern,

Stadtpanorama nebst Riesenrad,

einer Skulptur von zwei Menschen nebst Kuss, denn die beiden bewegen sich langsam aufeinander zu und dann ist es soweit.

Und das Meer ist ja so schön, heute mit leichten Kräuseln.

Es gibt leckeres Eis in einer edleren Strandbude.

Die Pavillons am Meer sind noch im Aufbau, die Saison hat noch nicht so richtig begonnen.

Die Hecken sind schon frisiert.

Die Stadt ist schöner als ich zunächst dachte. Mal sieht sie aus wie little Bangkok mit tausend und einem Massagesalon (dürfte alles Erotikmassage sein),

mal wie Baden Baden,

mal wie in der Schweiz

oder Monte Carlo.

Sie haben viele Kirchen in der Stadt. Heute mit langer Hose darf ich rein und fotografiere, nachdem meine Vorbilder – die Russen – auch wieder die gesamte Einrichtung auf ihrem Handy archivieren.

Ich sitze eine Weile auf einer kleinen Bank und lasse Ruhe einkehren und spende natürlich.

So treibe ich durch die Stadt und finde einen Herrensalon. Der Besitzer raucht und trinkt Kaffee, ich laß ihn erst aufrauchen – drinnen gähnende Leere.

Dann trete ich näher. Ich glaube nicht, daß ihn mein Spruch, der noch in jedem Land für Heiterkeit gesorgt hat, interessiert: I’d like to look more beautiful and younger than before. OK, eigentlich könnt ich es lassen, aber das ist nicht meine Art: Я хотел смотреть красивее и моложе. Nix. Wir sprechen nichts. Nebenbei telefoniert er mehrfach auf laut und diskutiert mit einem Freund, der am Eingang herumlungert. Er macht seine Sache gut und routiniert. Fertig. Vorerst.

Währenddessen hatte ich mir überlegt, daß heute der Tag ist: Einmal im Leben wollte ich mich beim Barbier rasieren lassen und heute scheint mir die Gelegenheit. Ich sage, bitte auch rasieren, Augenbrauen und Bart schneiden und er legt los.

Allein das Einschäumen! Ich nehme gewöhnlich etwas Shampoo, zweimal hin und her und dann den Rasierer. Er macht hier richtig Sahne!

Geht alles gut, obwohl er sich über etwas aufregt, was sein Kumpel sagt. Dann flammt er mit dem Feuerzeug die Ohren ab bis sie glühen und steckt mit zwei Wattestäbchen mit einer Art Teer fest in die Ohren – wow, die sitzen aber fest. Entscheidet die Augenbrauen und dann wir er doch wohl nicht – genau: Mit einem heftige Ruck reißt er die Stäbchen wieder raus und guckt kurz, ob denn da alle Haare dran sind. Also für einen Teil reicht das so. Jetzt noch mit etwas Benzin das Kinn abbeizen und Kleber in die Haare. Batumi: Wind, Regen- die Frisur sitzt! Ich bin ein neuer Mensch für 10,50€.

Jetzt brauche ich eine Stärkung und setzte mich in eine Kneipe mit Fußball. Sie bringen im russischen Fernsehen die Wiederholung des Spiels Frankfurt – Chelsea, das gucke ich mir an und trinke Bier.

Auch Abends ist es schön, für bunte Licher haben sie was übrig hier.

Veröffentlicht von langeguido

Ich bin Läufer, Magazinliebhaber und Laufblogger. 22.000 km lief ich schon in den letzten 9 Jahren. Zwei Blogs gibt es von mir: https://transkaukasien.com - 2019: Ein Abenteuer in Russland, Aserbaidschan, Georgien, Ukraine, Österreich zurück nach Deutschland + https://abenteuerbaltikum.com - Lauf 2017 : 2000 km entlang der Ostsee laufen, von Stralsund nach Tallinn / Helsinki I‘m a runner and I could tell some short stories about running. 22,000 k I ran in the last nine years. Two blogs I wrote: 2019 https://transkaukasien.com : Run and travel in Russia, Azerbaidshan, Georgia, Ucraine, Austria and back to Germany. 2017 https://abenteuerbaltikum.com : 2000 km along the Baltic Sea coast - Germany, Poland, Russia, Lituania, Latvia, Estonia, Finland.

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2 Kommentare

    1. Allerdings, als Mann geht das ja, immer irgendwo zum Friseur gehen und abwarten, was passiert, mit Glück ist Abenteuer dabei. Herzlicher Gruß, Guido

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