57 Wendelstein -Nürnberg Hbf. (Schlußetappe)

Ja, sorry, das kommt jetzt überraschend. Erst gestern hatte ich noch meinen Freunden geschrieben, daß ich weiter laufe über Fürth, Neustadt an der Aisch, Ochsenfurt, Würzburg, Wertheim, Miltenberg, Mainaschaff, Steinheim, Frankfurt, Mainz. Das könnte ich mit Pausentagen in zehn Tagen schaffen.

Ich kann nur spekulieren, warum ich mich unentschieden habe. Vielleicht war es das triste letzte Hotel, die Suche heute ließ sich auch kompliziert an, vielleicht die Aussicht, auf mehrere Etappen über die Hügel und durch Dörfer, in denen auch kein Hotel ist. Vielleicht auch, weil es seit einigen Tagen keine vegetarischen Gerichte auf den Speisekarten gibt, geschweige denn Kässpätzle. Vielleicht ist es der Abschied vom lieblichen, grünen, schattigen teils einsam schönen Ludwig-Kanal. Oder weil ich gestern bei einem Stop einen Rucksack samt Laufbrille habe liegen lassen und meine Zugstange am Wagen, die ich repariert habe, immer lockerer wird. Vielleicht weil Nürnberg wieder so ein großes Ziel ist, fast doppelt so weit wie mein Mindestziel Passau. Mit allem, was ich erreiche wird es weniger erstrebenswert, nur wegen eines bestimmten Zieles weiter zu machen. Vielleicht auch, weil es kein Abenteuer und nicht mehr so leicht, zufällig und spannend ist. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allem.

Vielmehr bin ich lustgesteuert und merke, wenn ich motiviert und beflügelt bin. Eben durch Natur, durch Abenteuer, durch die Menschen, denen ich begegne, gutes Essen und eine schöne Strecke. Ich freue mich auf Läufe in den Hügeln des Hunsrück, auf Spargel satt, auf Erdbeeren, auf die Radieschen, Salat, Erbsen und Lauchzwiebeln aus dem eigenen Garten, auf meine Familie und Freunde. Da gehöre ich jetzt hin. Wir können in den eigenen vier Wänden einschlafen und aufwachen, das Erlebte verarbeiten, Gäste einladen und bekochen, den Sommer genießen – das ist der wahre Luxus. Jetzt kommt die richtig warme, schönste Zeit des Jahres. Ich kann mich um meine neue Arbeit kümmern und in den Alltag all das einweben, das ich erlebt und erlebt habe. Ich kann an dem Buch zum Abenteuer Baltikum arbeiten.

http://abenteuerbaltikum.com

Ich verpasse deshalb den sehr schön gewundenen Main ab Wertheim bis Mainaschaff, das Treffen mit Freunden und ehemaligen Kollegen im Rhein-Main Gebiet, das Erreichen weiterer schöner „Meilensteine“ wie Würzburg, Frankfurt, Mainz. Das kann ich verschmerzen.

Der Tag beginnt am Ludwig-Kanal wie er gestern aufgehört hat, friedlich, grün und angenehm schattig.

Der Giersch, der gestern noch als Blüte des Tages verdrängt wurde, kriegt heute seinen Platz. Ich kennen den eigentlich nur als Unkraut, hier säumt er nochmal in voller Pracht den Kanal.

An diesem Punkt schalte ich um: Nürnberg Altstadt 14 km.

Alles, wozu ich Lust habe, fällt mir ein und dazu habe ich Lust: Zum Bahnhof laufen, einsteigen und ab nach Hause. Anders als viele Ultraläufer und Leistungssportler habe ich keine Lust, mich über Gebühr zu plagen. Klar, die letzten Kilometer eines Marathons, eine kleine Hitzeschlacht, ein paar Kilometer mehr, ein Abend ohne Mahlzeit – das kriege ich immer hin. Aber jetzt ist ein Moment, in dem ich weiß was ich will, in dem ich mache, wozu ich Lust habe.

Eine letzte Schleuse, Nummer 66 samt Schleusenwärterhäuschen.

Eine allerletzte Schleuse, Nummer 67.

Dann biege ich ab in Richtung Stadt. Die letzten 9 km sind sehr sehr schön, denn ich fliege. Erst durch den Wald.

Dann durch die Stadt. Ich grüße links, ich grüße rechts, es ist ein Zieleinlauf. Ein roter Teppich wird mir ausgerollt wie auf dem letzten Kilometer eines Marathons.

Keine verhärteten Waden, keine strammen Oberschenkel, keine platt gelaufenen Füße, kein beißender Schweiß in den Augen, keine Müdigkeit der letzten 5 Tage mit 170 km. Alles ist leicht.

Am Gelände des Rock im Park befrage ich ein paar Helden, die die letzten beiden Tage so gut überstanden haben, daß sie schon wieder sprechen können. Soll geil sein bisher, auch den Ärzten ist wohl ihr comeback gelungen. Heute Abend werde ich die kleinen Lichter am Horizont über der Nürburgring am Horizont sehen, denn da tobt Rock am Ring – da sind dann die Ärzte.

Noch 2 km bis zum Bahnhof. Die Glocken von St. Peter stimmen ihr Geläut an.

Der Tunnel am Bahnhof – leer.

Die Menschen dürfen angetrunken kein Auto aber Bahn fahren.

So viele Menschen bin ich nicht mehr gewöhnt. In der Regionalbahn lasse ich mich nach Hause schuckeln.

Ein paar Jugendliche wollen wissen, woher wohin, sie wollen nach München zu Rammstein. So hat jeder sein Pfingstfest. Wir sausen am Main entlang, ja das ist auch so ein Fluß an dem man schön laufen kann – vielleicht später mal.

Frankfurt Hbf. Ist der meist frequentierte Bahnhof Deutschlands.

Hier regiert das Geld und nicht die Natur. Jede Gegend hat ihre Reize. Die Leute sind bunt, dieses Mädel will unbedingt mit aufs Foto. Warum nicht.

Die letzten Bahnkilometer fahre ich mit Deutschlands steilster Eisenbahn ohne Zahnrad. Auf den wenigen Kilometern geht es steil hoch über 5 Brücken und drei Tunnel.

Die letzten 7km laufe ich wieder mit meinem Wagen.

Was für eine Rückkehr, leichtfüßig, gesund, glücklich, voller Erlebnisse und voller Vorfreude.

Am Horizont ist der Nürburgring hell erleuchtet.

22. Etappe Donau + Kanal Wendelstein – Nürnberg + Boppard Buchholz – nachhause: 24 km

56 Ludwig-Kanal Neumarkt – Wendelstein

Heute möchte ich etwas kürzer treten, jeden Tag über 30 km sind eigentlich zu viel. Der Schlüssel ist auch ein früher Aufbruch und 2 Stunden davor Frühstück. Heimlich koche ich meinen Kaffee auf dem Gaskocher am offenen Fenster, denn das letzte, was ich gebrauchen könnte, wäre die Feuerwehr im Zimmer. Ich habe immer noch georgischen Kaffee, ganz fein gemahlen, der eigentlich in einem kleinen Töpfchen im heißen Sand gekocht wird…

Gleich auf dem ersten Kilometer treffe ich einen Läufer hier aus Neumarkt. Er sieht sehr sportlich aus, muß aber kürzer treten, weil er sich verletzt hat. So haben wir das gleiche Tempo und ich komme nicht gleich zu Beginn in einen trägen Schritt mit vielen Wanderpausen, den ich mir angewöhnt habe. Als er abbiegt bin ich um eine schöne Bekanntschaft reicher und der Anfang ist gemacht.

Die Landschaft am Kanal ist unverändert, eine 170 Jahre alte Säule zeigt die Kilometer an.

Aber es wird spannend, wenn man sich für Wasserwirtschaft interessiert. Offenbar habe ich die Wasserscheide erreicht, denn es kommen keine Schleusen mehr, dafür aber mehrere Tore die in beide Richtungen orientiert sind.

Das heißt, je nach Zulauf und Ablaß kann die Fließrichtung sich umkehren. Ich bin an dem höchsten Punkt des Kanals zwischen Schleuse 32 und 33.

Dieses Bild betrifft zwar den parallelen Main-Donau-Kanal, aber das Prinzip ist das gleiche.

Von hier an gehts bergab, egal wie lange es dauert, jeder dieser Tropfen Wasser landet irgendwann in der Nordsee. Bisher bin ich bergauf gelaufen und alles Wasser endete im Schwarzen Meer.

Diese Wsserregulierung auf dem höchsten Niveau nennt man Scheitelhaltung.

Was die Menschen hier erbaut haben, ist umfangreicher als man sieht. Nicht nur der Kanal an sich, die vielen Schleusen, Wehre, Umfluter und Ablässe mußten gebaut werden. Der Kanal ist auch teils erheblich über dem Landschaftsniveau gebaut. Das Dorf rechts liegt bestimmt 30 m tiefer als das Wasser.

Ein Stück weiter ist der Kanal tief ins Jura eingeschnitten, denn Wasser fließt ja nun mal nicht bergauf.

Eine lange Schäfertradition scheint es hier zu geben.

Und da sind sie auch zu hunderten und mähen mich an. Ich glaube ja, die singen!

Jetzt gibt es wieder Schleusen, undzwar in die andere Richtung, das Wasser fällt nach Norden.

Es sind von Kelheim bis Bamberg 100 Schleusen, die aber nur noch teils im Betrieb sind. Jede Schleuse hat ein Schleusenwärterhäuschen, heutzutage Kleinode am Wegesrand.

Blüte des Tages sollte erst diese hier werden.

Es sind diese hoch stehenden weißen Doldengewächse, ähnlich wie Dill. Dann aber sehe ich diesen Teppich von Milllionen zartester Blüten auf dem Kanal in cremeweiß.

Die Sandsteinsäule zeigt an: 20 km seit Neumarkt, 90 km seit Kelheim, noch 82 bis Bamberg und 24 bis Nürnberg.

Früher wurden die Schiffe hier entlang gezogen und ein Schiff, die Elfriede, ist auch erhalten. Sie heißt wie meine Großmutter hieß.

Meine Uhr geht aus und die Aufzeichnung wird abgebrochen. Mittels Powerbank starte ich sie neu und habe deshalb schon wieder zwei Teilstücke. Ich nutze die Pause und kümmere mich um ein Zimmer. Weit und breit alles ausgebucht. Ich muß doch wieder 30 km laufen bis Röthenbach kurz vor Wendelstein, da gibt es noch eins.

Eine Hundemeute kommt angesaust und ich habe kurz ein dejavu.

Ich treffe Eric, ein Läufer hier aus der Gegend, und wir laufen zusammen 6 km. Das hilft mir sehr und lenkt mich ab. Er ist nett und wir bleiben in Kontakt.

Der Kanal ist durch die Autobahn unterbrochen und es gibt ein paar kleine Tunnel.

Ansonsten unverändert schön, die Strecke. Endlich mal wieder ein paar Radler, die aus Nürnberg hier raus kommen.

Die letzte Schleuse für heute – Nummer 63.

Dann habe ich es geschafft. Das Hotel ist nicht attraktiv und der Ort an sich sehr klein. Aber ich bekomme „gutes fränkisches Essen“.

21. Etappe Donau+Kanal Neumarkt i.d.Opf. – Röthenbach (Wendelstein): 30 km

55 Kanalroute Dietfurt – Neumarkt i.d.Opf. (20.) Donau-Altmühl-Main

Heute morgen war es fast kühl und leichte Nebelschleier legten sich lieblich über die drei sich verabschiedenden Fließgewässer.

Bei Beilngrieß verabschiedet sich die Altmühl nach Südwesten, bei Mühlhausen trennen wir uns auch vom Main-Donau-Kanal, der nach Westen biegt. Ich selbst habe mich für den Ludwig-Donau-Main-Kanal entschieden, der über Neumarkt nach Nürnberg führt. Erstmal sehe ich noch die aufwendigen Schleusen des großen Kanals, mit dem zwar kaum Mehr Frachtschiffe aber doch einige Flußkreuzfahrer gehoben oder gesenkt werden.

Eine Schleuse weiter liegen die Schiffe so lange, da gehen die Passagiere auch schon mal an Land spazieren und so kommt eine Gruppe Schweizer nur mit einer Zigarette ausgerüstet in die Oberpfälzische Landschaft.

Das hier sind aber einheimische Wildgänse, die eigentlich in Ruhe frühstücken wollen.

Die gehen aber alle samt Kindern erst nochmal ins sichere Wasser.

Diese Wiese hatte es ihnen angetan.

Gegenüber ist die Benediktiner Abtei Plankstetten.

Immer wieder treffe ich auf Klöster vor allem der Benediktiner und Franziskaner. Zu gern würde ich schon nach zehn Kilometern abbiegen und mich in den Biergarten setzen, aber dann käme ich nicht mehr hoch und die Hitze gäbe mir den Rest. Bei km 9 habe ich ohnehin ganz andere Probleme: Die linke Gurtbefestigung ist durchgescheuert und reißt ab. Ich hatte das schon kommen sehen und dachte mir, durch Ignorieren das Problem zu lösen. Ein kleiner billiger Karabiner soll mich retten, allerdings hakt er nach kurzer Zeit aus und ich suche eine ganze Weile den Wegesrand ab, bis ich ihn wieder finde. Nun wird eine Reparaturpause fällig und meine Uhr resümiert schon mal vorzeitig den heutigen Lauf. Deshalb habe ich zwei Läufe heute. Mit Pflaster kriege ich den Karabiner besser in den Griff und er hält nun auch.

Hoch über Berching sehe ich die nächste Burg und vorher kommt ein Golfplatz.

Alles klar, liebe Golfer, nur weiß ich nicht, was hier mein Beitrag sein soll. Ich hoffe auch einfach.

Ab Berching folge ich nun wirklich dem Kanal meiner Wahl, den Ludwig- Donau-Main-Kanal.

Er ist über 170 Jahre alt und unter Denkmalschutz. Ein nur unmerklich fließendes Gewässer, das man vielleicht auch für Kanutouren nutzen könnte, aber daran ist bisher nicht gedacht.

Der Weg ist sehr gut ausgeschildert, teils sogar schattig, teils sogar asphaltiert und durch die Schleusen auch interessant.

Das hab ich gut entschieden, denn am anderen Kanal gibt’s kein Baum und keine Ortschaften auf lange Strecken. Leider verdirbt eine kilometerlange Straßenbaustelle die Idylle, aber ein Teilstück der Umleitung geht durch diesen Kiefernwald, der mich total and Baltikum erinnert.

Blume das Tages ist die Kamille, sie nutz hier eine Plantage, in der die Jungbäume nicht ausgemäht wurden. Vielleicht ist das ja auch Absicht.

Vielleicht hätten sich die Schafe darüber gefreut, die sich hier ganz zutraulich zeigen.

Ansonsten führt der Kanal genauso gerade wie abgeschieden weiter bis fast mitten in die Stadt Neumarkt in der Oberpfalz.

Es ist ein wirklich schöner Lauf, nur hängen sich jetzt die Kilometer an und die Hitze drückt auch durch das Blätterdach. Ich mache sehr viele Gehpausen und bin aber ansonsten froh, diese Langetappe zu schaffen. 2 km vor dem Ziel mache ich die Uhr aus, setze den Wagen ab, Fülle Wasser nach und trinke eine Liter auf ex. Danach kann ich sowieso nicht mehr laufen und nun schlendere ich regelrecht in die heiße Stadt hinein.

Ich hoffe, daß ein unattraktiv aussehendes kleines Hotel nicht so teuer ist und gehe rein. Es ist allerdings nur der rückwärtige Garageneingang eines edleren Hotels und ich schlucke kurz beim Preis. Aber egal, ich muß aus dem Klamotten raus und mich ausstrecken. Frühstück brauche ich nicht, das gibt es erst ab 8 Uhr, dann ist der Preis auch schon geringer.

Angesichts der Größe von Neumarkt hätte ich mir die Altstadt attraktiver vorgestellt. Klar, es gibt alles wichtige, aber irgendwie habe ich wesentlich kleinere Städte attraktiver erlebt.

Auf meinem Streifzug stolpere ich in die Hofkirche Unser Lieben Frauen und erlebe das Ende des Gottesdienstes noch mit. Hier ist es schön kühl und ich genieße die Andacht, nachdem die meisten gegangen sind. Die Monstranz ist vorne noch aufgebaut, der Tabernakel in den sie sich sonst befindet, wird offen gelassen und auch die Sakramente wurde nicht versorgt. Irgendwas läuft heute anders, aber ich finde es nicht heraus und trete wieder raus in die Hitze.

Die Brauerei Gossner, eine von mehren in der Stadt, hat hier ihren Stammsitz und die letzen 13 Generationen an ihrer Hauswand verewigt.

Interessanter Weise ist die unter Ökofreunden berühmte Neumarkter Lammsbräu nicht mit einem Brauhaus in der Stadt vertreten.

Ich will mir ein neues Glas nutella kaufen und muß dafür in den REWE. Der liegt in einem Einkaufszentrum, das natürlich riesig und klimatisiert ist. Da hocke ich mich in eine Pizzeria und beobachte die Menschen. Klingt traurig, ist aber unterhaltsam.

Das alles habe ich schon ewig nicht gemacht: Einkaufszentrum, Pizza, Leute beobachten. In dieser Kombination zuletzt vor 15 Jahren, als ich noch im Außendienst beschäftigt war.

20. Etappe Donau+Kanal Dietfurt – Neumarkt i.d.Opf. : 36 km

54 LDM: Kelheim-Dietfurt (19.) Donau-Altmühl

Jetzt natürlich die Frage: was heißt LDM: Ludwig-Donau-Main-Kanal. LUDWIG ist klar, das ist der Bayerische König, Donau-Main-Kanal ist eigentlich auch klar.

Trotzdem komme ich im Moment durcheinander, denn bisher kannte ich den Main-Donau-Kanal bzw. sogar den Rhein-Main-Donau-Kanal. Aber es geht weiter: Der LDM fließt in der eigentlichen ehemaligen Altmühl. Bis Dietfurt ist alles es ein und dasselbe Gewässer. In Dietfurt gibt es dann die Altmühl, den Main-Donau-Kanal (ohne LUDWIG), das ist der neu gebaute Kanal und den LDM, das ist der alte Kanal, aber das wird erst morgen interessant, wie ich da weiter mache.

OK soweit, jetzt warum überhaupt der Schwenk weg von der Original-Donau:

Die Donau könnte ich weiter hoch laufen bis zur Quelle bei Donaueschingen. Aber das liegt nicht auf meinem Weg nachhause. Das gesamte Einzugsgebiet wird über die Nebenflüsse letztendlich ins Schwarze Meer nach Süden entwässert: „Iller, Lech, Isar, Inn, fließen rechts zur Donau hin. Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen kommen ihr von links entgegen.“ Hatten meine Eltern in der Schule, ich dann nicht mehr. Wir hatten dann Ob und Irtisch (Sibirien).

Rhein und Mosel, wo ich wohne, entwässern mit all ihren Nebenflüssen in die Nordsee, z.B. auch die Wässer des Neckar, des Mains und der Maas. Ich muß also eine gute Möglichkeit finden, über die europäische Wasserscheide zum Main zu wechseln um dann „bergab“ nach hause zu kommen. Und da bietet sich der LDM an. Uff, Sorry, ich wollte das einmal im Zusammenhang erklären. Ist nicht für jeden interessant.

Heute winke ich nochmal der Befreiungshalle und dann immer am Fluß lang. Die Kirchen werden kleiner, die Dörfer bescheidener.

Der Muschelkalk, das Jura, ist sehr präsent.

Daraus werden Platten und Bausteine gemacht.

Hinter Essing haben wir die angeblich längste Holzbrücke Europas. Und die ist schon sehr lang.

Ansonsten große und kleine Schlösser an den Hängen des Jura.

Da ließ sich bestimmt prima beobachten, wer denn so den Fluß entlang kommt und dann Zack – Steuern kassieren. Neuer Fürst, neues Land neue Steuern, gerne auch andere Maßeinheiten. Und jeder hatte recht.

Ich kommen nochmal so davon. Perfekt idyllisch zeigt sich Riedenburg, oben die Burg, rechts eine Burgruine und unten dann die Stadt am Fluß.

Meine nächste Idee: Ich kürze ab. Ohne das jetzt zu lang zu machen: Die Abkürzung von 2 km habe ich mit einigen Höhenmetern erkauft und als ich endlich durch war, sehe ich in der Gegenrichtung sogar Schilder dazu. Immerhin beschert mir die kleine Bergtour dieses Eggersberger Schoß.

Und ein Einsiedlerhof (der ideale Platz für ein paar Wachhunde, aber keiner zu sehen). Schafe haben sie auch und Ziegen. Der Unterschied: Die Schafe wenden sich ab und gehen, als ich komme.

Die Ziegen kommen fröhlich meckernd (ja, das geht) auf mich zu.

Blühpflanze des Tages ist die Erbse. Bin mal gespannt, was aus meinen Erbsen geworden ist, die ich Anfang April in die Erde geworden habe.

Vor der Dietfurter Brücke mache ich bei 30 km meine Uhr aus und setze mich erstmal länger ab. Heute war es nicht warm und auch eine schöne Tour, aber es zuckt und zieht in den Sehnen. Da muß ich noch sorgfältiger in der Nachbereitung werden, wenn ich mich nicht verletzen will. Die letzten 2km wandere ich in die Stadt

… ein oberpfälzisches Kleinod.

Als Unterkunft suche ich mir den ältesten Gasthof „Stirzer“ aus, der zumindest Innen absolut authentisch alt ist (600 Jahre!). Sehr sehr schön.

Meine Kammer – ein Traum in Bauernholz.

Gleich daneben gibt es die letzte laufende Mühle des Altmühltals mit Sägewerk.

Im Rathaus von 1479 ist das Tourismusbüro noch offen und ich werde tatsächlich sehr gut beraten, wie ich mit meiner Route weitermachen könnte. Sowas habe ich bisher noch nie erlebt. Hier habe ich auch das Wissen über die Kanäle und Flüsse her. Herzlichen Dank!

19. Etappe Donau+Altmühl – Kelheim bis Dietfurt: 30 km.

53 Auf den Spuren deutscher Geschichte: Regensburg-Kelheim (18.) Donauradweg

7 Uhr, ich werde immer besser. Es wird die früheste, die heißeste und langsamste Etappe bisher.

Aber die Zeit kann keine Rolle spielen, solange ich fit bin und Spaß habe. Bei der Oberpfälzischen Regierung regt sich noch nichts.

Die Schüler fahren brav mit dem Bus, die Mülltonnen werden abgeholt und die Lieferfahrer haben schon ihre erste Tour fast fertig.

Alle arbeiten und ich laufe langsam aus der Stadt raus über eine Eisenbahnbrücke über die Donau. Sehr schön.

Wahrscheinlich laufe ich wieder auf der falschen Seite, denn es gibt kaum Schilder. Aber davon fange ich heute nicht wieder an. Der Muschelkalk – Jura ist jedenfalls spektakulär hier über mir.

Da soll sich jetzt möglichst kein Brocken lösen. Das meiste ist sogar mit Maschendrahtzaun gesichert.

Da werde ich jetzt mal ausnahmsweise folgen.

Der Kalk ist auch Baustoff für diesen Staubigen Weg.

Immer noch besser als in den Bergen rumkraxeln.

Die Böschung ist hoch bewachsen und blüht herrlich – heute grün = Wildgräser.

Andernorts wird pingelig gemäht – wie hier auf diesem Golfplatz.

OK ich halte trotzdem kurz für ein Foto in der Hoffnung, ich werde nicht abgeschossen.

Am Bunker ist schon Betrieb.

Auch Bayern kann Wasserkraft.

An der Bundessstraße nach Saal a. d. Donau haben sie extra für mich, der ich mir einen Umweg sparen will, einen ganz kleinen Pfad gebaut – Gott sei Dank – denn hier wäre es eng geworden.

Auf der Donaubrücke leuchtet eine Lauftight hell wie eine Fackel. Sie gehört Adi, genauer gesagt Adriane Mansdorfer. Ich strenge mich nochmal richtig an und kann sie einholen. Es ist absolut motivierend, jemanden wie Adi neben sich zu haben, denn sonst wäre ich bei dieser Hitze fast nur noch gewandert. So laufen wir die letzten 5 km und tauschen unsere Geschichten aus, während wir an der Altmühl-Mündung vorbei kommen.

Sie ist Europameisterin im Wasserski und seinerzeit mit 65 km/h über die Altmühl gebrettert. Für den Sport war sie natürlich fast überall auf der Welt und bewegt sich bis heute sehr gern.

Sie ist hier aus Kelheim und kennt hier jeden. So hilft sie mir auch dabei, ein Zimmer zu finden.

Hoch über Kelheim steht die Befreiungshalle. Von der habe ich auch schon gelesen und bin erstaunt, nach der Walhalla jetzt wieder auf das gleiche Thema zu kommen: Napoleon wurde in den Befreiungskriegen 1812 bis 1814 zurück geschlagen bis nach Frankreich und auch Bayern Schloß sich spät seiner Allianz gegen den an.

König Ludwig von Bayern gab dann diese Halle in Auftrag, einen 18-eckigen Bau mit den 18 wichtigsten Schlachten gegen Bonaparte. Auch die 18 beteiligten Völker werden hier jedes mit einer Figur gewürdigt, wie z.B.Franken, Bayern, Sachsen, Rheinländer, Preußen usw. Der Bau selbst wurde erst kürzlich renoviert und hat jetzt wieder die Farbe des Muschelkalks.

In Kelheim beginnt auch der Altmühltal-Radweg, der hoch bis nach Nürnberg geht immer entlang des Main-Donau-Kanals.

Die Stadt ist lieblich anzusehen.

Die drei ähnlichen Tore, das Altmühltor, Donautor und das Mitteltor Rahmen die Altstadt ein.

Hier hat auch Adi ihr Geschäft für Schuhe und Wintersport. Leider wird Sie ihn aufgeben müssen nach über 100 Jahren Tradition.

Auch das älteste Weißbier Brauhaus steht in Kelheim.

1928 hat es Georg Schneider erworben, dessen Münchener Brauerei im Krieg völlig zerstört wurde. Von hier kommt die berühmte Schneider Weisse.

Das hätte ich nicht gedacht. Es gibt einen schönen Biergarten. Unter kühlen Walnussbäumen lese ich die Geschichte zu Napoleon und den Bayern nach. Die vielen Soldaten, die unter der Feldherren ihr Leben ließen wurden oft zwangsrekrutiert und ausnahmslos eingezogen. Krieg ist so grausig, auch wenn das gern mal verklärend übergangen wird.

18. Etappe Donauradweg Regensburg – Kelheim: 33 km

52 Pausentag in Regensburg – Freie Reichsstadt des Königreichs Bayern

Ich mache einen Tag Pause – habe ich heute morgen um 6 Uhr beschlossen und blieb dann einfach liegen. Das ist Feiheit – geht natürlich nicht immer, also genieße ich es. Frühstück sehr spartanisch aber ich steigere mich im Laufe des Tages. Draußen 29 grad als ich das erste Mal auf die Straße gehe.

Das wird morgen zwar nicht besser, aber ich nehme dann einfach einen neuen Anlauf. So langsam muß ich mir Gedanken machen, wie ich die Kurve hinter Kehlheim nach Nordwesten kriege, um Richtung zuhause zu laufen. Und das Internet macht hungrig.

Erste Station: das Hacker Pschorr am St. Kassians Platz.

Die haben einen schönen Biergarten und ich erliege dem Wort Spargel, obwohl ich weiß, daß das nur 4 Stangen für 16€ sind.

Es sind sogar 5 und eine dünne Stange – wow. Wie gern würde ich mal 2 Kilo kaufen, schälen und essen. Hier an diesem Stand gibt es sogar 3 kg geschält für 18€ – das ist inflationär!

Hier steht auch die erste Kirche des Tages.

Ich habe irgendwo gelesen, daß es ungeklärt ist, warum Regensburg so viele Türme hat. Dieser hier z.B. gehört zum alten Rathaus.

Die Uhren – zumindest die Zifferblätter ähneln einander sehr.

Der höchste Wohnturm nördlich der Alpen ist angeblich dieser hier.

Vielleicht habe ich das aber auch falsch verstanden, denn ich meine schon mal ein Wohnhaus mit mehr als 8 Etagen gesehen zu haben – auch nördlich der Alpen. Ansonsten sind die Gassen und Gäßchen ein Fundus für Spezialisten.

Zum Beispiel gibt es hier nur Schachspiele.

Und auch die Souvenierläden schaffen es bis in den hintersten Winkel.

Und noch eine Gasse.

Und noch eine.

Manche Gasse wäre schöner, aber irgendwo müssen sich die Mülltonnen stehen, denn Mülltrennung ist erst kurz nach dem 15. Jhd. eingeführt worden.

Der Hund im Schaufenster dieser Galerie ist übrigens kein Kunstwerk – falls doch, zumindest ein lebendes.

Ich nehme nicht an, daß sie ihn für mich zum Schutz hinter Glas gesetzt haben.

Gestern im Schnelldurchlauf wäre ich um die Familie Thurn und Taxis noch herum gekommen, aber bei einem Pausentag habe ich genügend Zeit. Dabei schaffe ich es, so spät zu kommen, daß das Museum, der Innenhof und eigentlich alles nicht mehr zu besichtigen sind.

https://www.thurnundtaxis.de/info/pressebilder-werbefotos/

Seit Gloria (Entschuldigung Ihre Durchlaucht, unter Läufern duzt man sich und ich glaube, Du läufst auch gelegentlich) den Laden hier übernommen hat, sind nennenswerte Teile der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht worden um die teuren Reparaturen zu bezahlen. Dabei gibt es immer wieder Leute, die der Familie das nicht gönnen.

Nach allem, was sie für uns getan hat!

So komme ich nur an einige von außen zugängliche Stellen. Zum Beispiel hat unter ein Notar sich hier eingemietet. Der wird ja ohnehin gelegentlich gebraucht.

Seine Räume sind dem Ort angemessen, er hat das so übernommen, das war schon so schön.

Ich stehe auf dem unverwüstlichen mehrere hundert Jahre alten Holzpflaster der Einfahrt.

In nicht unbedingt angemessener Bekleidung. Da kommt der Notar oder einer seiner Kollegen mit dem Elektrorad angesaust, grinst und grüßt freundlich. Da waren die Advokaten und Verweser früherer Jahrhunderte aber andere Kaliber.

Bleibt mir die Kirche des ehemaligen Benediktiner Klosters St. Emmeram, das durch die Familie erst Anfang des 19. Jahrhunderts bezogen wurde, nachdem Regensburg zu Bayern kam (nach den Niederlagen zusammen mit Napoleon, das haben wir schon in den letzten Beiträgen besprochen).

Die Kirche hat ganz frühe Ursprünge, an einer Stelle im Inneren sind die frühen Romanischen Mauern freigelegt.

Später wurde das Bauwerk barockisiert und hat einen schönen Prunk.

Es gibt einen extra Altar für den kleineren Kreis hinter der Orgel Richtung Westen. Sieht toll aus, wenn das Abendlich da durch fällt.

Unten ist die St. Wolfgang Krypta zugänglich, diese Säulen tragen den gesamten Bau darüber, der mit Gewölben abgestützt ist.

Echt toll, was sich die Baumeister ohne Computer getraut haben. In einem Schaukasten ist eine Sammlung von Wallfahrtskerzen im Halbdunkel aufbewahrt.

Auch die Orgel ist natürlich prächtig.

Ich habe einen Lauterer auf einer Grabtafel entdeckt.

Er war damals für die Baierische Pfalz zuständig – eben einer der Urfans von Kaiserslautern. Raus aus der Kirche umrunde ich den Schlosspark.

In den fürstlichen Behausungen ist niemand auszumachen außer dem unbekümmerten Gartenhasen, der sich mit dem Aufenthalt auf einer Lichtung nicht an die Sicherheitsvorschriften hält.

Am Parkausgang studiere ich nochmal das Wappen der Adelsfamilie, die seit 1650 Thurn und Taxis heißt: Der Turm und der Dachs sind gut zu erkennen.

Das fürstliche Brauhaus zu Thurn und Taxis, das hier erst 2005 im alten Marstall eingerichtet wurde, Ist auch nicht mehr das, was es mal war: Die Marke wurde an die Paulaner verkauft und die Brauerei samt Wirtschaft hier wird von der Hacker Pschorr betrieben.

Ich hatte mich schon gewundert, warum hier nicht überall Thurn und Taxis dran steht und die Konkurrenz direkt vor der Haustür bzw. in den eigenen Räumen geduldet wird.

So gibt’s also heute zum zum zweiten Mal keine Kässpätzle (sondern Kaspressknödel) und wieder Hacker Pschorr, aber diesmal naturtrüb und aus dem ehemals fürstlichen Sudhaus.

Heute gehts früh ins Bett wenn der zweite Versuch morgen gelingen soll.

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

51 Oberpfalzetappe: Wörth – Regensburg (Donauradweg)

Neuer Rekord: 7:32 Uhr bin ich auf der Straße – immerhin. Vorher mein selbstgemachtes Frühstück (bevor ich nicht mehr weiß wie das geht).

Am Horizont ist heute nicht der Bayerische Wald, sondern – andere Seite – die Autobahn nach Regensburg, die wegen der vielen Altarme und Feuchtgebiete der Donau etwas höher gebaut wurde.

Toll wie die Gerste schnell wächst.

Mein Radweg verläuft noch dahinter, schön an der Donau entlang. Aber der Umweg ist mir einfach zu groß (4km), da laufe ich lieber auf der Bundesstraße. Das ist eine weitere Maßnahme gegen die Hitze. Die Vorteile: Kürzerer Weg, Schatten durch Bäume und Abwechslung durch die Orte, die ich ablaufe. Der Nachteil – Autoverkehr – fällt kaum ins Gewicht, denn es sind nicht viele und die Dörfer an der Strecke ziehen sich auch lang, da gibt es gar nicht sooo lange Straßenstrecken. Außerdem leichte Spannung, ob Sie mich sehen und ausweichen – klappt fast immer, keiner hupt nervös.

Ich komme an wunderschönen Mohnblumen vorbei und mache ein Foto. Das ruft Michael auf den Plan. Es ist seine Böschung, er ist noch dazu stolz darauf, daß sie sich von selbst so ausgesäht haben. Als ich komme, ist in jedem Blütenkelch eine Hummel. Wir erzählen eine Weile über Blumen, Insekten, Syrien und Brennholz machen und stellen fest, die Welt ist doch eigentlich super. Er gibt mir noch einen wichtigen Tip mit auf den Weg: „Da laufst immer grad aus bis zur Steinernen Brücke und dann holst Du Dir 6 Würschtle und a g’scheits Kraut dazua“. Ich weiß, welche Idee dahinter steckt, aber ich kann das nicht versprechen, lieber Michael.

Das platte Land hat auch seine Reize.

Und jedes Dorf hat seine Kirche.

Doch was ist das da oben auf dem Berg – ein Panthenon nicht auf der Akropolis sondern hier, in Donaustauf? Es ist die Ruhmeshalle Walhalla.

Nachdem die Bayern mit Napoleon auf das falsche Pferd gesetzt hatten, beschloß der König eine Halle zu bauen mit den wichtigsten Persönlichkeiten, auf die Bayern und ganz Deutschland stolz sein kann. Eben um sich wieder aufzurichten. Käthe Kollwitz ist vor ein paar Tagen hier aufgenommen worden. Ihre Büste wurde aufgestellt, las ich erst gestern in der Donauzeitung. Achso, das ist hier!

Apropos Ruhm: Ich brauche dringend ein paar FCK – Aufkleber gegen diese Sachbeschädigung hier:

Regensburg kündigt sich an, der Dom ist durch die Bäume schon zu sehen, eines von Deutschlands größten Sakralbauwerken.

Ich laufe vor bis zur Innenstadt, um die Steinerne Brücke zu finden. An diesem schönen Punkt stoppe ich meine Uhr und laß mich hinein ziehen in erste Hauptstadt Bayerns.

Und dann komme ich auf die Steinerne Brücke, die so super renoviert wurde, daß sie fast zu neu aussieht.

Die 6 Würschtle mit Kraut hab ich nun doch nicht genommen sondern erstmal ein Eis.

Schon beim Reinlaufen in die UNESCO Welterbe Altstadt bin ich überwältigt von ihr.

Mein Hostel hab ich mir eben gegoogelt, es liegt in der oberen Bachgasse und sie haben noch ein Bett frei.

Klamotten runter, duschen und erstmal was essen. In StadtamHof – der kleine Teil der Altstdt auf der anderen Donauseite liegt das Spital und die haben auch eine Brauerei und einen riesigen Biergarten.

Hier gibt es mein Essen!

Ich lege mich für den Nachmittag ins Bett und dann streife ich kreuz und quer durch die Stadt.

Sie ist so groß daß ich an kaum einem Punkt zwei Mal vorbei komme. Es gibt allein 15 Kirchen, mehrere Brauereien und Brauhäuser und fast keinen Autoverkehr. Im Weißbräu heute nicht nochmal Kässpätzle sondern Knödelgröschtl mit Gemüse, das ist so ähnlich. Nur ohne Spätzle und Käse, dafür mit Knödel und Gemüse. OK also doch was anderes.

Den hier sehe ich jetzt doch schon zum dritten Mal heute – den Dom im abendlichen Licht.

17. Etappe Wörth – Regensburg Donauradweg: 24 km

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

50 Donauradweg (16.) Bogen – Wörth

Gestern haben wir mit Freunden die halbe Nacht hindurch gesessen und diskutiert über „Ölkrisen, Umweltverschmutzung, Atomkraft – aber über nichts wichtiges“ (Loriot).

Na, jedenfalls wollte das mal wieder nicht zu meinem Plan passen, früher als sonst aufzubrechen um der Sonne zu entgehen. Immerhin stand ich um 8 Uhr auf der Straße.

Der Weg unverändert, oben der Deich, dahinter irgendwo die Donau und unten glatter Radweg. Die Farbe des Tages scheint Violett zu sein.

Das eine oder andere Kirchlein will fotografiert werden.

Der Bayerische Wald liegt immer weiter weg im Dunst, hier sogar mit Erklärung, welcher von den Gipfeln denn genau der Mount Everest ist.

Die Sonne brilliert und der Schweiß rinnt. Das Bier von gestern will raus.

Gefährliche Tiere kreuzen meine Route.

Und ein winziges Shetlandpony hört sich meine Geschichten geduldig an.

Das Feuerwehrfest von Pittich steht in den Startlöchern, der Grill und der Bierwagen sind aufgebaut. Pünktlich um 10 Uhr erfolgt die Ehrung der verdienten Kameraden und danach gibt’s kein Halten mehr. Ich bekomme ein schönes großen Glas Leitungswasser und schütte das meiste davon über den erhitzten Kopf – herrlich.

Ansonsten ist es hier in Niederbayern das reinste Bild des Friedens, nur hübsche Gärtchen, Häuschen, Dörfchen.

Viele Radausflüger, die vielleicht auch nur zum Feuerwehrfest wollen. Und einige kernige Radsportler, wie Paul aus Südafrika. Er rauscht vorbei, dreht dann aber nochmal um, ob er sich nicht verguckt hat: Ein Radler ohne Rad. Er fotografiert mich und wir kommen kurz ins Gespräch. Er ist gestartet in Nantes in Frankreich und endet in Constanta in Rumänien am Schwarzen Meer. Jeden Tag fährt er ca. 100 km, hat kaum Gepäck, er ernährt sich von Sandwiches und Joghurt. Der Mann Ende fünfzig sieht gut aus und hat womöglich Beine aus Eisen.

Genauso auch Alfred, noch etwas älter. Er ist hier aus der Gegend, war aber mit den Rad schon in Odessa, in Sizilien und auf anderen ausgedehnten Touren. Im Juli fährt er in den ostpolnischen Urwald und dann weiter nach Weißrussland hinein. Er begleitet mich die letzten drei km nach Wörth und hatten wir natürlich ein paar Themen. Sehr interessant, wieviel Menschen so reisen und damit eben auch einfach machen, was sie wollen!

Alfred wurde diese Woche von einem Hund gebissen. Die Schilderung dazu war eigentlich sehr amüsant. „Woißt, da hobn so Preißen oben im Wald a Heisl, mit Ökowirtschaft und so, woißt scho. Und die ham an neien Huund… “ köstlich. Ist wohl alles OK, er war heute – am Sonntag zur Nachsorge und hat nur noch ein kleines Pflaster.

Er empfiehlt mir den Gasthof Butz, und da komme ich auch unter.

Im schönen Wörth an der Donau.

Das Schloss Wörth ist sehr bekannt, hier wurde der 1806 Rheinbund geschlossen mit Napoleon und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation offiziell aufgekündigt. Der Bund ging dann zusammen mit Napoleon unter.

16. Etappe Donauradweg von Bogen nach Wörth: 30 km und damit 180 km in sieben Tagen, soviel hatte ich noch nie.

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

49 Donauradweg (15.) Deggendorf – Bogen

Mit frohem Mut und frischen Kräften mache ich mich heute etwas früher auf dem Weg um der Sonne zu entgehen. Noch ist die Luft frisch.

Und ein zweites nehme ich mir vor: Mich genau an die Ausschilderungen zu halten und nicht herum zu irren.

Auch das geht ganz gut, denn ich habe mir extra die Route in einem Navi aufgerufen. Ich bin mir dem nicht 100% einverstanden und es nervt auch etwas mit den Ansagen: „Die Route liegt 100m rechts von Ihnen, 40 m rechts, 150 m …“

Ich mache das wieder aus und laufe besser ohne ( die rote Linie ist mein Lauf, die blaue will das Navi).

Alan und Rosie aus Brighton treffe ich, die fahren auch „nach Gefühl“ und die sagen, am besten immer auf dem Deich entlang (leichte Briese und gute Übersicht aber leider oft Schotter),

oder unten am Deich entlang auf glatter Fahrbahn, aber eben öde und wärmer.

Am Horizont liegt im blauen Dunst der Bayerische Wald.

Blumen und ein Kirchlein am Wegesrand.

Die Schilder sind gut heute, dieses hier ist bei mir nicht so beliebt und bleibt die Ausnahme.

Vielleicht haben Sie es aufgestellt weil ich heute nach Bogen laufe. Die Wasserspeier sehen erst aus, als hätte man was verpaßt.

Aber auf dem Schild steht Geflügelproduktion und ich möchte niemals wissen, was in dieser Halle vor sich geht. Und über allem wacht der Herrgott mit einem lieblichen Kruzifix.

Bogen scheint wichtiger zu sein, als man denkt, wegen der Tradition.

Das bestätigt sich auch noch. Erstmal will ich ankommen in der Pension Schneider und was trinken und mich herrichten. So bekomme ich noch vor Küchenschluß 14 Uhr was zu essen. Aber so einfach ist das nicht. Die Post ist geschlossen.

Das Gasthaus Karl Adler hat schon sehr lange geschlossen.

Und im Weißbräu hat’s nur kalte Küche „a Wurschtsalat und a Sülzn konnst kriagn“.

So muß ich also doch hoch auf den Berg. Schon von weitem sieht man die Wallfahrtskirche Bogenberg. Da soll ich unbedingt hin sagt eine Freundin, aber den Berg hoch auch noch will ich eigentlich nicht. Nun also doch. Und es lohnt sich.

Ein toller Ausblick, den auch andere zu schätzen wissen, zum Beispiel Hochzeitspaare.

Hier oben hatte sogar Papst Benedetto einen Pontifikatsgottesdienst abgehalten.

Im Wirtshaus „Zur schönen Aussicht“ mache ich einen Doppelschlag: Spätzle mit Rahmsoße

und Knödel mit Rahmsoße in Ermangelung anderer vegetarischer Gerichte.

Ein wunderschöner Biergarten.

Ich gucke noch ein bischen in die Landschaft und bin sehr froh.

15. Etappe Donauradweg Deggendorf – Bogen: 27 km

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.

48 Pausentag in Deggendorf (Donauradweg)

Gestern habe ich ein Schild gesehen „Ganzjahresbad elypso“. Es hat sogar eine Sauna. Allerdings musse ich über 5 km weit laufen, bis ich dahin komme. Von der Donaubrücke habe ich einen schönen Blick über die Stadt.

Eine zweite Brücke weiter hinten führt auch noch rüber, aber da hätte ich den Einstieg vielleicht nicht gefunden. Sie geben sich auch keine Mühe, das Bad weiter auszuschildern und ich scheine der einzige zu sein, der da zu Fuß oder mit dem Rad hin will. Immerhin, der Parkplatz am Ziel ist voll.

Vorbei geht es an Hühnern (direkt an der Straße!), die sich im Sand eingraben…

… an wunderschönen Wildblumen in Violett…

… und in Gelb.

Es geht über Autobahnen und drunter durch.

Nach Regensburg sind auf der Autobahn nur 70 km, Nürnberg nur 170 km. Ist alles gar nicht so unerreichbar.

Die Saunalandschaft ist perfekt und es gibt einen schönen Außenbereicj sogar einen Naturteich, in dem man auch schwimmen kann. Fotografieren natürlich strengstens verboten. Mit einem Apfelstrudel im Bauch will ich mich schon wieder 5 km auf den Rückweg machen, da sehe ich ein einsames Schild der Buslinien Ostbayern. Er ist auf die Minute pünktlich und so komme ich noch rechtzeitig in die Stadt zurück.

Denn ich will unbedingt in dieses traditionelle Brauhaus.

Öffnungszeiten 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Die Leute gehen da morgens und mittags hin, um Weißbier zu trinken und Weißwurscht zu essen. 8 Uhr Kneipe, das kennen wir bei uns nicht. Abends ist eigentlich kein Betrieb mehr und deshalb „sperren sie schon um sechse zu“. Es ist innen genau so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Alte Tische, und schnörkelloser Umgang mit den Gästen. Die Stammgäste haben jeder Ihr eigenes Weißbierglas mit dem Namen drauf.

Von dieser Droge komme ich auch nicht mehr los: Kasspatzen.

Ich schlendere durch die Innenstadt nach Hause.

Zwei Radlerinnen sagen: Das sieht ja aus wie Straubing. Nagut, dann kann ich mir ja Straubing schon mal sparen.

Heute komme ich im ORF Regional Oberösterreich im Fernsehen.

https://tvthek.orf.at/profile/Oberoesterreich-heute/70016/Oberoesterreich-heute/14015473/Von-Wien-nach-Koeln-im-Laufschritt/14505775

Haben sie schön gemacht, wenn auch verschiedenes nicht ganz präzise ist.

Wie damals mache ich auch jetzt die Erfahrung, daß sie nicht genau das daraus machen, wie ich es selbst sehe oder gesagt habe. Zum Beispiel schaffe ich es schon zeitlich nicht, bis nach Hause durch zu laufen und ich wohne ja auch in der Nähe von Koblenz, Köln wären ja noch mal 120 km weiter.

Aber trotzdem eine schöne Sache, sich mal kurz selbst im TV zu sehen.

Für alle, die sich jetzt erst einlesen und sich fragen, warum der Blog nicht Transdanubia (wegen Donau) heißt: Mein ursprünglicher Lauf von Baku in Aserbaidschan nach Poti in Georgien, vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer war nicht durchführbar. Näheres steht in der Geschichte 12. So beschloß ich, statt über Wien mit dem Zug nach hause zu zurück zu kehren, diese Strecke möglichst vollständig zu laufen. Ich bin quasi auf dem Rückweg von Transkaukasien. So komme ich doch noch in den Laufgenuß, allerdings auf sicherem Terrain.