42 Linz hat es in sich – Pausentag

Ich will heute etwas die Stadt erkunden und muß auch nochmal das Quartier wechseln. Erstmal ausschlafen und dann Frühstück à la Jugendherberge.

Ich habe durch diese Übernachtung jetzt auch einen Jugendherbergsausweis und muß noch fünf weitere Nächte so verbringen, dann bekomme ich alle Vorteile. Warum nicht, ich bin’s zufrieden.

Auf dem Weg in die Stadt gehe ich wieder einen anderen Weg, um alles zu sehen. Diesmal durch den Botanischen Garten.

Ich komme unter im Haus Waltraud – Frühstück zum selbst machen, Zimmer für 45€, das ist genau mein Ding auf dieser Reise.

Mal wieder eine Kostprobe zum Thema Schilder: Es wird gegendert, habe ich aber nur ein Mal so gesehen. Auch hier sage ich: warum nicht.

Die Stadt ist voll, Einkaufen ist angesagt.

Eigentlich habe ich keine Lust dazu.

Am Domplatz gibt’s noch immer den Klostermarkt und den Stand mit Klosterbier.

Und Käsespätzle.

Passend dazu gibt’s a zünftige Blosmusik von feschen Musikanten.

Da bleibe ich noch lange sitzen und genieße.

Ich wandere den ganzen Nachmittag durch die Stadt und finde immer wieder Interessantes, aber mein Handy hat keinen Saft mehr. Kurz vorher finde ich noch dieses mich vor dem Verhungern bewahrende Haus.

Linz an der Donau ist eine Stadt, die es in sich hat.

41 Auf in die Hauptstadt von OÖ Mauthausen – Linz (9. Etappe Donauradweg)

Die Sonne strahlt schon am frühen Morgen mit dem Hotelier um die Wette. Gestern war er noch so komisch und heute Ist er wie ausgewechselt.

Nach dem Frühstück und einem wichtigen Telefonat will ich direkt zur Gedenkstätte des ehemaligen KZ Mauthausen. Vorher muß ich noch diese Gefahrenzone überstehen.

Dann geht es steil den Berg hoch mit meinem Wagen, bis ich an diesem beklemmenden Ort bin. Was werden wohl die Häftlinge gedacht haben, als sie getrieben und eingepfercht und geprügelt hier ankamen und vielleicht kurz diesen Ausblick sahen. Im Angesicht des Todes hatten sie ganz sicher andere Sorgen, aber gerade die Idylle macht es nochmal surrealer als es ohnehin schon ist.

Die Ausstellung in der Gedenkstätte ist völlig anders als alle anderen, die ich bisher sah. Die Methoden zur Ermordung tausender Menschen – noch dazu in „gut erhaltenen Gebäuden“ möchte ich mir nicht ansehen. Die Fakten kenne ich von Buchenwald, Stutthof und Sachsenhausen.

Die Trauer und das Gedenken an die Opfer sind mir wichtiger. Allein durch dieses Tor zu schreiten ist absolut beklemmend.

Die Führungen – es sind fast nur Schulklassen und ein paar Radtouristen da- sind sehr gut gemacht. Ich höre mal hier mal da zu. Die Fragen werden sehr gut beantwortet, damit sich auch die Heranwachsenden tatsächlich ein sicheres Bild machen können.

Die Mahnmale und Gedenktafeln der Herkunftsländer der Opfer sind auch jedes auf seine Art aufrüttelnd.

Einzelne Tafeln, die auf schreckliche Tatorte hinweisen wie Todessteige, Steinbruch, Apellplatz erreichen mich bis tief hinein.

Ich rüste mich für meinen Lauf heute, der zwar nicht besonders lang wird aber warm und unübersichtlich von der Wegführung.

Die Ausschilderung ist in Oberösterreich schlechter als in Niederösterreich- jedenfalls in meine Richtung. Durch verschiedene Nebenarme und Hafen oder Industrieanlagen an der Donau, ist es nicht einfach und teils auch nicht möglich, am Ufer zu laufen.

Auch die Anwohner sind keine echte Hilfe, denn die wenigsten schlagen sich zu Fuß nach Linz durch. Alle geben gern Auskunft aber das stimmt oft nicht oder ist lückenhaft. So hole ich zig mal das Handy raus mit einer detaillierten Karte und überlege selbst, wie es weiter geht.

Ab und zu ein einzelnes Schild „Donauweg“ aber zweimal weist es auch den Weg nach Wien, also letztendlich falsche Richtung. Da muß ich wachsam sein und komme nicht in einen Laufrhythmus.

Es bleibt dabei bis ich, halb rum schon um Linz, endlich auf den rechten Pfad komme.

Die Skyline besteht aus Metall und Chemiewerken.

Der Weg über die Donaubrücke in die Stadt wird auch neu gestaltet, eine zweite Brücke wird gebaut, die haben viel vor, um alles zu verbessern.

Eine, die sich hier sehr gut auskennt, treffe ich mitten auf der Behelfsauffahrt für Räder. Sie verfolgt meinem Blog und erkennt mich deshalb. Eine ganz wunderbare Begegnung! Wir plaudern eine ganze Weile und haben unseren Spaß. Sie selbst ist auch schon weite Strecken gewandert und mit dem Rad gefahren, ist naturverbunden und hat einen grünen Daumen. Da haben wir viele gemeinsame Themen. Sie hat sogar angeboten, daß ich in ihren Ort kommen kann, wenn es mit der Unterkunft am Wochenende nicht klappt. Soo ist Oberösterreich!

Oben auf der Brücke brausen die Autos. Ich hätte auch noch bis zur nächsten, der Niebelungenbrücke laufen können, aber ich will schon hier in die Stadt. Man sieht sie jetzt von hier.

Die Unterkunft ist auch nicht einfach zu organisieren. Aber der Tipp von meiner neuesten Bekanntschaft – Jugendherberge – ist sehr gut, zumindest eine Nacht komme ich unter. Am Kustmuseum beginnt für mich die Innenstadt.

Die Schiffe liegen in Zweierreihe am Kai.

Am Hauptplatz gibt es erstmal ein Eis, damit ich auch den Berg zum Jugendgästehaus noch hochkomme.

Es ist sehr steil die Rosengasse hoch und zahlreiche katholische Einrichtungen samt Hochschule säumen den Weg.

Oben ist das Stadion des LASK (Fußballclub).

Und dann bin ich da. Klamotten waschen, raushängen solange die Sonne scheint.

Jetzt gibt es Resteessen, denn ich will das Gepäck verringern: Quinoa-Cups aus Deutschland, Butter aus Grein, Tee aus Georgien, Schokolade und Zucker aus Russland und – das Salz aus Polen von meiner Baltikumaktion vor zwei Jahren. Das hält sich Jahrhunderte und das schleppe ich eben die ganze Zeit mit rum.

Fertig für die Stadt, dann gehts wieder runter – aber mit dem Bus. Parallel zur Haupteinkaufsstraße gibt es hinter den Gasthöfen noch Biergärten, sehr schön.

Eine urige, gemütliche Stimmung – hier im Stiegel Gastgarten.

Aber es kommt keiner. Der Wirt guckt immer wieder in meine Richtung, hat aber wohl Tomaten auf den Augen. Seine Kollegen haben ihn auch schon angefranzt, weil Gäste nicht zu Ihrer Bestellung kommen.

OK, denn gehe ich zurück auf die Hauptstraße und kriege doch noch meine Spinatspätzle.

Satt gegessen, körperlich ganz entspannt lasse ich mich durch die Stadt treiben. Aus allen Kirchen dringt auffällig Musik.

Ich betrete die Karmeliter Kirche und es ist ein Gesangsgottesdienst im Gange mit moderner Gestaltung. Das ist zwar nicht so meins, aber ich bleibe, sie haben echt tolle Stimmen hier in einer tollen Stimmung.

Jetzt merke ich, was hier los ist: Linz – Lange Nacht der Kirchen! Auch die Martin Luther Kirche macht natürlich mit.

Auf dem Domplatz gibt es einen Klostermarkt. Einige der Klöster habe ich if meinem Weg ja auch schon gesehen.

Ich kaufe Klosterbier – für den guten Zweck. Im Dom werde ich überwältigt von einem Chorkonzert mit Illumination der Hochgotik.

Wow, die gregorianischen Gesänge wirken in dieser Halle richtig gut.

Ein toller Ausklang für diesen Tag, der eigentlich alles bereithielt, was das Gefühlsspektrum hergibt.

9. Etappe Donauradweg Mauthusen – Linz : 24 km

40 Langer Lauf Grein – Mauthausen (8. Etappe Donauradweg)

Mein Plan für heute: Entweder nur 20k bis Wallsee oder gleich durch bis Mauthausen, der letzten Station vor meinem Ziel für morgen – Linz. Dafür brauche ich ein kräftiges Frühstück. Gibt es – reichlich.

Bis zur Brücke bei km 3 kann ich mich nicht entscheiden, lang oder kurz.

Ich habe mehr gefrühstückt als sonst und die Knochen fühlen sich gut an. Also bleibe ich auf dieser Seite – noch 33 km bis Mauthausen.

Bei diesem Namen gefeiert einem kurz das Blut, wie bei der Autobahnabfahrt Dachau zwischen Stuttgart und München auch, kann ich hier an nichts anderes denken als die Naziverbrechen. Ich will versuchen, die Gedenkstätte zu besuchen.

Das Hochwasser ist ein Thema. Die Donau ist sehr voll aber nicht über die Ufer getreten.

Die Strecke soll heute suuuper langweilig sein, immer auf dem Deich lang und nichts zu sehen. Bisher ist das nicht so. Immer wieder ragen Felsen auf.

Eine Bahnlinie verläuft parallel.

Und bestimmt kommt gleich ein Zug. Da ist er schon.

Immer wieder kommen auch Radler. Die haben Rückenwind und es regnet auch nicht. Die Bedingungen sind nicht so schlecht.

Schloss Dornach.

Die Natur ist wild, wenn auch teils unter Wasser und die Autos sind den ganzen Tag weit weg, bisher keine Langeweile.

Eine Gegend , das Machland beginnt, die mit zig Millionen Euro dem Fluss zurück gegeben wird, dafür werden über 250 Höfe ausgesiedelt, 1000 weitere durch modernste Hochwasserschutzanlagen bewahrt.

Daß man nicht zu hoch gebaut hat, zeigt der Strich von 2002 – genau richtig.

Ansonsten sehr viel Natir und schöne Wildblumen.

Am nächsten Donaukraftwerk gibt es wieder eine Überfahrt für PKW und Radler nach Wallsee. Hier also könnte ich nochmal rüber und Pause machen. Aber mein Entschluss Mauthausen steht. Die Hälfte ist geschafft.

Es gibt einen Kiosk mit Eis und das ist jetzt genau die richtige Idee. Die Sonne kommt raus und ich nehme zwei Kugeln (2,80€ in der Pampa!j. Hier rasten auch Joana und ihre Radgruppe aus Tallahassie/ Florida.

Sie sind richtig gut drauf und machen gute Laune. Sie lieben Germany!!! – OK, das ist jetzt hier Österreich aber nehmen wir das mal nicht so genau. Erst macht sie alle verrückt, sie wollen weiter, dann müssen alle zurück – noch ein Foto!

Bin mal gespannt, ob Sie nochmal schreibt, sie hat meine Mailadresse.

Wenn jetzt nicht bald die langweilige Landschaft kommt, dann wird das nichts mehr. Jetzt fängt sie an: 12 km.

Ja, es zieht sich etwas aber weiterhin frischer Wind, nicht viel Sonne und irgendwie ist es auch schön, um die ganzen Erlebnisse zu verarbeiten.

Dieser Schilderwald bei Au/Donau weckt mich in meinem Trab. Sowas haben sie hier öfter. Das würde ich irgendwie neu ordnen.

Jetzt ist es gar nicht mehr soweit und es gibt ein sehr schönes Schild für die Gesamtstatistik: Über 200km bisher, noch 115 bis Passau und morgen eine leichte Etappe.

Mauthausen ist zuerst eine Industrie- und Hafenstadt. Hier haben sie halt die Maut kassiert. Viele weitere Schilder, auch unsinnige.

Dann kommen ein paar pittoreske Häuser.

Und dann entscheide ich mich als Unterkunft spontan für die Traube.

Mein Zimmer ist das in der Mitte, das mit der Traube.

Die Heizung geht nicht aber das sei wohl OK für nur 38€ heute. OK, was soll ich machen. Schnell wieder runter, die Küche hat noch offen vor der Mittagspause – Spinatknödel.

Nachdem ich mich etwas erholt habe von den 36 km heute, drehe ich nochmal eine Runde durch den Ort. Keine Spur von der Gedenkstätte. Kein Schild, das darauf hinweist. Das finde ich höchst eigenartig.

Die kleine Fähre kämpft sich durch das hohe Wasser.

Am Horizont sehe ich noch die schneebedeckten Alpen.

Ein einsamer Wanderer zieht vorbei.

Ich habe recherchiert, die Gedenkstätte des KZ hat morgen wieder offen und liegt halbwegs auf meinem Weg. Ich muß. nur einmal den Berg rauf. Das kriege ich hin.

Hier fehlen noch 2 km (kein Strom mehr auf der Uhr).

8. Etappe Donauradweg Grein – Mauthausen: 36 km

39 Laufen für das Leben mit Rosie: Ybbs – Grein (7. Etappe Donauradweg)

Ich habe mich heute auf einen langweiligen Lauf eingestellt, denn es sollte weiter regnen und die Landschaft gestern wurde eher umspannender. Doch es kommt ganz anders. Im Schaufenster des Fahrradmuseums sehe ich mich auf den ersten Metern.

Am Fluß kommt dann wieder ein Kraftwerk, ich hätte nicht gedacht, daß hier soviel Wasserkraft vorhanden ist.

So nach und nach kommen neue Hügelketten in Sicht, die Donau wird mehr eingeschnürt und schneller, das ist das Strudengau.

Auch die Radler sind heute zahlreich unterwegs, denn es regnet nicht so stark wie gestern und alle, die gewartet haben, wollen nun weiter. Eine wartet auf keinen Fall, denn die ist ganz anderes gewöhnt und sie läuft auch wie ich. Sie sieht aus wie Rosie Swale Pope, von der ich dieses Buch in Georgien erst gelesen habe: Mein längster Lauf.

Und was sagt sie: I am Rosie! Absolut unglaublich! In Ihrem Buch beschreibt sie die Umrundung der Erde in Laufschuhen auf über 20.000 Meilen innerhalb von 5 Jahren. Ihr Thema ist die Krebsvorsorge und die Unterstützung von Hilfsprojekten für Kinder.

Wir fallen uns direkt in die Arme, Läufer unter sich halt. Sie ist es wirklich und ich kann es kaum glauben.

Sie ist unglaublich quirlig und erklärt ihren Wagen und will auch alles über meinen Wagen wissen. Zwischendurch sagt sie immer wieder „wir müssen weiter, sonst werden wir kalt“.

In ihrem Camper schläft sie zumeist auch und hat darin alles mögliche, inklusive Computer, Solarpanel und andere schwere Sachen. Im Moment ist die 70jährige Waliserin unterwegs von London nach Katmandu in Nepal. Sie wird zwar zwischendurch einmal nachhause fliegen. Ansonsten aber läuft sie mit ihrem über 100 kg schweren Wagen über Wien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Moldavien, Uktaine, Georgien, Aserbaidschan, Kasachstan, Usbekistan, Kirgisien, dem Pamir-Highway und weiter.

https://www.facebook.com/rosieswalepope/

Dabei hatte sie erst letztes Jahr mit einem Bruch im Becken zu kämpfen.

Für das Foto halten wir Frank aus München an, der ursprünglich aus Würzburg ist. Ich erkläre ihm kurz, wen er vor sich hat und er reagiert blendend. Rosie erklärt Frank in ihrem reizenden Waliser Dialekt ihre Geschichte in atemberaubender Geschwindigkeit. Würde ich Ihr Buch nicht gelesene haben, hätte ich nur die Hälfte verstanden. Frank versteht schnell und ist auch ganz geflashed.

Rosie will weiter, im Moment läuft sie über 40 km pro Tag, sie ist ein Energiebündel und nicht zu stoppen! Everytime a good Run, dear Rosie, wherever you are, no matter what!

Vielleicht begleitet Frank sie noch ne Weile, er fährt ja auch Richtung Wien. Ich bin auf einer Wolke und schwebe jetzt an der trüben Donau entlang. Ich kann das immer noch nicht glauben, die Heldin Rosie getroffen zu haben. Die Hügel kommen immer näher und so manche Felsen ragen direkt am Weg steil auf. Von Langeweile kein Spur.

Das Wasser steigt momentan immer stärker an und strudelt stark.

Bei Grein setzt die Fähre eines privaten Vereins „d‘ Überfuhr“ zur Stadt über. Eine ganz tolle Sache, obwohl zwei km weiter eine Brücke besteht.

Und es ist ja auch ein kleines Abenteuer, bei dieser tückischen Strömung mit so einem kleinen Boot unterwegs zu sein.

Der Fährmann erklärt auf Nachfrage einiges, es gehört eine Menge Erfahrung und Geschick dazu.

In Grein haben die meisten Geschäfte Mittwochs nachmittags geschlossen.

Aber das ist nicht schlimm, ich brauche eigentlich nichts. Im Bioladen werde ich noch super bedient obwohl eigentlich schon zu wäre. In Marthas Pension kriege ich ein schönes Zimmer für 50€.

Die Stadt ist wie alle hier herausgeputzt, hoffen wir mal, daß nicht doch noch ein Hochwasser kommt.

Am Abend sitze ich im Schwarzen Rössle und kriege eine Tomatensuppe und eine große Portion Spaghetti. Meine Tischnachbarn Nathalie und Volkmar aus der Schweiz sind mit den Rad von der Quelle bis zur Mündung der Donau unterwegs. Jeden Tag 50-80 km – ambitioniert, aber sie packen das. Ursprünglich wollten sie monatelang wandern, bevor sie sich fürs Rad entschieden. Wir diskutieren. und philosophieren bis es dunkel ist.

Wir alle laufen für das Leben.

7. Etappe Donauradweg Ybbs – Grein : 24 km

38 Melk – Ybbs (6. Donauradweg)

Bisher kannte ich nur YPS – damals ein Kindermagazin. Heute weiß ich, die Stadt liegt an der Ybbs und an der Donau und ist auch schon über 700 Jahre alt. Das ist heute mein Ziel.

Beim Aufbruch in Melk bin ich gerade noch so rechtzeitig. Die Fahrgastschiffe rangieren gerade an den 10 Liegeplätzen ein und dann kommen die Gäste. Das sind deutlich mehr als in Koblenz, das bestimmt zehn mal so groß ist.

Ganz sicher wollen die zum Stift hoch, da ist dann auch genug Platz für alle. Früher breitete sich der Fluß bis direkt unterhalb des Stifts aus, das wurde mehrfach verändert. Hochwasser gibt es hier bis heute, das dritthöchste war 2002.

Die Donau schwillt durch die andauernden Regenfälle an den Nordalpen wieder an, ist aber alles OK bisher. Auch jetzt regnet es und es gibt bis auf ein paar Schnecken, die über den glatten Asphalt des Radwegs wechseln, nicht viel zu sehen. Hier ein Wasserkraftwerk.

Ich lasse mein Handy in der Tasche, denn durch den Regen würde es nicht besser.

Das einzig tolle Foto hätte ich mit Daniel machen können. Er ist seit 1. April im Ruhestand und wandert seit Anfang Mai ab Heidelberg. Dort wohnt er seit 1978, stammt aber aus Rumänien und besucht jetzt seine alte Heimat. Er kennt sich auch mit aggressiven Hunden aus (die machen ihm nichts). Wir unterhalten uns kurz, denn ihn drückt sein Rucksack und mir wird kalt. Er schafft jeden Tag 30-40 km und ist dafür 12 -14 Stunden unterwegs. Alles ganz ohne Druck und man sieht ihm die Entspannung an.

Die engeren schöneren Berghänge sind hier einer flacheren Lndschaft gewichen, dem Niebelungengäu, aber auch Mostviertel. Ich blicke da nicht ganz durch.

In Ybbs bin ich dann froh, angekommen zu sein. Zwischendurch habe ich den Lauf im Regen richtig genossen. Ich mußte kaum pausieren, es war schön frisch. Nur gegen Ende regnet es so stark und die Kräfte schwinden etwas. Ich nehme das zweite Hotel – Gasthof Mang. Der Babenberger Hof sah mir sehr edel aus, das muß vielleicht nicht sein.

Ich schaffe noch, vor 14 Ihr geduscht in der Gaststube zu sitzen.

Es gibt Suppe und Salat, die Eiernockerln kommen gleich.

Da sind sie.

Alle sind total nett, sie forschen auch für mich nach den Öffnungszeiten der Sauna im Hallenbad – Dienstags nur Frauen – und Massage hat auch keine geöffnet. Später sehe ich bei meinem Abendspazierganh doch noch eine Massge, Sie hätte mich auch drangenommen aber jetzt ist es zu spät.

Die Luft ist jetzt total klar und ich gehe nochmal runter an die Donau.

Der Ort wirkt etwas traurig bei diesem Wetter.

Dabei ist es hier im Sommer bestimmt schön.

Spätestens am 15 Juni, wenn die Gummistiefelparty steigt oder am 16. Juni, wenn der Sensenwettbewerb startet, ist die Stadt auf ihren fröhlicheren Beinen.

Ybbs ist reich geworden durch die Einnahme von Steuern auf der Donau, auch der Weinmaut.

Und das sieht man dem Stadtbild heute noch an.

6. Etappe Donauradweg: Melk – Ybbs, 27 km

37 Pausentag in Melk: sein Stift, seine Physio, seine Villen und mehr.

Den Pausentag will ich gut nutzen, obwohl meine Suche im Netz erstmal kaum was ergeben hat. Zwei magere Einträge zum Stichwort „Massage“ und null für „Sauna“. Kein Hallenbad, keine ThaiMassage, dabei wär das schon wichtig. Ab 8 Uhr telefoniere ich mich durch, keine freien Termine. Dann lande ich beim Gesundheits- und Büro Zentrum gbz und die machen es möglich. https://www.gbzmelk.at

Marcel – Physiotherapeut von MaxMoves – arbeitet auch hier, kommt früher zur Arbeit und so komme ich doch noch dran.

http://maxmoves.at

Er ist sehr gut, hat schon Sportprofis des Bundesheeres behandelt, dabei hat er erst vor kurzem die Ausbildung abgeschlossen. Die Guten erkennt man daran, daß sie nicht gleich aufhören wenn der Delinquent a bisserl Theater macht. Er findet genau die Punkte, verschiebt die Struktur (Faszien) und natürlich ist das hier kein Wellness oder streicheln. Danke!

Nach der Massage einen Kakao + Rsibelschnitte.

Die Sauna ist in einem Club und für mich erst so ab 16 Uhr erreichbar. Mal schauen, wie sich der Tag entwickelt. Erst überlege ich sogar, nach St. Pölten zu fahren, da gibt es eine Thai Massage. Aber es regnet den ganzen Morgen und jetzt bin ich bestens versorgt. Auf dem Weg zum Bahnhof komme ich durch das Villenviertel von Melk. Diese hier ist die „Mustervilla“.

Und Villen gibt es viele hier.

Die Kirchen sind mehrheitlich katholisch wie überall in Österreich, aber hier gibt es einen evangelischen Hotspot.

Gleich mehrere Kirchen gibt’s im Ort und drum herum. Und Reste der alten Stadtmauer aus dem Mittelalter.

Durch diese Gasse ging im frühen Mittelalter der meiste Verkehr und der Bürgermeister wohnte in diesem Haus.

Zu Mittag Spargel im Wachauer Hof.

Das Benediktiner Stift überragt alles.

Es ist wohl das schönste Barock-Kloster, überhaupt. Gegründet schon vor 900 Jahren (eine Art Wiege Österreichs), im 13. Jhd. komplett abgebrannt, nach und nach wieder aufgebaut und im 18. Jhd. barockisiert.

Über 1000 Fenster.

Ich gönne mir die Führung – 14€ für den guten Zweck.

Drinnen fotografieren verboten – eigentlich. Noch immer leben und arbeiten 23 Mönche in diesem Orden. Und 100 – inzwischen staatliche – Lehrer, denn auch das Stiftsgymnasium ist schon uralt. Bis heute werden die meisten Räume von den Schüler*innen gebraucht, früher nur Jungen, seit 1968 auch Mädchen, heute deutlich mehr Mädchen als Jungen (Schulräume im Hintergrund).

Nach einer Ausstellung in den ehemals kaiserlichen Räumen (die Resi war hier auch drei Mal), sehen wir noch die Bibliothek und die Stiftskirche.

Über 100.000 Bücher, bis heute vom Fachpublikum ausleihbar.

Die Stiftskirche ist viele Jahre lang renoviert worden.

Sie ist der prunkvollste Bau, den ich gesehen habe (OK, ich war noch nicht in Versailles oder den Schlössern von St. Petersburg).

Draußen darf man Fotos machen.

Der Ausblick ist grandios.

Hinten die „richtige“ Donau mit dem Kraftwerk Pöchlarn – da laufe ich morgen lang.

Und der Blick über die Stadt.

Die Japaner fotografieren sich und überlegen noch wie.

Die Gärten samt Gartenpavillion – auch schön.

Die Linden sind bis zu 250 Jahre alt.

Interessant für den Kräutergärtner: Das Paradiesgärtchen.

Unten in der Stadt esse ich noch eine schöne Portion Kässpätzle. Mehr geht heute nicht, das muß reichen.

36 Die Wachau Spitz – Melk (5. Donauradweg)

Die Wachau zeigt sich heute nochmal von ihrer schönsten Seite.

Dabei würde ich schon aufgeklärt, daß sie hinter Melk, mein heutiges Ziel, definitiv endet. Da sind sie ganz genau.

Na, dann mache ich doch schnell noch ein paar Fotos bevor es vorbei ist.

Die Landschaft ist absolut lieblich.

Die Radreisenden behindern mich überhaupt nicht, wie ich zunächst befürchtet hatte, sie motivieren mich eher. Sie kommen heute unter anderem aus der Slovakei und Argentinien(!j

Dann kommt Willendorf und den brauche ich heute auch, den Willen.

Denn es ist warm und ich habe mich in den letzten fünf Tagen „in den Keller“ gelaufen. Heute ist Tag 5 und ich werde bis Melk auf knapp 125 km kommen, die Hälfte zwischen Wien und Linz.

Ich laufe und wandere im Wechsel, mehr ist nicht drin.

Die Marille ist jetzt auch mal live und in Farbe am Wegesrand zu sehen.

Sie wird beschützt von einem eigenen Verein.

Das Gestein an den Hängen scheint Granit zu sein, so sieht es hier aus. Die Brocken reichen teils bis direkt hinunter an die Straße. Vereinzelt treffen sich Klettergruppen, die an den Hängen hoch wollen.

Für unseren Schutz stehen entzückende Kirchen bereit und ein Defibrillator (Suchbild).

Das Kloster Maria Laach hatte ich immer bei uns vermutet, aber entweder bin ich jetzt schon ganz kurz vor zu Hause oder es gibt zwei.

Die Donau überquere ich kurz vor Melk.

Im Hintergrund sieht man schon das Stift Melk, da gucke ich mir morgen näher an, denke ich.

Nach 19 km erreiche ich die ersten Häuser und nehme einfach das erstbeste Angebot.

Das ist ganz gut, der Vermieter unkompliziert und ich darf mir alles nehmen. Sogar Getränke für relativ kleines Geld hat er in einem Kühlschrank. Gerade die Getränke gehen hier in Österreich do ziemlich ins Geld. In Krems habe ich für zwei Cola 11,20€ bezahlt, da hätte ich am besten erstmal nur eine getrunken.

Jetzt heißt es zwei Tage Kalorien tanken. Da fange ich am besten in dieser „Schaumrollenmanufaktur“ an. Was es nicht alles gibt!

Von den Marillenbränden halte ich mich fern, auch hier gibt es reichlich Fachgeschäfte zum Thema Marille.

Und Cafés.

Als nächstes dann noch eine Suppe und Spaghetti im Pasta e Pizza, der immerhin zweitbesten Pizzeria in Österreich, heißt es.

Mein Wochenpensum befördert mich in meinen Strava-Gruppen an die Spitze, nicht schlecht!

Morgen besichtige ich die liebliche Stadt genauer, Melk – das Tor zur Wachau.

5. Etappe Donauradweg Spitz- Melk: 19 km

35 Wie Gott in Frankreich: Krems – Dürnstein – Spitz (4. Donauradweg)

Der bisher schönste Teil meines Donauradwegs ist die Wachau.

Ich habe zwar Schwierigkeiten, auf den Radweg zurück zu finden, aber dann ist es gar nicht so schlecht, im Schatten der Mauern von Stein, dem wirklich schönen Ortsteil zu laufen.

Mit dem Segen Mariens

laufe ich durch das letzte Stadttor

erstmal an der Donau entlang bis Dürnstein.

Hier teilt sich der Radweg und ich weiß nicht was ich machen soll. „Doh konnst heraf lafen und do herunter, dees is gleich“, sagen die Leute. Herunten klingt irgendwie einfacher und das ist ganz gut entschieden. Ich komme direkt am Ufer von Dürnstein entlang.

Ein schöner Flecken mit einem verwunschenen Tunnel hinauf in den Ort. Wer nicht weiter weiß, fragt am besten die „Steigleitung“, haha.

Und jetzt sehe ich auch, warum die Radler eigentlich oben rum fahren sollen: Die Flußkreuzfahrer wollen hier zurück auf ihre Schiffe.

Parallel zur Donau überholt mich die Wachaubahn.

Auf dem Fluß begleitet mich bis Spitz die MS Carissima aus Oberwesel. Nanu, wie kommt die denn hier hin? Sie ist von einer Passauer Radreisefirma „ausgeliehen“, denke ich.

Die Räder sind zu Hunderten vorn auf dem Schiff.

Das könnte ich natürlich auch machen: Bei nächster Gelegenheit fragen, ob Sie mich mitnehmen und dann bis Oberwesel fahren. Von da wären es nur 30 km nach hause.

In Weißenkirchen ist die Kirche gar nicht weiß. Es hat eine Menge Radler, die sich am Brunnen erfrischen. Insgesamt auf der Strecke war es mit den Radlern bisher nicht stressig, wir haben genug Platz um auszuweichen.

Und wenn einmal ein Winzertraktor voll Touristen kommt, bleibt man gern stehen um zu winken. In den Gassen gibt es putzige Läden mit den Spezialitäten der Wachau. Denn was an der Mosel der Weinbergspfirsich, ist denen hier die Marille. Likör, Marmelade, Riegel, Säfte und so weiter. Wein gibt es an jeder Ecke.

Die Gegend erinnert mich sehr an unser oberes Mittelrheintal mit den Felsen, dem Wein, den Radlern und den Gastgemeinden. Eine Gruppe aus Neuseeland überholt mich und der Anführer, ein sympathischer Kerl mit Wollmütze (!) befragt mich auf englisch woher, wohin, warum. Er wohnt seit kurzem in Nürnberg und er sagt, bei ihm in Neuseeland sähe es ähnlich aus wie hier in Österreich. Sie haben auch eine Menge hoher Berge da unten. Dann muß er Gas geben.

Da vorn ist Spitz an der Donau, das langt für heute.

Eine Frau vor dem Gemeindebüro macht mir Angst, es sei alles ausgebucht. Aber dann finde ich noch was im „Goldenen Schiff“.

Es ist etwas teurer 65€, aber ich kriege das schönste Zimmer mit Blick auf die Donau, habe eine Sonnenterrasse vor dem Fenster, Frühstück und Sauna sind auch mit drin.

Das Haus wurde nach der letzten katastrophalen Flut 2002 renoviert und es ist die beste Unterkunft meiner gesamten Reise bisher.

Auf dem Zimmer esse ich noch Reste, die dringend weg müssen:

Ukrainisches Früchtebrot mit georgischer Butter, dazu georgischer Kaffee auf dem eigenen Kocher gemacht. Dann Sonnenbaden auf „meiner Terrasse“, wie Gott in Frankreich!

Auf dem Handy gucke ich das letzte Spiel meines Vereins in einer insgesamt schwachen Saison.

Dann endlich die heute die „richtige“ Reihenfolge: Sauna, Essen und Bett.

4. Etappe Donauradweg: 19 km Krems – Spitz.

34 Donauradweg (3.) Zwentendorf- Krems

Ich hatte vorgesorgt: Gestern schon 30 km gelaufen – dafür heute nur 27, Wecker gestellt und früher gefrühstückt weil es warm werden soll. Also alles bestens und so läßt sich der Tag gut an. Erst kurz vor 10 Uhr komme ich los, weil ich mich mit Martin und seiner Frau aus Katwijk an Zee (Holland) verquatscht habe. Sie haben im Ruhestand schon fast ganz Europa mit dem Rad erkundet und sind seit zwei Wochen von Katwijk bis hier her unterwegs (1.500 km) – wollen noch bis Constanta in Rumänien ans Schwarze Meer.

Das erste was ich sehe ist Österreichs einziges Atomkraftwerk, was aber nie ans Netz ging. Davor eine Hütte, als würde sich dahinter der wilde Kaiser erheben. Es ist eine Jausenstation für Radler. Süß.

Dann Österreichs größtes Wasserkraftwerk. Eine Horde Radler macht Station.

Jede Menge Power hier.

Die kann ich auch gebrauchen, denn es ist schon warm und der Weg geht schnurgerade.

Ich kreuze auf die andere Seite der Donau und bin mir wegen einer Menge Verbotsschilder lange nicht sicher: Doch, die Kraftwerksmauer ist auch der Übergang.

Auf der anderen Seite des Krftwerks sind Resi und Markus mit den Kindern beschäftigt, die wollen nicht einfach nur im Croozer sitzen. Sie radeln eine Weile neben mir her, was eine schöne Abwechslung ist.

Dann zieht sich der schnurgerade Donaudeich und es wird wärmer und wärmer. Immerhin – in der Ferne sieht man die Wachau, eine abwechslungsreichere unter UNESCO Schutz stehende Region mit Weinanbau.

Gegenüber auf dem Berg ist das Benediktinerstift Göttweig.

Wenn diese Landschaft hinter Krems beginnt, ist es nicht mehr so langweilig. Die Langeweile ist aber plötzlich vorbei, als der Weg wegschwenkt von der Donau, es geht durch einen Auenwald und dann kommen mehrmals große Schilder „Achtung , geänderte Radwegführung“. Ja das ist OK, aber wohin soll ich denn laufen. Mir fehlen da ein paar Pfeile. Auf der Umleitungsstrecke ist auch noch gesperrt und ich soll nochmal anders und wieder Richtung Kraftwerk laufen. Das törnt mich total ab. Ich hole zig mal mein Handy aus der Tasche um irgendwie selber was zu überlegen und die Leute wissen es auch nicht. Es kommen auch schon länger keine Radler mehr entgegen – ein ganz schlechtes Zeichen. Dann wieder bin ich doch richtig aber die Ausschilderung bleibt absolut mangelhaft. Das deprimiert mich und demotiviert mich. Ich wandere fast nur noch und muß mich durch Industriegebiete mit Autostaus schlagen. Ich beiße mich durch, aus 26 km werden 31 km. Was für Radler schon nicht lustig ist, wird für Läufer zum Lottospiel. Schilder kommen nur, wenn es eindeutig geradeaus geht, aber bei Abzweigen fehlen sie.

Selbst im Krems ist mir dauernd dieser Hafen

und später die Schnellstraße im Weg, kein Hinweis auf Brücken oder Tunnel.

Daß die Stadt größer ist, heißt nicht, daß sie schöner ist.

Ich kann das nicht glauben. Zweihundert Meter vor dem Zentrum kein Hinweis, nur dieser Schrotthandel.

Ich spreche die Leute darauf an und die sagen, ja dahinter ist es, ich soll nur weiter zugehen. Dann sehe ich zwar das Schild Zentrum, aber auch das Schild Hallenbad und ich beschließe, die Sauna vorzuziehen. Das Gebäude ist von außen potthässlich aber innen alles super.

Großes Thema in der Sauna heute: geblitzt werden. Jeder hat eine Geschichte beizutragen, keiner war Schuld an seiner Grschwindigkeitsübertretung aber alle mußten schließlich zahlen. S‘ Radarkistl ist Schuld. Herrlich unterhaltsam.

Die Frauen stoßen mit Kupferberg GOLD an und essen Cracker und Nüsse. Auch sie sind bester Dinge. Wenn ich bedenke, daß ich keine einzige russische Sauna (Banja) gefunden habe und auch die Hamam in Aserbaidschan alle geschlossen waren, so bin ich hier echt im Paradies. 3x Sauna in vier Tagen. Das entspannt Muskeln und Sehnen, sehr gut.

Ich sauniere und stelle fest, daß die Jugendherberge, bei der ich schon dreimal angerufen habe, erst heute Abend öffnet. Na dann paßt sich alles. Auf dem Weg dahin wird die Stadt etwas schöner.

Aber Kaufladen hat nur vormittags offen,

in Kaukasien haben solche Läden 24/7 offen. Man kann nicht alles haben.

Die Jugendherberge hat gerade per Telefon das letzter Zimmer vergeben. Gut daß ich heute paar mal angerufen habe. Er verweist mich an die Post und jetzt gehts aufwärts:

Das Hotel ist derart verplüscht – da paßt meine Tasche eigentlich gar nicht rein.

aber für 42€ inklusive Frühstück absolut OK.

Sie wollten es halt richtig schön machen.

Das Hotel liegt in der historischen Altstadt, die dann doch alles hat: Pittoreske Fassaden, schmucke Türme und Tore, historische Stadmauer – alles!

Ich kenne keine Stadt, die ihre Altstadt derart vor den Besuchern versteckt. Jetzt gibt’s nur eins, ab ins Brauhaus an der Ecke und ein paar zünftige Käsespätzle.

3. Etappe: Zwentendorf -Krems 31 km

33 Donauradweg (2.) Greifenstein – Tulln – Zwentendorf

Bei diesem Wetter schickt man keinen Hund vor die Tür.

Und doch habe ich heute gar nicht so schnell gucken können, da stürmt dieser Pommeranian auf mich zu und beißt mir in die Wade! Nein, blöder Scherz, sie leckt nur das Salz ab – unser Hund liebt das auch – sie heißt Chichi! Für mich ist es reine Therapie.

Vorher sitze ich beim Frühstück und zögere die Abreise noch etwas hinaus.

Denn Wetter erstmal unverändert.

Dann laufe ich los und bin froh, daß es sich gerade ausgetröpfelt hat. Die Strecke ist jetzt nicht gerade spannend.

Die Radler sind auch schon auf der Gasse.

Aber interessant: Die meisten – ca. 100 heute – fahren Passau – Wien, nur 6 in die Gegenrichtung wie ich. Das ist ganz gut, denn so treffe ich mehr und sie motivieren mich auch etwas auf öden Abschnitten. Erstes Zwischenziel ist Tulln. Hier habe ich zwei Möglichkeiten, die Donau zu überqueren, aber heute ist es noch nicht soweit.

Das Ziel für morgen bietet sich auch schon an: Krems.

Je mehr ich heute laufe, desto einfacher ist es morgen. In Tulln komme ich wieder nicht am Zentrum vorbei und die Gartenschau verpasse ich nur um ein paar hundert Meter, es ist zu kühl für Pausen und Sightseeing heute. Dieser aufwendige Brunnen hier, der gibt eine schöne Kulisse ab.

Jetzt umkehren wär auch blöd.

Nun kommt wieder eine Hundeprüfung – der Besitzer sagt „dea tuat nix“ und richtig, er schnürt zweimal um den Wagen herum, ich interessiere ihn gar nicht.

Nach Tulln wird umgeleitet und es wechseln sich leicht überbeschilderte Kreuzungen mit anderen ohne jeden Hinweis ab.

Zwei Kraftwerke sorgen hier eigentlich für Strom, dieses ist konventionell und das andere, das einzige österreichische AKW ging Gott sei Dank nie in Betrieb. Übrigens:

#hambibleibt !

Da muß ich drum rum, meine Uhr bricht ausgerechnet hier ab wegen Strommangel, und dann kommt Zwentendorf.

Ich nehme das erst beste Zimmer für 38€ und hoffe nun, daß die Kälte Heizung anspringt.

Die dritte Hundeprüfung heißt Sissi und ist eine dreizehn Jahre alte Dame. OK, das war jetzt nicht sooo schwer.

Im Ort wird der Metzger mit einem würdigen Zug zu Grabe getragen. Sein Geschäft wurde mir schon empfohlen aber es ist aus diesem Grund geschlossen.

Das Hallenbad ist ab 17 Uhr geöffnet – mein Glückstag – heute Herrensauna bis 22 Uhr!

Die Sauna ist wie in Wien ein Umschlagplatz für echte News. Der Bürgermeister ist nun im Ruhestand und war mit seinen vielen Verpflichtungen auch nicht zu beneiden. Jetzt hat er mal Zeit, sein Haus zu renovieren. Und so geht es weiter. Echtes Leben. So eine Sauna fehlt bei uns im Dorf auch noch.

Donauradweg 2. Etappe: ca. 30 km